Achtung, Bergsteiger: Thrombosegefahr ab 2.500 Metern Seehöhe

    8. Oktober 2017, 08:00
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    In größerer Höhe können verschiedene Faktoren zu gefährlichen gesundheitlichen Komplikationen bis hin zum Lungeninfarkt führen

    Millionen Menschen marschieren in Österreich jedes Jahr in die Bergwelt. Während beispielsweise Thrombosen im Reiseverkehr – speziell bei Langstreckenflügen – in den vergangenen Jahren immer wieder ein Thema waren, ist das Risiko für diese potenziell lebensgefährlichen Komplikationen beim Alpinsport noch weitgehend unbekannt. "Vor allem bei Bergsport in größeren Höhen sollte auch an eine Thromboseprophylaxe gedacht werden", sagte Wolfgang Sturm vom Department für Innere Medizin der Universitätsklinik Innsbruck kürzlich aus Anlass der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie.

    Extrembergsteiger, wie auch "normale" Bergsportler können in großen Höhen mit potenziell lebensgefährlichen gesundheitlichen Risiken zu kämpfen haben. "Austrocknung und Verletzungen an den Beinen beim Höhenbergsteigen und Klettern sind die häufigsten Ursachen für Thrombosen", betonte Sturm. Einerseits steige der Flüssigkeitsbedarf mit zunehmender Höhe, andererseits sei natürlich auch die körperliche Anstrengung an sich leicht Auslöser für eine "Eindickung" des Blutes mit erhöhter Gefahr der Ausbildung von Blutgerinnseln in den Venen. Diese Thromben können im schlimmsten Fall aus den Beinvenen in den Lungenkreislauf gelangen und dort eine unter Umständen lebensgefährliche Embolie auslösen.

    Ausreichend Flüssigkeit

    "Das Risiko nimmt mit der erreichten Seehöhe beim Bergsport zu. Relevant wird es ab einer Höhe von 2.500/3.000 Meter Seehöhe", so Sturm. "Die wichtigste Prophylaxe ist die Gewährleistung einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr. Das können auch zwei, drei Liter sein, die man da als Höhenwanderer unbedingt mitnehmen sollte." Oder man versorgt sich bei Stopps mit der entsprechenden Flüssigkeitsmenge.

    Dass es am Berg immer wieder zu Verletzungen komme, die das Blutgerinnungssystem aktivieren, und damit unter Umständen zur Bildung von Thromben, lasse sich kaum verhindern. Aber eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr könne wohl jeder potenziell Betroffene sicherstellen, so Sturm weiter.

    "Besonders gefährdet sind natürlich Höhenbergsteiger und Kletterer in extremen Höhen wie in Südamerika oder im Himalaya, doch ich behandle immer wieder auch Patienten mit Thrombosen bzw. Lungenembolien nach Wanderungen oder Klettertouren in größeren Höhen in den Tiroler Bergen", so Sturm.

    Ärztlichen Rat einholen

    Und schließlich wäre die Konsultation eines Fachmanns bei Planung von ausgedehnten Bergtouren in höhere Lagen eventuell ratsam. "Es gibt natürlich auch eine medikamentöse Prophylaxe. Diese erfolgt durch Heparin-Selbstinjektion oder auch durch die Einnahme von Medikamenten in Tablettenform", sagte Sturm. Die Heparin-Thrombose-Prophylaxe ist aus der Reisemedizin, zum Beispiel von Langstreckenflügen, bekannt. Die seit einigen Jahren in der Behandlung und Prävention, z.B. vor orthopädischen Operationen, eingesetzten neuen oralen Antikoagulantien ("NOAKs") sind offiziell für die Verwendung am Berg bzw. in der Reisemedizin nicht zugelassen. Wird ein solches Präparat eingenommen, handelt es sich um einen sogenannten "Off-Label-Use", also ohne direkt für diesen Einsatz vorliegende wissenschaftliche Evidenz.

    Bei verdächtigen Symptomen am Berg – vor allem bei Atemnot und Brustschmerzen – ist sofort medizinische Hilfe via Bergrettung zu suchen. Sturm: "Das kann natürlich bis hin zum Notarzthubschraubereinsatz gehen." Großes Glück hatten jedenfalls Patienten des Innsbrucker Arztes, die trotz auftretender Beschwerden noch bis ins Tal abstiegen und dann ins Krankenhaus kamen.

    Gute Vorbereitung

    Das Risiko für Thromboembolien steigt aber auch mit dem Lebensalter, mit zunehmendem bzw. erhöhtem Körpergewicht und mit Grunderkrankungen – zum Beispiel speziell mit bereits vorliegenden Venen- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

    Sturm abschließend: "Genauso wie beim Bergsteigen in große Höhen Ausrüstung und Kondition passen müssen, muss man sich der potenziellen Gesundheitsrisiken gewahr sein. Ein Arztbesuch im Vorfeld, gute Vorbereitung und die Kenntnis, wie man sich im Ernstfall richtig verhält, und eventuell auch rechtzeitig wieder kehrtmachen, helfen, den Aufenthalt in den Bergen und im besten Fall auch den Gipfelsieg unbeschadet genießen zu können." (red, 8.10.2017)

    • Bei Atemnot und Brustschmerzen am Berg muss sofort die Bergrettung verständigt werden.
      foto: apa/afp/philippe desmazes

      Bei Atemnot und Brustschmerzen am Berg muss sofort die Bergrettung verständigt werden.

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