Rätsel um Tabbys Stern zerfällt – teilweise – zu Staub

10. Oktober 2017, 08:00
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Beobachtungen zeigen, dass die Helligkeitsschwankungen des Objekts im UV- und Infrarotbereich verschieden stark ausfallen. Das könnte an einer Staubwolke liegen

Tucson – Seit gut zwei Jahren hält das Objekt KIC 846852 Astronomen und Alienjäger in unregelmäßigen Abständen in Atem: Der etwa 1.300 Lichtjahre von der Erde entfernte Hauptreihenstern der Spektralklasse F, auch bekannt unter dem Spitznamen Tabbys Stern, zeigte wiederholt ein höchst seltsames Verhalten, das bislang nicht mit bekannten astronomischen Prozessen erklärt werden konnte.

Die Helligkeit des Sterns nahm seit 1890 kontinuierlich ab, allein zwischen 2009 und 2013 um etwa drei Prozent. Doch das ist nicht alles: Er verdunkelte sich auch immer wieder für sehr kurze Zeit dramatisch – um bis zu 22 Prozent. Was könnte für diese Helligkeitsschwankungen verantwortlich sein?

Dass sie unregelmäßig auftreten, spricht gegen den Orbit eines Planeten oder anderer Objekte, für eine protoplanetare Scheibe ist der Stern zu alt. Staubwolken oder Asteroiden hielten Forscher für unwahrscheinlich. Das Mysterium schürte in der Vergangenheit alle erdenklichen Theorien und Spekulationen, die bis hin zu außerirdischen Megastrukturen reichen. Eine "Lauschaktion" des SETI-Instituts blieb ergebnislos.

Gigantische Staubwolke

Wie eine neue Studie im "Astrophysical Journal" nahelegt, ist aber vieleicht doch eine bereits verworfene Ursache mit im Spiel: Wie das Team um Huan Meng von der University of Arizona und Tabetha Boyajian von der Louisiana State University (die das Phänomen erstmals beschrieben hatte und zum Spitznamen "Tabby" inspirierte) berichtet, dürfte doch eine gigantische Staubwolke an der Verdunkelung beteiligt sein. "Wir vermuten, dass es eine Wolke aus Staub gibt, die den Stern mit einer Umlaufzeit von etwa 7.000 Tagen umkreist", sagte Meng.

Die Astronomen untersuchten die fortschreitende Verdunkelung des Sterns im UV- und im Infrarotbereich mit den Weltraumteleskopen Swift und Spitzer sowie mit einem optischen Teleskop in Belgien zwischen Jänner und Dezember 2016. Dabei zeigte sich, dass die Strahlungsintensität im UV-Bereich während der Beobachtungszeit viel stärker abnahm als im Infrarot. Ein großes, massives Objekt – sei es eine außerirdische Megastruktur oder ein großer Asteroid – würde das Licht aber vollständig blockieren.

Offene Fragen

Staub wäre eine Erklärung für die langfristige Helligkeitsabnahme: Partikel, die groß genug sind, um im Orbit um den Stern zu bleiben, könnten den beobachteten Effekt verursachen. Aber die Ursache der extremen kurzzeitigen Verdunkelungen lässt sich damit immer noch nicht erklären. Und auch eine andere Beobachtung, die Forscher um Joshua Simon von der Carnegie Institution for Science in Pasadena gerade vorstellten, bleibt rätselhaft.

Sie berichten, dass der Stern in den vergangenen elf Jahren zweimal kurzzeitig heller wurde. "Bisher dachten wir, die Helligkeit dieses Sterns verändert sich nur in eine Richtung – zum Dunkleren", sagte Simon. "Die Beobachtung, dass der Stern aber manchmal auch heller wird, passt zu den meisten Hypothesen zu den Ursachen seines seltsamen Verhaltens nicht." (dare, 10.10.2017)

  • Künstlerische Darstellung eines möglichen Staubrings um KIC 8462852.
    illustration: nasa/jpl-caltech

    Künstlerische Darstellung eines möglichen Staubrings um KIC 8462852.

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