Sturm dominant, die Austria lethargisch

16. Oktober 2017, 11:39
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Alar: "Beste Saisonleistung" – Fink übte Kritik und muss mit noch engerer Personaldecke zurechtkommen

Graz – Der 3:0-Heimsieg von Sturm Graz über die Austria hat am Sonntag nicht nur begeisterte Sturm-Fans zurückgelassen. "Mehr kann man sich nicht wünschen", meinte etwa Sportdirektor Günter Kreissl, der freilich den Abgang von Trainer Franco Foda zum ÖFB fürchten muss. Ein Schicksal, das auch der Austria drohen könnte. Nach der schwachen Vorstellung in Graz hatte man aber vorerst ganz andere Sorgen.

"Ich bin extrem enttäuscht und wütend über das Ergebnis und auch, dass wir den Anschluss an die Spitze so einfach hergegeben haben." Die Worte des zuvor über 90 Minuten abgemeldeten Solostürmers Christoph Monschein geben das violette Stimmungsbild perfekt wieder. Kein Wunder, dass Thorsten Fink eine Lesung seiner ballesterischen Leviten ankündigte. "Die Mannschaft wird sich von mir einiges anhören müssen", sagte Austrias Trainer, der vor Spielbeginn noch seine Bereitschaft für Teamchef-Gespräche mit dem ÖFB angekündigt und von seinem Sportdirektor Markus Kraetschmer dafür Grünes Licht erhalten hatte.

"Komplett"

Genau das wollte Sturms Sportdirektor Günter Kreissl vor dem Spiel zwar nicht bestätigen ("Es basiert derzeit alles nur auf Gerüchten"), auch "sein" Coach Foda bekundete aber, offen für Teamchef-Plaudereien mit Schöttel zu sein. Nach dem Spiel war Kreissl jedenfalls von der Darbietung angetan. "Das war die kompletteste Leistung seitdem ich da bin", sagte der ehemalige Austria-Profi, in Graz seit Mai 2016 im Amt. "Das war eine extrem dominante Leistung für ein Spitzenspiel."

Nach Deni Alars verschossenem Elfmeter beim Stand von 0:0 (21.) erlitten die "Blackys" keinen Einbruch. "Wir sind trotzdem cool geblieben", betonte Alar, der seine "Schuld" mit dem Doppelpack (27., 56.) mehr als beglich. "In der Vergangenheit haben wir immer wieder leichte Schwächephasen gehabt. Das war heute überhaupt nicht zu sehen", befand Kreissl an einem Abend, an dem auch Selbstlob erlaubt war. "Ich glaube, dass das die beste Saisonleistung von uns war. Wir waren von der ersten bis zur letzten Sekunde die bessere Mannschaft", stellte Alar fest.

"Wir waren von Beginn an sehr giftig, haben nach Balleroberungen sehr gut nach vorne gespielt", konstatierte Foda, dessen Truppe das Umschaltspiel der Austria gut unterband. Dem 51-Jährigen gefiel nicht zuletzt das Abwehrverhalten: "Wir haben defensiv eine sehr gute Arbeit geleistet und die Räume schnell zugemacht." Goalie Jörg Siebenhandl, 90 Minuten lang praktisch arbeitslos, bestätigte dies: "Wir waren defensiv richtig, richtig gut." Foda freilich wollte auf mahnende Worte nicht völlig verzichten. "In der letzten halben Stunde haben wir die Konter nicht gut zu Ende gespielt", sagte er. Die Leistung müsse zudem bestätigt werden: "Wir müssen aber auch nächstes Wochenende gegen Mattersburg alles abrufen."

"In allen Belangen überlegen"

Die Austria ist schon am Donnerstag in der Europa League zuhause gegen Rijeka gefordert. "Ich muss die Mannschaft aufbauen, ihnen Vertrauen dafür geben", erklärte Fink, der die richtige Mischung aus kritischen und motivierenden Worten finden muss. "Sturm war in allen Belangen überlegen", kam er nicht umhin einzubekennen. Das erkannte auch Kapitän Raphael Holzhauser an, er plädierte aber dafür, kühlen Kopf zu bewahren. "Wir haben acht Spiele in Folge nicht verloren. Dass das wiederkommt war klar. Vielleicht zum richtigen Zeitpunkt. Die Welt geht nicht unter", sagte der Mittelfeldmann.

Fink stieß sich nicht zuletzt an der an den Tag gelegten "Lethargie", die er explizit ansprach. Was ihn wohl auch etwas unruhig macht, ist die Personalsituation. Linksverteidiger Christoph Martschinko erlitt vermutlich eine Kreuzbandverletzung und könnte länger fehlen. In der Innenverteidigung gibt es ohnehin schon keinen Spielraum, gegen Rijeka darf man zumindest auf die Rückkehr von Heiko Westermann hoffen. Und weil sich Felipe Pires in der Nachspielzeit ein unnötig hartes Foul samt Roter Karte leistete (Fink: "Das war höchstens Gelb") herrscht just im Derby gegen Rapid am kommenden Sonntag auch im offensiven Mittelfeld Knappheit. (APA, 16.10.2017)

  • Unterschiedliche Zeichen für beide Trainer.
    foto: apa/erwin scheriau

    Unterschiedliche Zeichen für beide Trainer.

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