Frankfurter Buchmesse: Wenn die Vernetzung Gott ersetzt

    12. Oktober 2017, 18:10
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    Dan Brown stellt seinen neuen Roman "Origin" vor

    Das Böse ist seit Hannah Arendt banal. Da darf Thrill doch aussehen wie ein durchschnittlicher Kerl. Mit dem gescheitelten Haar und den freundlichen Zügen ... – ach, googeln Sie ihn! Die Fotografen konnten eh nicht genug kriegen. Dabei habe er sich in den letzten fünf Minuten doch gar nicht so sehr verändert, scherzte Dan Brown bei der Pressekonferenz zu seinem Roman Origin auf der Buchmesse. In 24 Stunden erlebt Semiotiker Robert Langdon, der Gentleman unter den Thrillerhelden, seinen fünften Fall.

    Der spielt in Spanien und bedroht nicht nur die katholische Kirche, sondern Religion an sich. Nicht etwas, das er gelesen habe, oder ein Kunstwerk habe ihn diesmal inspiriert, so Brown, sondern Musik – die Missa Charles Darwin seines Bruders und Komponisten Gregory. Davon ausgehend sei er zur Frage gelangt: Wird Gott die Wissenschaft überleben? Bisher sei ja noch jeder Gott obsolet geworden. Dass so eine externe Instanz in Zukunft keine Rolle spielen wird, glaubt Brown aus einem bestimmten Grund: Die Menschen seien untereinander vernetzt wie noch nie, das werde einmal Spiritualität ersetzen.

    Auch will er diesmal – mit christlichen, muslimischen und jüdischen Protagonisten – zeigen, dass Religionen einander viel ähnlicher seien als vermutet. "Wir alle machen dieselben großen Erfahrungen", auf die Religionen reagieren.

    Es war der erste große PR-Termin für dieses Buch in Europa. Meist spielten seine Romane hier, weil er fasziniert davon sei, wie sich hier Historie und Kultur verbänden. Auch habe in Europa, anders als in seiner Heimat, den USA, eine Speise im Lokal oder ein Auto die angemessene Größe. Für Origin hat er insgesamt sieben Monate in Spanien verbracht. Der Vor-Ort-Arbeit gehen stets monatelange Lektüre – "nonstop und Non-Fiction" – und Gespräche mit Experten voraus.

    Zur Semiotik gekommen ist er über seine Eltern, eine Kirchenmusikerin und einen Mathematiker – "beides Sprachen mit Codes und Symbolen". Codes seien für ihn seither Spaß. Doch zugleich könnten seine Bücher Leser zur Frage anregen, warum sie an das glauben, woran sie glauben. Das müssten wir uns in Zeiten von Fake-News mehr denn je fragen. Nachdenklich wird er auch beim Thema Terrorismus. Der komme im Buch nicht vor, weil Terrorismus nichts mit Religion zu tun habe, sondern mit Politik. (Michael Wurmitzer aus Frankfurt, 13.10.2017)

    Zu den anderen Teilen des Tagebuchs zur Frankfurter Buchmesse:

    Teil 1 – Aufbau einer besseren Welt

    Teil 2 – Infotainment aus Holz und Plastik

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