Wahl der Angst

Einserkastl11. Oktober 2017, 17:53
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Angst ist paradoxerweise besonders spürbar bei jenen, denen der Staat stark hilft

Wenn Sebastian Kurz diese Wahl gewinnt – und die Chancen stehen gut –, dann deshalb, weil er auf einer Botschaft draufgeblieben ist: Veränderung.

Es geht uns, mit bestimmten Ausnahmen, nach wie vor ziemlich gut. Österreich ist eines der reichsten Länder Europas, mit einer der größten Umverteilungsraten. "Es geht heute mehr denn je um Veränderung, weil die Menschen ihren selbstverständlichen Optimismus verloren haben", diagnostiziert der Politikforscher Christoph Hofinger (Sora-Institut) in einem "Falter"-Interview. Gerade Gesellschaften wie die österreichische, die wahnsinnig viel erreicht hätten, seien jetzt massiv angstbesetzt.

Zukunftsangst ist gerade bei der breiten österreichischen Mittelschicht spürbar. Es ist die Angst um das Erreichte. Sie ist paradoxerweise besonders spürbar bei jenen, denen der Staat stark hilft – sei es im geschützten Sektor oder durch hohe Sozialtransfers. Man spürt: Die alten Sicherheiten gehen verloren, sei es durch die Globalisierung, sei es durch die "Zuwanderung ins Sozialsystem" (Kurz). Aber was macht die Politik? Sie steht still und/oder streitet.

Kurz hat das begriffen und bietet an, die Blockade aufzubrechen. "Zeit für etwas Neues." Irgendwie. Nicht so radikal wie Strache. Nicht so detailreich wie Kerns "Plan A" (wer erinnert sich noch?).

Das ist wohl eine Wahl der Angst. (Hans Rauscher, 11.10.2017)

Weitere Kommentare von Hans Rauscher lesen Sie hier.

  • Sebastian Kurz ist auf einer Botschaft draufgeblieben: Veränderung.
    foto: apa/erwin scheriau

    Sebastian Kurz ist auf einer Botschaft draufgeblieben: Veränderung.

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