Türkise Zugewinne im schwarzen Kernland

15. Oktober 2017, 22:17
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Eine grüne "Katastrophe" und eine rote "Niederlage" in Niederösterreich

Rund 1,3 Millionen Niederösterreicher waren am Sonntag aufgerufen, das Ihre zur neuen Mandatsverteilung im Parlament beizutragen. Mit einer Wahlbeteiligung von rund 74 Prozent folgte ein Großteil von ihnen diesem Ruf ins Wahllokal.

Auch die Tochter der Landeshauptfrau war laut Facebook-Eintrag der Mama das erste Mal wahlberechtigt. Johanna Mikl-Leitner selbst bat nach der Stimmabgabe noch einmal um "eure Stimme für Sebastian Kurz – damit auch im Bund wieder was weitergeht!".

Die Ergebnisse – ohne Briefwahlstimmen – dürften für landeshauptfrauliche Zufriedenheit sorgen: Mit 36 Prozent lag die ÖVP in Niederösterreich deutlich vorne.

Das Rennen um Platz zwei entschied die FPÖ für sich. Mit Stand Sonntag, 22 Uhr konnten sich die Blauen um acht Prozentpunkte verbessern – und erreichten ein Ergebnis von 27 Prozent. Für die Roten ging es bergab: Ein Minus von drei Prozentpunkten ergibt ein vorläufiges Ergebnis von 25 Prozent. Noch deutlicher dezimiert wurden die Grünen: minus sieben Prozentpunkte – macht nur noch knapp zwei Prozent der Stimmen, womit man hinter den Neos und der Liste Pilz landet.

Eine grüne Katastrophe

Die grüne Landeschefin Helga Krismer reagierte unverblümt: "Das Ergebnis ist eine Katastrophe." In ihrer Heimatstadt Baden stand ein Minus von zehn Prozentpunkten vor dem vorläufigen Endergebnis – macht 4,7 Prozent. Auch für den roten Landesparteichef Franz Schnabl war klar: "Das Ergebnis ist für uns eine Niederlage." Für die Landtagswahl will er aus dem "sehr holprigen Wahlkampf" lernen.

ÖVP-Landeshauptfrau Mikl-Leitner freute sich hingegen über den "bewegten Wahltag", an dem ein Viertel aller Stimmen für die ÖVP aus Niederösterreich gekommen sei. Auch in Mikl-Leitners Heimatort Klosterneuburg konnte die ÖVP zulegen: 4,8 Prozentpunkte auf 36 Prozent.

Zum Vergleich die niederösterreichischen Ergebnisse von 2013: über 30 Prozent für die ÖVP, die SPÖ kam damals auf auf 27,6 Prozent. Erst weit hinten die Freiheitlichen: Sie landeten beim letzten bundesweiten Wahlgang mit knapp 19 Prozent auf Platz drei.

Diesmal war es für die Grünen in Niederösterreichs kleinster Gemeinde besonders schlimm: Keiner der 56 Wähler in Großhofen votierte für sie.

Hochburgen schwächeln

Die Gemeinde Bad Traunstein mit ihren knapp 1.000 Einwohnern, bei der vergangenen Nationalratswahl eine absolute ÖVP-Hochburg, war vom neuen türkisen Kurs nicht ganz so begeistert. Mit einem Minus von fast 14 Prozentpunkten ist die Volkspartei zwar immer noch Erste, erstmals kratzt aber die FPÖ hier im Waldviertel an der 20-Prozent-Marke.

Ähnlich, nur unter umgekehrten Vorzeichen, die Situation in der für die Roten traditionell starken Gemeinde Brand-Nagelberg im Bezirk Gmünd: Hier im nördlichen Waldviertel hielt man zwar der SPÖ die Treue, allerdings mit einem fetten Minus von 11,7 Prozentpunkten. Für Platz eins reichte es dennoch: Die Sozialdemokraten kamen bei den rund 1.600 Wahlberechtigten immer noch auf 42,5 Prozent der Stimmen.

Im Frühjahr 2018 ist Niederösterreich mit der Landtagswahl dran. Landeshauptfrau Mikl-Leitner bleibt trotz erfolgreichen türkisen Wahlkampfs überzeugt: "Wir werden als Volkspartei Niederösterreich antreten." Eine Liste Johanna Mikl-Leitner wäre aus niederösterreichischer Sicht die falsche Bewegung. (Karin Riss, 15.10.2017)

  • Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner fuhr mit der ÖVP am Sonntag einen Erfolg ein. Im Frühling ist Niederösterreich mit der Landtagswahl dran.
    foto: standard/cremer

    Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner fuhr mit der ÖVP am Sonntag einen Erfolg ein. Im Frühling ist Niederösterreich mit der Landtagswahl dran.

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