11.700 Euro Strafe, weil Telegram russische Behörden nicht mitlesen lässt

16. Oktober 2017, 15:47
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Unternehmen wollte Geheimdienst Mitlesen von Nachrichten nicht ermöglichen

Ein russisches Gericht hat den Messenger-Dienst Telegram zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er dem Inlandsgeheimdienst das Mitlesen seiner Nachrichten verwehrt. Das Unternehmen muss 800.000 Rubel (11.737,09 Euro) zahlen, wie die Nachrichtenagentur Tass am Montag berichtete. Die kostenlose App ist in Russland besonders beliebt, weil Nachrichten verschlüsselt vom Absender zum Empfänger gelangen.

Entschlüsselung verlangt

Der Inlandsgeheimdienst FSB hatte Informationen zur Entschlüsselung sämtlicher über Telegram verschickten Nachrichten verlangt, wie der Gründer der App, Pawel Durow, bereits im vergangenen Monat mitgeteilt hatte. Als sich das Unternehmen weigerte, legte der FSB Durow zufolge offiziell Beschwerde ein.

Telegram hat zehn Tage Zeit, um die Geldstrafe anzufechten. Scheitert die Urteilsanfechtung, könnte die beliebte App in Russland gesperrt werden. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, seines Wissens nach sei die Sperre der App aktuell kein Thema. Die Geldstrafe wollte er nicht kommentieren.

100 Millionen Nutzer

Weltweit nutzen 100 Millionen Menschen die App, davon zehn Millionen in Russland. Telegram wird in mehreren Ländern wegen seiner Verschlüsselungstechnologie vorgeworfen, Jihadisten als attraktives Kommunikationsmittel zu dienen.

In den vergangenen Jahren hatte die russische Regierung die staatliche Kontrolle über das Internet verschärft. Der Kreml rechtfertigt sein Vorgehen als Maßnahme zum Schutz vor islamistischen Anschlägen. (APA/AFP, 16.10.2017)

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