Corinna Milborn: " Meine Uniform lenkt nicht ab"

    Ansichtssache7. Oktober 2017, 12:32
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    Wir haben fünf Zeitgenossen zu ihren modischen Gewohnheiten und Lieblingsstücken befragt

    Von High-Waist-Hosen, Goldketterln, Chelsea-Boots und den Vorteilen einer Arbeitsuniform: Wir haben fünf Zeitgenossen zu ihren modischen Gewohnheiten und Lieblingsstücken befragt

    foto: luise hardegg

    Corinna Milborn: "Meine Uniform lenkt nicht ab"

    Vor der Kamera trage ich seit eineinhalb Jahren immer dieselben dunklen Hosenanzüge. Das mache ich sehr bewusst: Im Fernsehen ist es als Frau schwierig, Inhalte rüberzubringen, weil so viel über das Aussehen geredet wird. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Frauen immer etwas anderes anhaben, während Männer stets in den gleichen dunklen Anzügen dasitzen. Weil ihr Äußeres komplett uninteressant ist, achtet man so viel mehr auf das, was sie sagen.

    Immer dieselbe Arbeitskleidung wie eine Uniform anzuziehen, ist eine kluge Strategie und gleichzeitig praktisch. Meine Hosenanzüge mag ich, weil sie wirklich keine einzige Besonderheit haben. Als Moderatorin ist es meine Aufgabe, dass man etwas über die Gäste erfährt. Da mag ich nicht, wenn ich mehr als die Sendung im Mittelpunkt stehe.

    Leider herrscht im Fernsehen ja auch sonst eine gewisse Ungerechtigkeit: In der Maske sind Männer meist in fünf Minuten fertig. Frauen hingegen gesteht man meist erst nach bis zu einer Stunde zu, fernsehtauglich zu sein. In der Vergangenheit habe ich die Erfahrung gemacht, dass bei Kleidern gleich die Rocklänge Thema ist. Kleider machen genauso wie farbige Lederjacken, wie ich sie auch schon getragen habe, immer eine Flanke auf. Natürlich kann man mit Kleidung auch vor der Kamera spielen, aber nachdem ich Politikjournalismus mache und viel inhaltlich recherchiere, möchte ich nicht, dass andere Dinge im Vordergrund stehen. Flache Schuhe trage ich beruflich übrigens nie. Ich bin nämlich, weil ich mich hauptsächlich in einer Männerwelt bewege, meist kleiner als meine Gesprächspartner. Mit den High Heels stelle ich eine gewisse Augenhöhe her.

    Privat ziehe ich nie hohe Absätze an, ich habe, auch wenn ich beruflich unterwegs bin, immer Turnschuhe in der Tasche und ziehe mich sofort um. Mein privater Kleiderkasten ist überschaubar, ich trage zu Hause Pullover, T-Shirt, Jeans und Leggings. Einkaufen hasse ich nämlich, da geht viel zu viel Zeit drauf.

    Die Journalistin Corinna Milborn ist Info-Chefin des Senders Puls 4. Zuletzt moderierte sie für den Sender die Wahlkampfduelle anlässlich der österreichischen Nationalratswahl.

    Mit ihren Hosenanzügen hält sich Corinna Milborn Debatten um ihr Äußeres vom Hals. High Heels trägt sie, um mit ihren Gesprächspartnern vor der Kamera auf Augenhöhe zu kommunizieren.

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    foto: luise hardegg

    Manuela Zinsberger: "Für manche Trends zu schüchtern"

    Ich schätze, dass ich achtzig Prozent der Woche in Trainingskleidung verbringe. Wenn ich morgens zum Fußballtraining fahre, ziehe ich sofort die Bayern-Klamotten an, und dabei bleibt es dann. Ich freue mich also immer über Abwechslung zu den Trainingssachen. Wahrscheinlich ist mir Mode deshalb ziemlich wichtig. Ich verlasse nur in Outfits, in denen ich mich wohlfühle, das Haus – in der Jogginghose gehe ich höchstens mal zum Bäcker rüber.

    Mir macht es Spaß, mich zu informieren, was es modisch so Neues gibt. Dabei geht es mir nicht um teure Marken, ein T-Shirt für zwei Euro kann genauso lässig aussehen. Oft bespreche ich Modefragen mit meiner Schwester, von meinen cool gestylten Sportkolleginnen schaue ich mir viel ab, die meisten Sachen kaufe ich online ein. Modemagazine spielen für mich überhaupt keine Rolle, viel lieber beobachte ich auf der Straße oder auf Instagram Leute mit einem extravaganten Stil.

    Ich mag es gern sportlich-chic, so wie heute mit einer schwarzen, hochgekrempelten Hose und dem Holzfällerhemd, das ich wetterbedingt bis oben hin zugeknöpft habe. Normalerweise trage ich dazu gern eine extravagante Sonnenbrille. Hohe Schuhe hebe ich mir lieber für Galas auf, ich muss auf meine Füße ja gut aufpassen.

