Hot Yoga: Viel schwitzen und ein bisschen entspannen

Blog15. Oktober 2017, 12:00
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Wer den herbstlichen Temperaturen entfliehen möchte, kann sich bei Hot Yoga aufwärmen. Das ist anstrengender als erwartet

Wie sich 37 Grad anfühlen, ist immer relativ: Es kann ein angenehm milder Saunagang sein oder ein brütendheißer Sommertag inmitten von schwitzenden Menschen in der U-Bahn. Angesichts der herbstlichen Temperaturen klingt das Versprechen von 37 Grad jedenfalls verlockend. Ein Bekannter erzählt von einem neuen "Hot Yoga Vienna"-Studio im ersten Bezirk und verspricht "megafeine Wärmespenderei und Detox". Das klingt nach einem langen Arbeitstag ziemlich gut.

Zur Erklärung: Hot Yoga ist genau, wonach es klingt. Die Temperatur im Yogaraum liegt je nach Schwierigkeitsgrad zwischen 30 und 40 Grad – in jener Klasse, die ich mir ausgesucht habe, soll es also 37 Grad haben. Den Trend zu Yoga in aufgeheizten Räumen gibt es seit Jahren. Den Anfang machte Bikram Yoga: Das ist eine genau festgelegte Abfolge von 26 Yoga- und zwei Atemübungen. Zuletzt kam der Bikram-Gründer, Bikram Choudhury, aber in Verruf. Ihm wird vorgeworfen, mehrere Schülerinnen vergewaltigt zu haben.

Aber zurück zu Hot Yoga, konkret dem Hot Vinyasa Flow Yoga, das im Studio meiner Wahl praktiziert wird: Durch die tropischen Temperaturen im Raum soll das Yoga besonders gelenkschonend sein und das Herz-Kreislauf-System in Schwung bringen. Auch das Immunsystem und der Stoffwechsel werden angeblich angeregt.

Mittag im Death Valley

Als ich den Yogaraum betrete, muss ich trotzdem schlucken: Die Temperatur hat weder mit einem heißen Sommertag noch mit einem Saunagang etwas gemeinsam, sondern fühlt sich eher nach hochsommerlicher Mittagshitze im Death Valley an. Ich setze mich auf meine Yogamatte und trinke meinen ersten Schluck Wasser. Schon jetzt beginne ich zu schwitzen, und meine Beine kribbeln seltsam. Sie fühlten sich in letzter Zeit verspannt an – ich werte das als gutes Zeichen und bin gespannt.

Sobald sich mein Körper an die Temperatur gewöhnt hat, wird es ein bisschen angenehmer. Ich lege mich beim Warten auf den Beginn der Einheit auf den Rücken. Ich schließe die Augen und wähne mich in einem tropischen Regenwald. Fast wäre ich eingeschlafen.

Aber dann betritt Yogalehrerin Annemarie den Raum, und alle stehen auf. Die Einheit beginnt. Zeitgleich öffnet mein Körper alle Poren. Die erste Übung – Child's Pose – ist noch gut machbar. Dann, beim ersten herabschauenden Hund, rinnt mir aber der Schweiß schon übers Gesicht, und ich muss kurz pausieren, weil mir ein bisschen schwindlig wird. Wir dehnen den Oberkörper im Sitzen, balancieren auf einem Bein, gehen in die Plank-Position. Ich würde jetzt wirklich gerne duschen, denke ich mir bei einem Blick in den Spiegel und frage mich, warum ich so transpiriere, während die Yogalehrerin immer noch so unglaublich frisch ausschaut.

Endlich Entspannung

Überhaupt bewegen sich die meisten hier scheinbar mühelos von einer Verrenkung in die nächste. Ich hingegen komme immer wieder an die Grenzen meiner körperlichen Leistungsfähigkeit. Das ist auch okay für Anfänger, meint die Yogalehrerin, die immer wieder mit einem kleinen Handgriff meine Übungen korrigiert – und sich dabei augenscheinlich auch von starker Transpiration nicht abschrecken lässt.

Ganz am Ende der Einheit liegen wir dann endlich auf unseren Matten und dürfen entspannen. Aber nicht zu lange: Denn eine kalte Dusche ist mir jetzt eindeutig wichtiger. (zof, 15.10.2017)

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Auch wir Gesundheitsredakteure des STANDARD sind immer wieder mal krank. Und wir würden gern gesünder, fitter und krankheitspräventiver leben. Was wir für unser eigenes Wohlbefinden ausprobieren, was wir im Dschungel unseres Gesundheitssystems alles erleben und was wir tun, wenn es uns selbst dreckig geht, beschreiben wir hier – als Otto Normalverbraucher, sozusagen. Und Achtung: Misery loves company – wir freuen uns über Tipps, Tricks und Resonanz.

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