Ohne Regeln: Fünf Designbüros und ihre Traumbetten

    13. Oktober 2017, 06:00
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    Breaded Escalope, Eoos, Alfredo Häberli, Jörg Boner und Julia Landsiedl entwarfen ihre Traumstätten

    Betten gibt es in Möbelhäusern und Einrichtungsstudios wie Sand am Meer. Wir wollten wissen, wie eine Bett-Stätte aussehen kann, wenn Designer auf die Regeln von Produktion und Handel pfeifen dürfen. Fünf Büros sandten uns ihre Entwürfe und Gedanken zum Bett ihrer Träume

    foto: florian topel
    Noch ein letztes Selfie vor dem Schlafengehen, denn in der (leider fiktiven) Traumstätte der Designer von Breaded Escalope gibt es kein Internet. Sie dient nur einem Zweck. Dem Schlaf!

    Studio Breaded Escalope

    Die von uns erfundene, traumhafte Traumstätte befindet sich in sehr unwegsamem Gelände. Man muss sie allein und in mehreren Stunden von der eigenen Haustüre entfernt erwandern. Ihr Interieur ist auf das Allerwesentlichste reduziert: ein Fenster, ein Bett, kein Strom, kein Netzwerk. Dafür ist sie sehr sicher. Das Schlafengehen füllt dort im Wald den ganzen Tag aus. Wir drehen den Spieß einfach um und geben dem Schlaf seinen verdienten Stellenwert zurück. Wir denken, Müdigkeit ist die Einheit der Schuld gegenüber unserer unüberwindbaren Körperlichkeit, und wir bezahlen sie mit Schlaf, Tag für Tag. Dabei haben wir anscheinend Wichtigeres zu tun! Wir haben Termine, Korrespondenzen, Besuche, Essen, Deadlines, Einkaufslisten, Recht auf Unterhaltung und aktive Entspannung! Die ewige Müdigkeit unterbricht die fein abgestimmten Abläufe, das Schlafengehen ist heute ein Kompromiss und keine Belohnung oder vordergründige Freude. Ganz anders ist es in unserer Traumstätte."

    foto: breaded escalope

    Das Studio von Breaded Escalope in Wien besteht aus den Designern Sascha Mikel, Martin Schnabl und Michael Tatschl. Mit ihren oft experimentellen Entwürfen wurden sie zu einer fixen Größe in der österreichischen Designszene. Ihre Objekte waren im Wiener Mak ebenso zu sehen wie auf der Mailänder Möbelmesse, der Beijing International Triennial oder in der Neuen Wiener Werkstätte. Während Industriedesign für die Massenproduktion oft im stillen Kämmerlein entsteht, wollen die drei Designer mit ihrer Arbeit Geschichten erzählen und die Menschen miteinbeziehen.

    www.breadedescalope.com

    foto: eoos

    EOOS

    Mit dem Holzbrett, das wir in die mächtige Felswand schlagen, befinden wir uns genau zwischen der Gravitation, dieser wahnsinnigen Kraft im Erdinneren, und den unendlichen Weiten des Weltalls. Dort oben zu liegen, die Luft und das Wetter und den Fels zu spüren, diesen Punkt der Erdanziehung zwischen Verlorengehen und Verbrennen, diesen poetischen Schwebezustand wollen wir auch mit unseren Arbeiten finden und ansprechen. Also: Schlafsack, Karabiner zum Anhängen und ab in diese Traumwelt, um diese Zwischenwelt zwischen Erdkern und Orbit zu spüren! Das ist unsere Vorstellung einer Traumstätte."

    foto: elfie semotan

    EOOS, das sind Martin Bergmann, Gernot Bohmann und Harald Gründl. Sie sind eines der international erfolgreichsten österreichischen Designbüros und realisierten verschiedenste Projekte für Kunden wie Adidas, Alessi, Armani, Poltrona Frau oder Zumtobel.

    www.eoos.com

    foto: jörg boner

    Jörg Boner

    Das Bett meiner Träume steht unter freiem Himmel. Erst die Landschaft drumherum macht es zu meinem Traumbett. Wir sollten das Design dabei nicht überschätzen! Jedes Objekt benötigt die entsprechende Umgebung, um seine volle Wirkung entfalten zu können. Erst in der Interaktion mit dem Raum entsteht eine Atmosphäre. Das ist es, was mich in erster Linie interessiert. Es ist die Interaktion zwischen den Dingen, den Menschen und dem Raum, die wahren Sinn macht und auch Spuren hinterlässt."

    foto: jörg boner

    Jörg Boners Studio ist in Zürich beheimatet, wo er für Kunden wie COR, EWO, Nestlé, Oluce, Veuve Clicquot, Wittmann oder Wogg arbeitet. Seine preisgekrönten Entwürfe sind in zahlreichen Museen auf der ganzen Welt zu sehen, unter anderem im Victoria & Albert Museum in London. Von 2003 bis 2014 unterrichtete Boner an der renommierten ECAL in Lausanne.

    www.joergboner.ch

    foto: alfredo häberli

    Alfredo Häberli

    Mein Traumbett "Legnoletto Volante x Alias AH 2017" basiert auf einem Entwurf, den ich 2001 für die Firma Alias realisiert habe. Wenn ich es mit seinen Luftballons betrachte, denke ich mir das Folgende: Wir liegen, wir arbeiten, wir schlafen, wir sehen fern, wir diskutieren, machen Liebe, frühstücken und bringen Kinder zur Welt. Wir verbringen ein Drittel unseres Lebens darin, darauf, ganz selten darunter. Das Bett ist eine Insel und nach dem Boden die größte Fläche in unserem Zuhause. Eine Insel der Träume, bewusster und unbewusster. Das Bett ist und bleibt die Seele des Hauses. Beziehungsweise der Beziehung."

    foto: jonas kuhn

    Alfredo Häberli wurde in Buenos Aires geboren und kam als 13-Jähriger in die Schweiz. Im Auftragsbuch des international renommierten Designers sind Kundennamen wie BMW, Alias, Kvadrat, Vitra, Iittala oder Camper zu finden. Neben Möbeln, Leuchten und Accessoires hat er auch zahlreiche Ausstellungen, Shops, Restaurants und Hotels gestaltet.

    www.alfredo-haeberli.com

    foto: julia landsiedl

    Julia Landsiedl

    Ich habe natürlich schon ein Bett, und mit dem bin ich sehr zufrieden. Allerdings sind meine Nächte derzeit unruhig. Mein Sohn ist ein Jahr alt und öfters wach. Dann braucht er mich. Mit meinen völlig freien Entwurf träume ich davon, mein Bett zu transferieren. In meinem Traum werden die Rollen vertauscht. Ich liege also in meiner Traumstätte unter grünen Palmen, selig schlummernd und wohlbehütet. Das Geräusch des monotonen Grasens meines Wunderelefanten find ich dabei unheimlich beruhigend. Über mir schwebt lächelnd der Mond, mein Sohn, und wacht darüber, dass niemand meinen Schlaf stört."

    foto: mathilde agius

    Julia Landsiedl studierte unter anderem Jus und Industriedesign, ehe sie bei IDEO im Silicon Valley tätig war. Ihr Hauptaugenmerk richtet sich auf Szenografie und Storytelling, den Aufbau und die Inszenierung von Dienstleistungen und Räumen. Ihre Auftraggeber heißen Wirtschaftskammer ebenso wie Jüdisches Museum Wien oder Flughafen Wien.

    www.jeplus.at

    (Michael Hausenblas, RONDO, 13.10.2017)


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