ÖFB-Team verabschiedet Koller mit Auswärtssieg

    Video9. Oktober 2017, 22:52
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    Jüngstes Team in Kollers Ära gewinnt 1:0 in Moldau

    Chisinau – Mit einer 1:2-Niederlage gegen die Ukraine in Lwiw hatte am 15. November 2011 die Ära Marcel Koller beim österreichischen Nationalteam begonnen. Mit einem Sieg über die Auswahl der Republik Moldau endete sie nahezu sechs Jahre später, am Montagabend in Chisinau.

    Der 25. Erfolg unter dem Schweizer, dem 13 Remis und 16 Niederlagen gegenüberstehen, wurde mit Kollers jüngster Startelf geholt. Debütant Philipp Lienhart (statt des gesperrten Aleksandar Dragovic) und Louis Schaub (statt des verletzten Stefan Ilsanker) drückten den Schnitt auf rund 24 Jahre.

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    Marcel Koller hat sich nach sechs Jahren als Teamchef mit einem Erfolgserlebnis von der Nationalmannschaft verabschiedet. Die Österreicher gewannen ihr letztes WM-Qualifikationsspiel in Moldau mit 1:0.

    Holpriger Beginn

    Anfängliche Abstimmungsprobleme waren da keine Überraschung, das Schlusslicht der WM-Qualifikationsgruppe D wusste sie zu nützen und auch wieder nicht. Eugeniu Cociuc vergab eine Großchance für die rustikal einsteigenden Gastgeber (13.). Erst danach schickte sich die etwas höhere Spielkultur der Österreicher an, das Match in den Griff zu bekommen.

    Resultatmäßig drückte sich das zunächst aber nicht aus. Einerseits, weil Guido Burgstaller nach feiner Vorarbeit von Florian Kainz den Ball aus vier Metern nicht im Tor unterzubringen vermochte (34.). Andererseits, weil die Moldauer die Unsicherheiten von Österreichs Vierkette, die eine Lebenserfahrung von gesamt sechs Länderspielen in die Waagschale warf, nicht nützen konnten.

    Gelb-Rot hilft

    Koller reagierte zur Pause und brachte für Burgstaller Marc Janko, den in seiner Ära mit 18 Treffern sichersten Schützen. Zur Begrüßung vergab der Reservist von Sparta Prag nach Flanke von Maximilian Wöber per Kopf einen echten Sitzer (47.). Als sich Moldaus Star Artur Ionita, Legionär von Cagliari, mit einem Foul an Julian Baumgartlinger die zweite Gelbe verdient hatte (55.), fiel den Österreichern auch noch die numerische Überlegenheit zu.

    Die wirkte sich schließlich erst nach einer Standardsituation aus. Nach einem Eckball brachte Marko Arnautovic den Ball zur Mitte. Und Rapidler Schaub netzte im dritten Länderspiel en suite (69.). Danach verhalf Koller seinem 30. Spieler zum Teamdebüt, Philipp Schobesberger kam für Arnautovic, der die WM in Russland ebenso wenig schmückt wie Gareth Bale, der beim 0:1 von Wales gegen Irland fehlte. Die Iren sicherten sich Platz zwei hinter Gruppensieger Serbien. (Sigi Lützow, 9.10.2017)

    WM-Qualifikation, Gruppe D, 10. Runde, Montag

    Moldau – Österreich 0:0
    Chisinau, Zimbru-Stadion, 5.000 Zuschauer, SR Bart Vertenten (BEL)

    Tor: 0:1 (69.) Schaub

    Moldau: Cebanu – Razgoniuc, Bordian, Epureanu, Bolohan (86. Paireli), Ivanov (70. Cojocari) – Platica (79. Ambros), Ionita, Anton, Cociuc – Ginsari

    Österreich: Lindner – Lienhart, Danso, Wöber – Bauer, Grillitsch, Baumgartlinger, Kainz (59. Lazaro) – Schaub, Burgstaller (46. Janko), Arnautovic (81. Schobesberger)

    Gelb-rote Karte: Ionita (55./wiederholtes Foulspiel)

    Gelbe Karten: Ivanov, Ginsari, Cociuc bzw. Baumgartlinger

    Stimmen

    Louis Schaub (Torschütze Österreich): "Es war von Anfang an schwer hier, defensiv sind sie sehr gut gestanden. In der zweiten Halbzeit war es besser, zum Glück haben wir das Tor gemacht. In so einem Spiel ist es schwierig, dass man keinen Konter fängt. Ich denke, wir haben das sehr gut gemacht."

    Marko Arnautovic (Österreich): "Ein Abschied ist nichts Schönes. Wir müssen uns von einem erfolgreichen Trainer, einem guten Menschen trennen. Er hat uns viel gelernt. Wir wussten schon vor den zwei Spielen, dass wir es nicht mehr schaffen werden. Aber wir wollten dem Trainer noch eine Freude machen und die sechs Punkte gegen Serbien und heute einfahren. Es sind viele neue, jungen Spieler dazugekommen, die waren hoch motiviert. Es hat sich vor dem Spiel viel um den Trainer gedreht, nichts über uns. Der Trainer hat gesagt, dass wir unser Spiel machen sollen. Wir hatten genug Chancen, Moldawien war extrem defensiv. Ich denke, wir haben das gut gemacht."

    Marcel Koller (Teamchef Österreich): "Es hat ein wenig Spannung im Spiel gefehlt. In der ersten Halbzeit haben wir nicht so schnell gespielt, der Rhythmus hat gefehlt. Der Gegner war auch sehr defensiv eingestellt und hat auf Konter gelauert. Mit dem Systemwechsel war es in der zweiten Halbzeit besser. Wir hatten auch wieder Chancen, was soll man da sagen. An dem müssen sie arbeiten. Aber wir haben noch den Sieg geholt. Wir werden es heute noch genießen. Ich habe mich bei den Spielern bedankt, wir werden heute Abend noch ein Gläschen trinken."

    Zu Abschied: "Es waren wunderschöne Jahre, nicht nur im Fußball. Österreich ist ein wunderschönes Land. Es gibt Hochs und Tiefs, das wissen wir. Wir haben dem neuen Teamchef ein paar junge Spieler präsentiert, wir haben einen Wechsel gemacht. Aber man hat gesehen, dass die Jungen noch Zeit brauchen. Es ist schon Qualität da. Vorne fehlt noch ein Knipser. Aber wir sind nur Österreich, nicht Deutschland, Spanien oder Frankreich."

    Leo Windtner (ÖFB-Präsident): "Man muss nüchtern sagen, dass wir das Ziel nicht erreicht haben. Das Ende ist versöhnlich, gegen Serbien war es ein sehr gutes Match, heute haben wir die Pflicht erfüllt. Von der Ära Koller wird die fulminante Quali für die Euro 2016 in Erinnerung bleiben. Es wird auch bleiben, dass Fußball in Österreich einen höheren Stellenwert bekommen hat."

    Zur Teamchefsuche: "Ich gehe davon aus, dass wir am 30. Oktober einen neuen Teamchef bestimmen können. Das Trainingslager im November hat großen Wert für die Schritte im kommenden Jahr."

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      Es war ein schweres Stück Arbeit, mit besserer Chancenverwertung hätte Österreich trotzdem deutlicher gewinnen können.

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