Österreicher sparen im Schnitt 239 Euro pro Monat

12. Oktober 2017, 13:54
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Die Liebe zum Sparbuch ist ungebrochen, auch wenn es dort keine Zinsen mehr gibt. Wertpapiere sind zuletzt in ihrer Beliebtheit gestiegen

Wien – Eines hat in Österreich Bestand: die Liebe zum Sparbuch. Dass die Sparzinsen seit Jahren deutlich unter der Inflationsrate liegen, ändert daran nichts. Das Sparbuch bleibt die beliebteste Sparform. 76 Prozent der Österreicher (2006 waren es 71 Prozent) setzen laut einer aktuellen Umfrag der Erste Bank und Sparkassen noch immer auf das Sparbuch. Wobei mittlerweile 46 Prozent der Befragten ihr Geld auf dem Girokonto liegen lassen. "Ob man 0,2 oder 0,4 Prozent bekommt, macht für die Menschen keinen Unterschied", sagt Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Erst Bank. Gestiegen – und zwar um 15 Prozentpunkte auf 29 Prozent – ist auch der Anteil derer, die Wertpapiere halten.

Sparen bleibt den Österreichern aber wichtig: 75 Prozent der 900 Befragten geben an, Geld auf die Seite zu legen. Damit liegt dieser Anteil seit zwei Jahren wieder über der 70-Prozent-Marke. Aber wofür sparen die Österreicher eigentlich? Hauptgrund ist nach wie vor der Notgroschen (82 Prozent). Bei anderen Gründen gab es zuletzt Veränderungen. War 2006 noch für 17 Prozent der Anreiz, "sich später etwas leisten zu können", so ist dieser Anteil nun auf 41 Prozent gestiegen. Für eine Renovierung wollen 39 Prozent (plus 18 Prozentpunkte) etwas zurücklegen, 30 Prozent (plus 16) sparen für kleine Anschaffungen wie Computer oder Fernseher.

Sparbetrag wächst

239 Euro legen die Österreicher im Schnitt monatlich zur Seite. 2006 waren es noch 132 Euro. Am sparfreudigsten sind dabei die Steirer mit 266 Euro, die Wiener rangieren mit 209 Euro auf dem letzten Platz. Das kann laut Schaufler auch daran liegen, dass dort die Wohnkosten deutlich höher sind.

Obwohl der Sparbetrag um gut 100 Euro gestiegen ist, sind nur 51 Prozent der Österreicher damit zufrieden. "Wenn man mit dem Ziel spart, sich später etwas leisten zu können, muss man unbedingt über das Sparbuch hinausdenken", sagt Schaufler und bringt ein Beispiel: Auf heimischen Konten liegt ein Vermögen von mehr als 260 Milliarden Euro. Wären davon nur zehn Prozent in Aktien investiert worden, hätten seit 2013 vier Milliarden Euro Rendite eingefahren werden können. "Diese vier Milliarden hätte ich gerne für die Österreicher verdient", fasst Schaufler zusammen. "Dass Aktien auch ein höheres Risiko mit sich bringen, ist klar. Aber die niedrigen Zinsen und die steigende Inflation vernichten geparktes Geld, wenn man sich als Anleger nicht darum kümmert."

Dass das Interesse an Fonds und Aktien steigt, freut Heinz Bednar, Geschäftsführer der Erste Asset Management. Vor allem ethisch-nachhaltige Investments ziehen Aufmerksamkeit auf sich. So weiß laut der Umfrage jeder zweite Österreicher, was unter einem nachhaltigen Investment zu verstehen ist. Aber nicht einmal vier Prozent investieren ihr Geld in so ein Produkt. Wie also diese Lücke schließen?

Bednar führt die große Diskrepanz zwischen Interesse und Wertpapierbesitz auf Wissensdefizite zurück. Hier will man nun ansetzen. In der Bank-App George soll es daher ab kommendem Jahr möglich sein, Kapitalsparpläne selber zusammenzustellen. Das soll Kunden animieren, in das Thema einzutauchen.

Kein Nachteil

Wer sein Geld in nachhaltige Produkte steckt, fürchtet oft, weniger Rendite als mit anderen Produkten zu verdienen. 55 Prozent der Österreicher gehen mittlerweile aber davon aus, dass ethisch-nachhaltige Investments gleich viel Ertrag bringen wie jedes andere Investment. Interessant ist, dass 66 Prozent sogar einen geringeren Gewinn akzeptieren würden, nur damit das Geld nachhaltig veranlagt ist. "Das müssen sie aber nicht", fügt Bednar hinzu. Zahlreiche internationale Studien bestätigten, dass Verantwortung und Rendite keinen Widerspruch darstellen. (bpf, 12.10.2017)

  • Die Freude am Sparen ist in Österreich ungebrochen hoch. Dass das Geld dort nahezu unverzinst liegt, ist kein großes Thema.
    foto: thinkstock/brand x pictures

    Die Freude am Sparen ist in Österreich ungebrochen hoch. Dass das Geld dort nahezu unverzinst liegt, ist kein großes Thema.

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