    Wenn ich einen Tag freihabe, dann verabrede ich mich mit einer Freundin zum Bummeln. Wir schauen uns dann in der Stadt an, was andere Leute so tragen. Hochgeschnittene Hosen zum Beispiel finde ich super. Allerdings bin ich für manche Kleidungsstücke zu schüchtern. An eine High-Waist-Hose traue ich mich zum Beispiel nicht ran. Würde mich mal jemand professionell beraten, wäre ich mutiger und würde so was ausprobieren.

    Manuela Zinsberger steht bei der österreichischen Frauennationalmannschaft im Tor. Ansonsten trägt sie meist die Trainingsklamotten ihres Vereins Bayern München.

    Location: KSV Kultur und Sportvereinigung der Wiener Gemeindebediensteten, Rustenschacherallee 3, 1020 Wien

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    foto: luise hardegg

    Patricia Aulitzky: "Ich brauche keinen Firlefanz"

    Ich mag klare Linien, baue in meine Outfits gern Brüche ein und liebe Anzüge – Rüschen und Firlefanz sind nicht unbedingt meins. In Anzügen können Frauen zum Beispiel irrsinnig sexy aussehen – man muss nicht immer ein kurzes, enganliegendes Kleid anziehen. Das Stereotyp der hübschen Frau mit den blauen Augen will ich mit meiner Kleidung nicht bedienen. Ich bin kein Püppchen und möchte Dinge tragen, die meinem Charakter entsprechen. Ich mag es ungewöhnlich, liebe den unangestrengten Look französischer Frauen, versuche aber nicht, mich bewusst anders als die anderen anzuziehen.

    Modisch bin ich sicher nicht immer topinformiert, dafür fehlt mir einfach die Zeit. Weil ich in der Öffentlichkeit stehe und da gutes Aussehen wichtig ist, lasse ich mich bei öffentlichen Veranstaltungen von einer professionellen Stylistin beraten. Früher war mir Mode relativ gleichgültig, mittlerweile finde ich sie spannend und eine eigene Kunstform, mit der man sich auch in Details ausdrücken kann. Wenn ich beispielsweise auf einer öffentlichen Veranstaltung Lippenstift trage (im Alltag bin ich wie während des Shootings meist ungeschminkt unterwegs), fühle ich mich angezogen und kann mich dem Blitzlichtgewitter stellen.

    Am Set bringe ich mich gerne bei meiner Kostümauswahl ein, sie entstehen eigentlich immer in Zusammenarbeit mit dem Kostümbildner, das ist auch Teil eines Prozesses, um die Rolle besser kennenzulernen. Besonders aufgefallen ist mir das anfangs bei historischen Rollen. Diese 1980er- Jahre-Kreppkleider, die ich in meiner Rolle als Frau von Falco getragen habe, waren echt ungewohnt! Privat trage ich wie heute eine Mischung aus sportlich, leger und chic, ich mag Jeans, Turnschuhe (meist trage ich flache Schuhe wie diese Slip-ons von Jimmy Choo, ich bin ja recht groß). Auf Events greife ich zu High Heels, habe aber in meiner Handtasche immer flache Schuhe mit – so ein Abend kann lang werden! Besonders aber mag ich meinen Mantel. Den kann man toll kombinieren, mit dem ist man immer gut angezogen.

    Die gebürtige Salzburgerin Patricia Aulitzky wurde als Protagonistin der deutschen Serie "Lena Lorenz" bekannt. Sie ist derzeit im Kinofilm "Die beste aller Welten" zu sehen.

    Am liebsten hat sie's schnörkellos: Patricia Aulitzky ist meist auf flachen Schuhen (wie diesen von Jimmy Choo) unterwegs.

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    foto: luise hardegg

    Cro: "Adidas und Nike sollen sich lieben!"

    Dieser Sweater liegt mir am Herzen, allerdings nicht nur, weil ich ihn besonders schön finde, sondern auch weil ich ihn selbst genäht habe. Es gibt bereits so viele Klamotten, und alles wird immer billiger, da ist es eigentlich absurd, etwas selbst zu nähen. Vor allem wenn man bedenkt, dass man die Materialien kaufen muss, und die sind nicht günstig, bei diesem Sweater kosteten sie 70 Euro. Nähen habe ich mir so richtig vor zwei Jahren selbst beigebracht, für mich ist das Teil einer größeren Mission. Ich male, ich mache Skulpturen, auch in der Musik mache ich seit jeher alles selbst.

