Hipp-Babynahrung soll in Osteuropa weniger Gemüse enthalten

28. September 2017, 10:00
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Die EU-Kommission kämpft gegen Qualitätsunterschiede, einige Hersteller ziehen selbst mit

Brüssel – Nutella ist in Österreich cremiger, in Deutschland ist mehr Fisch in den Fischstäbchen, Kekse in Frankreich enthalten mehr Butter: Kunden in vielen Ländern Osteuropas bekommen in Supermärkten oft vermeintlich gleiche Produkte, die Qualität der Lebensmittel variiert dabei aber.

Die Europäische Kommission will nun gegen diese Praktiken vorgehen und hat am Dienstag eine entsprechende Richtlinie veröffentlicht. Diese soll nationalen Konsumentenschutz- und Lebensmittelbehörden helfen festzustellen, ob Lebensmittelkonzerne EU-Gesetze brechen, wenn sie Produkte mit zweierlei Qualität in unterschiedlichen Ländern verkaufen. EU-Justizkommissarin Věra Jourová erklärte, dass unterschiedliche Qualitäten bei gleichen Markenverpackungen irreführend und unfair seien.

Eine Million für besseren Vergleich

Zuletzt hatte sich Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in seiner "Rede zur Lage der Union" des Problems angenommen. Er kündigte ein Vorgehen gegen behauptete doppelte Qualität bei Lebensmitteln ein- und derselben Marke an. Am 13. Oktober wird es dazu einen Konsumentengipfel mit der EU-Kommission in Bratislava geben. Die Gemeinsame Forschungsstelle der EU (GFS) arbeitet derzeit an einer Methode, die Lebensmittelvergleiche künftig erleichtern soll. Die Kommission hat dafür ein Budget in der Höhe von einer Million Euro genehmigt.

Mehr Gemüse in Deutschland

Eine Studie, die unter Aufsicht der kroatischen Lebensmittelbehörde erstellt wurde, hat ergeben, dass etwa Hipp-Babynahrung in Kroatien erheblich weniger Gemüse aufweist als in Deutschland. Während ein Glas "Reis mit Karotten und Pute", das in Deutschland gekauft wurde, rund 38 Prozent Gemüse (Karotten und Kartoffeln) enthielt, lag der Gemüseanteil des gleichen Produkts in Kroatien bei 24 Prozent (nur Karotten). Unterschiede gab es auch beim Getreide- und Ölanteil. Auf STANDARD-Anfrage hieß es bei dem Babynahrungsproduzenten, dass der "allergrößte Teil der Hipp-Produkte" in der Zusammensetzung in Osteuropa und Deutschland identisch sei.

Die Studie fand auch bei Produkten wie Nutella, Activia und Haribo-Colaflaschen Unterschiede bei Inhaltsstoffen, Geschmack und Konsistenz – aber auch bei den Preisen: Pepsi kostete in Kroatien etwa 36 Prozent mehr als in Deutschland, Rio-Thunfisch war 46 Prozent teurer, und Pringles-Chips kosteten 110 Prozent mehr.

Ähnliche Tests hat es bereits in anderen Ländern gegeben. In der Slowakei wurden bei einem Vergleichstest des Landwirtschaftsministeriums im Februar 22 gleich verpackte Produkte aus österreichischen und slowakischen Geschäften verglichen. Nur neun der getesteten Produkte hatten tatsächlich die gleiche Zusammensetzung.

Palmöl bleibt – aber nicht in Butterkeksen

Auch der deutsche Kekshersteller Bahlsen hat aufgrund lauter Kritik seine Zutaten in Osteuropa verändert. Konkret ging es um den niedrigen Butter- und den hohen Palmölanteil der in Polen produzierten Leibniz-Butterkekse. Der Konzern hat die Rezepte mittlerweile europaweit angeglichen. Grund für die früheren Unterschiede waren laut Bahlsen ähnliche Konkurrenzprodukte, lokale Geschmacksunterschiede und unterschiedliche Packungsgrößen.

Bei den Butterkeksen werde nun gänzlich auf Palmöl verzichtet, nicht so bei anderen Kekssorten: "Wir haben noch Produkte mit Palmöl, und das wird auch zunächst so bleiben", sagte ein Bahlsen-Sprecher zum STANDARD. "Aus ökologischer Sicht ist Butter sicher nicht die bessere Variante." (lauf, APA, 28.9.2017)

  • Trotz der gleichen Verpackungen erhalten Kunden in Osteuropa oft unterschiedliche Produkte.
    foto: dpa/oliver berg

    Trotz der gleichen Verpackungen erhalten Kunden in Osteuropa oft unterschiedliche Produkte.

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