Listen Pilz und Kurz werden als glaubwürdigste wahrgenommen

10. Oktober 2017, 07:11
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FPÖ-Wähler drängen ihre Partei in die Regierung, SPÖ-Wähler wollen Arbeitnehmerrechte sichern, ÖVP-Wähler folgen ihrem Spitzenkandidaten

Linz – Für die Wahlentscheidung ist bedeutsam, ob man den Parteien das glaubt, was sie so über sich, über die künftige Politik und über die Mitbewerber verbreiten. Deshalb ließ der STANDARD in den vergangenen Wochen 2.400 Wahlberechtigte fragen: "Bei welchen Parteien haben Sie den Eindruck, dass die Aussagen so alles in allem glaubwürdig sind, und wo sind die Aussagen weniger glaubwürdig? Beantworten Sie dies bitte unabhängig von Ihrer Parteipräferenz."

Vorgegeben war eine Benotung nach Schulnoten – und mit 2,81 und 2,82 liegen die Liste Peter Pilz und die "Liste Sebastian Kurz – die neue Volkspartei" de facto gleichauf. Jedenfalls mit deutlichem Abstand zu den Neos (3,12) und der FPÖ (3,16).

Auffallend ist, dass Pilz besonders oft die Note eins von erklärten Wählern der SPÖ, der Neos und der Grünen erhält. Die ÖVP-Liste Kurz bekommt die Note "sehr gut" fast ausschließlich von erklärten eigenen Wählern.

Die SPÖ – Notenschnitt 3,24 – bekommt ihre Einser dagegen fast ausschließlich von den verbliebenen SPÖ-Stammwählern. Die Grünen – Notenschnitt 3,42 – holen ihre Spitzenbenotung ebenfalls von eigenen Wählern, aber auch von jenen des Peter Pilz.

Kleinparteien ohne klares Profil

Die weiteren kleinen Parteien haben schlechte Glaubwürdigkeitswerte, was Market-Wahlforscher David Pfarrhofer aber nicht zuletzt auf deren geringe Bekanntheit zurückführt – "nicht einmal jeder zweite Befragte traut sich ein Urteil über die Weißen zu. Und die, die von dieser Partei wissen, die haben wenig Vertrauen."

Was man aber klar feststellen kann, ist die Motivationslage jener Wähler, die sich klar für eine Partei entscheiden konnten, Dazu hat Market die Antworten von 2400 Befragten analysiert, die in den vergangenen Wochen die Sonntagsfrage beantwortet haben.. Jene Wähler, die in der Sonntagsfrage ihre Präferenz angegeben haben, wurden gefragt, warum sie so oder so entschieden haben.

Die Tabelle zeigt sehr unterschiedliche Motive. Die stärkste Motivation haben FPÖ-Wähler – von ihnen wollen 71 Prozent ihre Partei in der Regierung sehen, ebenso viele FPÖ-Wähler meinen, dass die FPÖ die richtigen Themen anspricht. ÖVP-Wähler sind am stärksten durch den Spitzenkandidaten motiviert. SPÖ-Wähler werden gleich stark durch den Wunsch nach einer SPÖ-Regierungsbeteiligung angesprochen wie durch den Wunsch, Arbeitnehmerinteressen vertreten zu sehen. Pilz-Wähler sehen vor allem den Aufdecker Pilz.

Stammwähler gibt es übrigens kaum: Nur in der SPÖ-Wählerschaft ist etwa jeder Vierte ein erklärter Traditionswähler. (Conrad Seidl, 10.10.2017)

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