Koller: "Ich möchte das Schöne mitnehmen"

Infografik10. Oktober 2017, 10:23
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Schweizer verspürte bei 1:0-Sieg in Moldau kein große Wehmut: "Habe versucht, Emotionen außen vor zu lassen"

Chisinau – Dass Teamchef Marcel Koller kein Freund öffentlich zur Schau gestellter Emotionen ist, hat er auch am Montag bewiesen. Nach dem 1:0-Sieg in Moldau zum WM-Qualifikationsabschluss verzichtete der Schweizer auf sentimentale Ansagen, obwohl seine Amtszeit nun nach sechs Jahren zu Ende geht.

Von Abschiedsschmerz war bei Koller nach Schlusspfiff wenig zu spüren. "Ich habe versucht, die Emotionen außen vor zu lassen und mich auf das Spiel zu fokussieren", sagte der 56-Jährige und freut sich nach einem turbulenten Lehrgang auf eine Auszeit. "Ich bin unter Anspannung und Adrenalin und froh, dass ich ein paar Tage ruhen kann. Das brauche ich und werde ich genießen."

"Das nicht so Schöne gehört auch dazu"

Nun hat Koller genug Zeit, sein Engagement beim ÖFB Revue passieren zu lassen. "Vielleicht kommt die Wehmut noch. Ich möchte das Schöne mitnehmen. Das nicht so Schöne gehört auch dazu, damit muss man auch umgehen", meinte Koller. "Ich bin im Erfolg nicht abgehoben und auch nicht zu Tode betrübt, wenn es einmal nicht so läuft."

Nach seinem Weggang aus Österreich wird Koller einiges fehlen. "Das Positive waren die Fans, die Leute auf der Straße, die unheimlich positiv waren, wenn sie mich gesehen haben." Vor seinem Amtsantritt habe er gehört, es sei schwierig, in Wien Kontakt zu finden. Dem sei aber nicht so gewesen. "Ich möchte diese Zeit nicht missen."

Der Vertrag läuft erst mit Jahresende aus. Im Testspiel am 14. November, vermutlich gegen Uruguay, dürfte Koller aber nicht mehr im Einsatz sein – der ÖFB hat sich zum Ziel gesetzt, bis 30. Oktober einen Nachfolger zu finden.

"Da hat man gesehen, dass noch Erfahrung und Ruhe fehlt"

Er hinterlasse dem neuen Teamchef eine intakte Mannschaft, an der es aber noch einiges zu verbessern gebe, sagte Koller – und kritisierte, dass sein junges Team die lange Phase in Überzahl gegen Moldau nicht besser ausnutzen konnte. "Da hat man gesehen, dass noch Erfahrung und Ruhe fehlt. Wir hätten besser auf den Positionen bleiben müssen, da waren wir viel zu hektisch."

Auch die mangelnde Effizienz war neuerlich Thema. "Ein Problem waren wieder einmal die vergebenen Chancen", sagte Koller. Mit diesem Manko hat sich demnächst aber ein anderer Trainer zu befassen. "Jetzt ist es vorbei. Ich muss keine Ratschläge mehr geben." Er sei jedoch gerne bereit, weiterhin mit ÖFB-Internationalen zu sprechen, wenn diese den Kontakt zu ihm suchen.

Seinen Spielern redete Koller in den vergangenen Tagen noch einmal ins Gewissen, um einen versöhnlichen Quali-Abschluss zu schaffen, was schließlich mit den Siegen gegen Serbien und Moldau auch gelang. "Wir haben darüber gesprochen, was für sie und das Fußballland Österreich wichtig ist", meinte der Teamchef, der nach dem Spiel im Teamhotel in Chisinau mit den Kickern "noch einmal mit einem Gläschen anstoßen" wollte.

Per Handschlag von Fans verabschiedet

Schon davor verabschiedete sich Koller von den mitgereisten Fans teilweise mit Handschlag. Während die Anhänger "Windtner raus"-Rufe gegen den ÖFB-Präsidenten skandierten, wurde der Trainer frenetisch gefeiert.

Koller hält bei 54 Länderspielen, die Bilanz steht bei 25 Siegen, 13 Unentschieden, 16 Niederlagen und einem Torverhältnis von 81:58. Nur Hugo Meisl (133) und Josef Hickersberger (56) saßen öfter auf der Trainerbank. Kollers Punkteschnitt beträgt 1,63, womit er in der ewigen ÖFB-Rangliste hinter Karl Stotz (1,88), Meisl (1,83), Helmut Senekowitsch (1,77) und Herbert Prohaska (1,65) auf Rang fünf liegt. Von seinen jüngsten acht Partien hat er nur eine verloren und wäre bei einem Abschied vor dem November-Match der erste Nationaltrainer seit Erich Hof vor 33 Jahren, der nach einem Sieg geht. (APA, 10.10.2017)

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  • Marcel Koller verabschiedet sich ...
    foto: apa/jäger

    Marcel Koller verabschiedet sich ...

  • ... auch von Stürmer Marc Janko.
    foto: apa/jäger

    ... auch von Stürmer Marc Janko.

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