Spitalsärzte wollen nicht mehr als 48 Stunden arbeiten

10. Oktober 2017, 15:00
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Die Salzburger Ärztekammer warnt vor einem Medizinermangel, wenn der Standort nicht attraktiver wird

Salzburg – Die Salzburger Ärztekammer warnt davor, das 2015 eingeführte Ärztearbeitszeitgesetz wieder aufzuweichen und somit auch nach 2021 eine Verlängerung der Arbeitszeit über 48 Stunden pro Woche möglich zu machen. Eine Befragung unter Salzburger Spitalsärzten zeigt: Mehr als zwei Drittel der Mediziner sind nicht bereit, länger zu arbeiten.

Maximal 48 Stunden pro Woche, darunter Nachtdienste und Rufbereitschaft – das sieht das Ärztearbeitszeitgesetz vor. Nach 2021 soll die Arbeitszeit von Spitalsärzten nicht mehr überschritten werden dürfen. Derzeit gibt es noch die Möglichkeit, dass Ärzte freiwillig längeren Arbeitszeiten zuzustimmen.

Von der Politik, wie zuletzt vom Salzburger Gesundheitslandesrat Christian Stöckl (ÖVP), wird gefordert, diese Übergangsregelung auch nach 2021 weiterlaufen zu lassen. Begründung: Damit könne einem drohenden Ärztemangel besonders im ländlichen Raum entgegengewirkt werden. Dem widerspricht der Salzburger Ärztekammerpräsident Karl Forstner: "Die Politik versucht sich das Rekrutierungsproblem mit einem Potemkin'schen Dorf vom Hals zu schaffen. Denn die Ärzte werden nicht länger als 48 Stunden arbeiten wollen."

Das zeigt eine aktuelle Umfrage unter 740 Spitalsärzten in Salzburg. Demnach arbeiten derzeit 60 Prozent der Ärzte mehr als 48 Wochenstunden mit einer Betriebsvereinbarung. Nach 2021 soll das nach Ansicht von zwei Dritteln der Befragten aber der Geschichte angehören. Viele Ärzte wollen sogar weniger als die 48 Stunden pro Woche arbeiten. Mehr Freizeit und Kinderbetreuung werden hier am häufigsten als Gründe genannt.

580 neue Ärzte bis 2021 für Salzburg nötig

Angesichts der Verkürzung der Ärztearbeitszeit würden bis 2021 zusätzlich 80 Vollzeitstellen benötigt werden, um die Gesundheitsversorgung in der jetzigen Qualität aufrechtzuerhalten, hat die Ärztekammer ausgerechnet. Hinzu kämen rund 500 Kassen- und Spitalsärzte, die bis dahin in Pension gehen.

Gesundheitslandesrat Stöckl betont erneut, beim Arbeitszeitgesetz sei die EU-Richtlinie übererfüllt worden, und das gefährde kleine Spitäler. Der zulässige Spielraum für längere Arbeitszeiten solle deshalb ausgeschöpft werden. In Deutschland etwa bestehe die Möglichkeit, dass Ärzte nach Unterschreiben einer Betriebsvereinbarung bis zu 60 Wochenstunden arbeiten. Seit 2015 habe Salzburg bereits 100 zusätzliche Ärzte aufgrund des Gesetzes anstellen müssen, mehr Ärzte gebe der Markt nicht her.

Ausbildung, Bezahlung und Kinderbetreuung

"Man hat uns 15 Jahre lang eingebläut, dass Spitäler und das Gesundheitswesen ein Markt sind. So verhalten sich jetzt auch die Ärzte, als Marktteilnehmer", sagt der Ärztekammerpräsident. Um diese Stellen besetzen zu können, brauche es andere Lösungsansätze. Neben konkurrenzfähiger Bezahlung der Mediziner sei vor allem eine bessere Ausbildung ein Schlüssel, um Salzburg für junge Ärzte attraktiver zu machen, sagt Forstner.

Dafür sei vor allem mehr Zeit für die Ausbildung notwendig, betont der Kurienobmann der angestellten Ärzte, Jörg Hutter. "Es braucht eine andere Ausbildungskultur." Aber auch flexiblere Arbeitszeitmodelle und ausreichend Kinderbetreuung und weniger bürokratische Aufgaben seien nötig, um Mediziner an den Standort Salzburg zu bringen, sagt Forstner. (Stefanie Ruep, 10.10.2017)

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