59 Tote und 527 Verletzte bei Attentat in Las Vegas – Sprengstoff und Waffen gefunden

Video3. Oktober 2017, 05:54
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Polizei stellte mehrere Waffen in Hotelzimmer des Täters sicher – IS: Täter war vor Monaten zum Islam konvertiert

In Las Vegas ist es Montagfrüh (Sonntagabend US-Zeit) zu einer Schießerei im Mandalay-Bay-Hotel auf dem Las Vegas Boulevard gekommen. Ein 64-Jähriger hatte aus einem Hotelzimmer im 32. Stock auf die Besucher eines Konzerts geschossen. Dabei starben 59 Menschen, 527 wurden verletzt. Spezialkräfte fanden den Schützen tot in dem Zimmer, nachdem sie die Tür aufgebrochen hatten. Die Polizei geht davon aus, dass er sich selbst getötet hat.

Sprengsätze in Haus gefunden

Ermittler und Verwandte machten Montagnacht neue Details öffentlich. Bei einer Razzia in einem der Privathäuser des Mannes in der Stadt Mesquite seien Sprengstoff, Schusswaffen und Munition sichergestellt worden, sagte Sheriff Joseph Lombardo.

In dem Haus stieß die Polizei auf 18 Handfeuerwaffen, mehrere tausend Schuss Munition und Sprengsätze. In seinem Auto wurden mehrere Pfund Ammoniumnitrat gefunden, das zur Herstellung von Sprengsätzen verwendet werden kann. Das zweite Privathaus des Mannes in der Stadt Reno sollte ebenfalls durchsucht werden. In dem Hotelzimmer in Las Vegas, von dem aus Paddock auf die Besucher eines Freiluftkonzerts schoss, hatten Ermittler bereits bis zu 19 Schusswaffen entdeckt.

foto: ap photo/john locher
Aus dem 32. Stockwerk dieses Hotels wurde geschossen. Die Fenster soll der Schütze eingeschlagen haben.

Frau nicht involviert

Nach der Tat hatte die Polizei nach der Lebensgefährtin des Schützen gefahndet. Nun erklärten die Ermittler, die Frau sei "im Ausland" ausfindig gemacht worden. "Wir haben mit ihr gesprochen und denken nicht, dass sie beteiligt war", sagte Sheriff Joseph Lombardo.

IS reklamiert Tat für sich – aber wohl keine Verbindung

Hinweise auf Verbindungen zur Jihadistenmiliz IS, welche die Tat für sich reklamierte, seien nicht gefunden worden, sagte der Sheriff. Nach Angaben des FBI gibt es keine Hinweise auf Verbindungen zu internationalen Terrorgruppen.

Die Motive des Schützen, der sich nach der Tat das Leben nahm, waren weiterhin völlig unklar. Sein Bruder Eric schilderte ihn in US-Medien als unauffälligen und wohlhabenden Mann. "Er hatte wahrscheinlich nicht mal einen Strafzettel", sagte sein Bruder.

Allerdings sei Stephen Paddock spielsüchtig gewesen und habe oftmals tausende Dollar beim Glücksspiel eingesetzt. "Er hat mir einmal eine SMS geschickt und geschrieben, dass er 250.000 Dollar im Casino gewonnen hat", berichtete Eric Paddock.

Der Schütze hinterlässt zwei Privathäuser neueren Datums im Bundesstaat Nevada. Immobilienexperten schätzten deren Wert auf mindestens 700.000 Dollar (knapp 600.000 Euro).

foto: bill hughes/las vegas news bureau/file
In der Nähe des Kasinos fand das "Route 91 Harvest"-Festival statt. 22.000 Besucher befanden sich auf dem Festival.

Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei Paddock um einen Einzeltäter, einen sogenannten "einsamen Wolf", handelte. Er hatte sich ein Zimmer im 32. Stock des "Mandalay Bay"-Hotels in Las Vegas gemietet, von dem aus er auf die Besucher des Country-Festivals "Route 91 Harvest" feuerte. Bevor ein Sondereinsatzkommando sein Zimmer stürmte, tötete sich der 64-Jährige selbst.

Das Attentat ist das größte Schusswaffen-Massaker in der Geschichte der USA. Zum Tatzeitpunkt fand auf einem ehemaligen Parkplatz nahe dem Hotel des "Route 91 Harvest"-Festivals statt. Die Schüsse sollen beim Auftritt des Country-Stars Jason Aldean gefallen sein.

las vegas metropolitan police
Die Pressekonferenz von Sheriff Joseph Lombardo – die Opferzahlen waren damals noch geringer.

Das Attentat löst dort eine neue Debatte über das Waffenrecht aus. Politiker der oppositionellen Demokraten erneuerten Forderungen nach strengeren Gesetzen. Aus dem Lager der regierenden Republikaner war allerdings keine Unterstützung zu erkennen. Es gilt als unwahrscheinlich, dass der Kongress eine Verschärfung beschließen wird. Eine Sprecherin von Präsident Donald Trump bezeichnete eine Debatte über das Waffenrecht als verfrüht. Trump will am Mittwoch nach Las Vegas reisen, um Opfer, Angehörige und Ersthelfer zu treffen.

