Sohn ermordeter Journalistin: "Malta ist ein Mafia-Staat"

17. Oktober 2017, 11:20
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Daphne Caruana Galizia galt als unbequeme Aufdeckerin von Missständen im Mittelmeer-Inselstaat

Valletta/Rom – Der Schock über die Ermordung der 53-jährigen Journalistin und dreifachen Mutter saß in Malta am Dienstag noch tief. Tausende nahmen an Mahnwachen, Gedenk- und Protestaktionen teil. Zum Entsetzen über die Tat – Daphne Caruana Galizia war am Montag durch eine ferngezündete Autobombe getötet worden – gesellte sich auch die Empörung über die Äußerung eines maltesischen Polizisten auf Facebook: "Jeder bekommt, was er verdient, Kuhscheiße", schrieb der Beamte. Er ist suspendiert worden.

Einer der drei Söhne der Ermordeten machte am Dienstag die Behörden und die Regierung von Malta für den Anschlag mitverantwortlich. "Meine Mutter wurde ermordet, weil sie zwischen dem Gesetz und jenen stand, die es verletzen wollen", schrieb Matthew Caruana Galizia auf Facebook. Sie sei ins Visier genommen worden, weil sie die Einzige gewesen sei, welche die Missstände benannt habe. Der Sohn der Ermordeten kritisierte auch Regierungschef Joseph Muscat von der Labour Party, der das Attentat noch am Montagabend in einer Fernsehansprache als "barbarischen Akt" verurteilt hatte. Muscat habe seine Mutter jahrelang zu dämonisieren und einzuschüchtern versucht. Unter Muscat herrsche eine Kultur der Straflosigkeit, die eine solche Tat überhaupt erst ermöglicht habe. "Wir sind ein Mafia-Staat", schrieb Matthew Galizia.

In der Tat hatte Daphne Caruana Galizia den Premierminister in ihrem Blog mehrfach kritisiert. Sie hatte dem Team des International Consortium of Investigative Journalists angehört, das im April 2016 die sogenannten Panama Papers veröffentlicht hatte. In dem Dossier spielte nicht nur Panama, sondern auch Malta eine wichtige Rolle: als Steuerparadies und Sitz von über 70.000 Offshore-Firmen (bei 430.000 Einwohnern). Daphne Galizia entdeckte, dass die Gattin des Premierministers, Michelle Muscat, bei einer Bank in Panama ein Konto besaß, auf das Schmiergelder in Millionenhöhe aus Aserbaidschan geflossen seien. Vorwürfe im Zusammenhang mit Offshore-Konten richteten sich auch gegen den Energieminister sowie gegen Muscats Kabinettschef. Unter dem Eindruck des Skandals musste Muscat zurücktreten und Neuwahlen ansetzen. Trotz der Affäre gewann Muscat die Wahlen und kehrte ins Amt zurück.

Hort der Kriminalität

Der Mord erinnert daran, dass Malta als eines der korruptesten EU-Mitglieder gilt. Auf der ehemaligen Kreuzfahrerinsel auf halbem Weg zwischen Europa und Afrika haben laut italienischen Anti-Mafia-Ermittlern neben Offshore-Firmen auch Drogenbarone der kalabrischen ’Ndrangheta Stützpunkte eingerichtet. Malta dient laut italienischen Erkenntnissen außerdem als Drehscheibe für Menschenschmuggler.

Daphne Caruana Galizia hat all dies auf ihrem Blog schonungslos offengelegt und ist damit vielen auf die Füße getreten: Regierungsmitgliedern, dem Oppositionsführer Adrian Delia von der National Party, aber auch Geschäftsleuten, hohen Beamten und Richtern.

Vor dem tödlichen Bombenanschlag gegen die Bloggerin sind in Malta in den letzten zwölf Monaten bereits fünf weitere Menschen durch Bomben getötet worden. Angesichts der zahlreichen Feinde, die sich die 53-Jährige mit ihrer Arbeit gemacht hatte, dürfte die Ermittlung der Täter schwierig werden. Zur Untersuchung der Tat hat die Regierung die Hilfe von niederländischen Bombenexperten und vom FBI angefordert. Eine Spur gibt es bisher nicht.

Daphne Caruana Galizia wusste, dass sie gefährlich lebte: Vor 15 Tagen hatte sie sich noch wegen Morddrohungen bei den Behörden gemeldet. Zu ihrem Schutz wurde nichts unternommen. "Wo du auch hinschaust, überall sind Gauner. Die Lage ist hoffnungslos", schrieb Daphne Caruana Galizia am Montagnachmittag um 14.35 Uhr. Es war ihr letzter Eintrag in ihren Blog: 25 Minuten später war sie tot. (Dominik Straub, 17.10.2017)

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    Daphne Caruana Galizia war die wohl bekannteste Journalistin Maltas.

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    Im ganzen Land wird ihrer gedacht.

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