Airbus gerät in Korruptionsaffäre immer mehr unter Druck

11. Oktober 2017, 16:49
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Münchner Staatsanwaltschaft will Anklage erheben

Frankfurt – Die Luft für Manager des Luftfahrtkonzerns Airbus wird dünner. Vorwürfe der Korruption bringen das deutsch-französische Unternehmen immer mehr in Zugzwang. Die Staatsanwaltschaft München ist laut FAZ fest entschlossen, demnächst Anklage zu erheben. "Das Ermittlungsverfahren ist weit fortgeschritten", sagte die zuständige Oberstaatsanwältin der Zeitung.

Die Münchner Strafverfolger arbeiten demnach mit einer Ermittlergruppe aus Österreich zusammen, denn ein Thema unter anderen ist auch das Eurofighter-Geschäft mit Österreich. Dass Österreich Airbus daneben wegen Betrugs und angeblicher Täuschung beim Kauf der Eurofighter angezeigt und Schadenersatz verlangt hat, dürfte angesichts der Vorwürfe der kleinere Teil der Angelegenheit sein.

Was die Klage aus Österreich betrifft, sieht man kein Fehlverhalten des Konzerns. In einem anderen Fall habe man Konten entdeckt, deren Zweck nicht erkennbar war. Ob sie den behaupteten Schmiergeldzahlungen dienten, müssen Gerichte entscheiden. Anzeige hatte Airbus selbst erstattet. Der Konzern beteuert auch, mit den Behörden voll zu kooperieren. Insgesamt 16 Beschuldigte haben die Ermittler im Visier. Darunter frühere Airbus-Geschäftsführer, Berater und Geldempfänger des Konzerns. Die Vorwürfe wiegen schwer. Es geht um Milliardenaufträge, schwarze Kassen, Schmiergelder und das über mehr als ein Jahrzehnt. Die Beschuldigten hätten ein System aufgebaut, einzig um den Verkauf ziviler und militärischer Flugzeuge anzukurbeln, so die FAZ. Der Vorwurf lautet auf Untreue.

Anders als ursprünglich in deutschen Medien verlautet, werde allerdings nicht gegen ranghohe deutsche Bundesbeamte ermittelt. Airbus hat zudem dementiert, dass der derzeitige Vorstandschef Tom Enders durch die Affäre persönlich unter Beschuss gerate. Die Staatsanwaltschaft ermittle nicht gegen Enders.

Dieser ist derzeit vor allem bemüht, die Mitarbeiter zu beruhigen. "Keep calm and carry on", schrieb er in einem Rundschreiben an die Beschäftigten. (red, 11.10.2017)

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