Trump: "Dunke Zeiten"

Nevadas Gouverneur Brian Sandoval drückte den Angehörigen auf Twitter sein Mitgefühl aus. Er sprach von einer "Erschütterung der Nevada-Familie". Auch Trump kondolierte dort. In einer Rede lobte Trump zudem die "übernatürliche Geschwindigkeit, in der die Polizeibeamten" reagiert haben. Er nannte das Attentat das "pure Böse", das sich in Las Vegas gezeigt habe und sprach von "dunklen Zeiten". Als Zeichen der Trauer werden die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Trump selbst will am Mittwoch Polizeibeamte und Angehörige in Las Vegas treffen.

Der Gouverneur reagiert auf Twitter.
Und auch der US-Präsident drückte sein Beileid aus.

Schüsse aus Maschinengewehren

Augenzeugen berichteten, dass zahlreiche Menschen blutüberströmt auf dem Boden lagen. Die Konzertbesucherin Cari Copeland Pearson sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wir krochen über Tote." Eine Schweizer Touristin erzählte dem Portal "20 Minuten": "Wir hörten Schüsse von Maschinengewehren, als wir in unserem Hotelzimmer waren – das dauerte sicher 20 Minuten lang."

Schießerei auf dem Strip.

Massenpanik

"In der ganzen Innenstadt war Sirenengeheul zu hören, Swat-Einsatzkommandos waren ebenso unterwegs", berichtete ein APA-Journalist aus Las Vegas. Besucher sprachen von einer Massenpanik. Die Leute hätten versucht, sich zu verstecken oder davonzulaufen.

Wegen der unübersichtlichen Lage wurde der Flughafen der Stadt geschlossen. Mittlerweile wurde der Betrieb teilweise wiederaufgenommen. Die Flughafenleitung warnt vor Verspätungen. (red, Reuters, APA, 3.10.2017)


Hintergrund: Las Vegas – die schlimmste Schießerei in der US-Geschichte

Noch wird der Tatort abgesichert und die Verletzten versorgt – einige schweben noch in Lebensgefahr. Dennoch ist das Schussattentat am Montag in Las Vegas bereits das schlimmste in der US-Geschichte und reiht sich in eine lange Liste zahlreicher Schießereien, die jeweils dutzende Menschenleben forderten:


12. Juni 2016: Schussattentat in einem Nachtclub in Orlando Florida

foto: afp photo / orlando police department

Omar Mateen erschoss im Nachtclub Pulse 49 Menschen, weitere 58 wurden verletzt. Der Täter schwor dem "Islamischen Staat" die Treue, als er den Polizeinotruf über seine Tat informierte. Mateen wurde von der Polizei am Tatort erschossen.

16. April 2007: Virginia Tech

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Gedenkveranstaltung für die Opfer des Virginia-Tech-Massakers 2007.

Der Student Seung-Hui Cho erschoss am Campus der Hochschule Virginia Tech 32 Menschen, weitere 23 wurden verletzt. Er erschoss sich später selbst.

14. Dezember 2012: Sandy-Hook-Massaker

foto: foto:jessica hill/ap/dapd)

Der 20-Jährige Adam Lanza stürmte die Sandy-Hook-Grundschule in Newtown im US-Bundesstaat Connecticut und tötete 27 Menschen, 20 davon Kinder der ersten Schulstufe. Anschließend ermordete er auch seine Mutter und nahm sich selbst das Leben. Nach dem Massaker flammte in den USA erneut die Debatte über das liberale Waffenrecht auf.

16. Oktober 1991: Luby’s-Massaker

George Hennard raste mit seinem Pick-up-Truck in die Cafeteria Luby’s in Killeen in Texas und erschoss daraufhin mit seiner Waffe 23 Menschen, weitere 27 Menschen wurden verletzt. Nachdem er bei einem Schusswechsel mit der Polizei verletzt wurde, nahm er sich selbst das Leben.

18. Juli 1984: San Ysidro

James Oliver Huberty tötete 21 Menschen in einem McDonald’s-Restaurant in San Ysidro nahe San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien. Eine Spezialeinheit der Polizei tötete den Täter.

1. August 1966: Attentat an der Universität Texas

Der ehemalige Marineinfanterist Charles Whitman verschanzte sich auf einem Turm am Campus der Universität Texas und tötete mit seinen Waffen 16 Menschen, mehrere Dutzend wurden verletzt. Whitman wurde von der Polizei erschossen.

20. April 1999: Columbine-Massaker

Zwei Schüler der Columbine-Highschool im US-Bundesstaat Colorado betraten schwerbewaffnet ihre Schule und erschossen 13 Menschen und verletzten 21 weitere. Das Massaker führte zu einer emotional geführten Debatte über das US-Waffenrecht sowie über Computerspiele und führte zur Produktion des Dokumentarfilms "Bowling for Columbine", der diese Themen thematisiert. (red)

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