    Mein Masterpiece ist eine riesengroße Lederjacke mit megavielen Patches und Aufschriften, sie ist noch nicht ganz fertig, da fehlt noch der Bund. Ich habe selbst auch ein eigenes Label, Viovio, mein Bruder, meine Schwestern und alle Freunde waren da mit drin, wir haben das gemeinsam gemacht, das waren nicht nur Streetwear-Peaces, da gab es auch richtig elegante Teile. Prinzipiell bin ich gern schlicht unterwegs, einfarbige Teile, wenige Logos, aber doch auffällig. Ich verkleide mich aber auch gern. Wenn ich auf 'ne Gala muss, komme ich im feinsten Mantel, hab 'nen Hut und 'ne Zigarre – richtig Al-Capone-mäßig.

    Auf meine Goldkette könnte ich verzichten. Klar ist sie gewissermaßen auch ein Klischee, aber das kümmert mich nicht. Ich habe nur zwei Ketten, nicht wie andere Rapper, die sich mit x Ketten behängen.

    Die Maske hat viele Funktionen, erstens schütze ich meine Privatsphäre, zweitens ist sie ein Markenzeichen. Warum es eine Pandamaske ist, weiß ich nicht, die Zufälle des Universums sind zusammengeknallt, und es war ein Panda. Die Maske habe ich mit 'nem Kumpel am Computer designt, und wir haben sie dann in 3D ausdrucken lassen. Wann immer ich Bedarf habe, drucke ich sie nach. Meine Turnschuhe sind von Adidas, die Socken von Nike, das ist eigentlich ein absolutes No-Go. Aber ich versuche, die beiden Firmen zu vereinen. Adidas und Nike sollen sich lieben! Nididas! Jetzt brauchen sie nur noch ein gemeinsames Logo!

    Carlo Waibel, als Rapper bekannt geworden unter dem Namen Cro, lässt sich nicht ohne seine Pandamaske fotografieren. Gerade ist sein Album "tru." erschienen.

    Die Jacke und die Maske hat er selbst designt. Und auch sonst geht Cro gern eigene Wege: Zu den Turnschuhen von Adidas trägt er Socken von Nike. Für viele ist das ein No-Go.

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    foto: luise hardegg

    Jermaine Browne: "Ich betone gern meinen Körper"

    Als Teenager habe ich entdeckt, dass ich Mode bewusst einsetzen kann, um mich selbstbewusster zu fühlen: Man ist, was man tut und trägt. Ich arbeite ja viel für TV-Formate vor der Kamera und habe ein Faible für schöne Dinge: Warum soll ich diese Leidenschaft nicht in meine Arbeit einbringen?

    Meine Chelsea-Boots zum Beispiel habe ich in London gekauft. Mir ist wichtig, dass sie Charakter haben und nicht zu perfekt aussehen. Skinny Jeans trage ich besonders gern. Vor einigen Jahren hieß es, Typen sollten möglichst weite Baggy Jeans anziehen. Warum aber sollten nicht auch Männer ihren Körper mit Mode in Szene setzen? Ich als Tänzer arbeite an meinem Körper, warum sollte ich ihn also nicht zeigen? Zu den Skinnys kombiniere ich gern Oversize-T-Shirts. Dieses besteht aus verschiedenen Materialien. Wichtig ist mir dabei, dass das nicht zu viele Leute haben. Es mag sich zwar nicht jeder teure Sachen leisten können, ich bin aber davon überzeugt, dass man selbst bei H&M oder Zara besondere Stücke findet, wenn man die Augen aufmacht.

    Mittlerweile ist mein Kleiderschrank ziemlich voll, auch wenn ich ungern Zeit mit Shoppen verbringe. Wenn, dann kaufe ich zielgerichtet ein. Ich bin für meinen Job viel unterwegs, das macht das Einkaufen natürlich interessanter. In London zum Beispiel besuche ich gern das Kaufhaus Selfridges. Am liebsten aber mag ich besondere Stücke. In Bangkok habe ich in einem Restaurant einen Typen angesprochen, um ihm sein T-Shirt abzukaufen. An dem Oberteil habe ich noch immer meine Freude, weil es in New York niemand hat.

    Überhaupt habe ich Spaß an Farben. Hier in Wien habe ich ein Poloshirt in Olivgrün mit einer orangefarbenen Tasche und rote Shorts gekauft. Ich finde, einem schwarzen Mann wie mir steht Rot einfach gut. Es ist schade, dass schwarze Menschen sich in westlichen Gesellschaften oft modisch anpassen und zurücknehmen. Ich versuche immer, Farbe in meine Outfits zu integrieren – so wie mein Bandana. Sieht gut aus, oder?

    Jermaine Browne ist Choreograf für Victoria's Secret, America's Next Top Model und das deutsche Pendant. In Wien gibt er im Rahmen von Impulstanz regelmäßig Kurse.

    Jermaine Browne dreht im Blazer von H&M und in Chelsea-Boots aus London Pirouetten. Weil er viel reist, kauft er auf der ganzen Welt ein.

    (Anne Feldkamp, Stephan Hilpold, RONDO Exklusiv, 6.10.2017)

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    foto: irina gavrich

    Das neue RONDO exklusiv erscheint am Samstag, 7.10. 2017.

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