Auf der Sinnsuche

    Rezension10. Oktober 2017, 11:18
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    Über seltsame Gestalten und einen versperrten Koffer

    Eines vorneweg: Leichte Lektüre sieht anders aus. Ein Mann auf der Sinnsuche. Seltsame andere Gestalten und dann noch ein Koffer, der versperrt ist, über dessen Inhalt man nichts weiß – das sind alles schwerverdauliche Ingredienzien für Fünfjährige. "Eine schöne Reise" vom französischen Autor Marc Majewski zeigt aber, dass so ein Buch funktionieren kann.

    Worum es vordergründig geht? Ein Mann steigt an einem Bahnsteig mitten im Nirgendwo aus. Danach: "Er lief lange, durchquerte unermessliche Ebenen und tiefe Wälder, überwand rauschende Bäche, ohne jemals von diesem einzigen, unendlichen Weg abzuweichen." Ein Fremder weist ihn in eine Stadt. Auch dort bleibt alles unpersönlich, kalt. Die Einsamkeit wird unerträglich. "Er stürzte sich trotzdem in die Menschenmenge und wurde kleiner und kleiner und kleiner ..." Am Ende wird der Mann etwas finden, das Hoffnung macht, das Glück ausstrahlt. So kraftvoll und eindringlich, wie die Illustrationen im großformatigen Bilderbuch sind, machen sie die Geschichte zu einem kleinen Kunstwerk. Ein tolles Buch zum Grübeln. (Peter Mayr, 10.10.2017)

    • Marc Majewski"Eine schöne Reise"€ 19 / 40 SeitenTintentrinker 2017
      foto: tintentrinker verlag

      Marc Majewski
      "Eine schöne Reise"
      € 19 / 40 Seiten
      Tintentrinker 2017

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