"Alternativer Nobelpreis" für Kampf um sauberes Wasser

26. September 2017, 16:46
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Auch Kampf gegen Korruption in Aserbaidschan und für Bürgerrechte in Äthiopien und Indien geehrt

Stockholm/Wien – Der Plot kommt einem irgendwie bekannt vor: Ein Anwalt kommt dahinter, dass ein Chemiekonzern giftige Chemikalien ins Grundwasser spült und dadurch die Anwohner an Krebs erkranken. Er zieht vor Gericht, um in einem jahrelangen Rechtsstreit Entschädigungszahlungen für die Opfer zu erreichen. So weit wie die von Julia Roberts gespielte Erin Brockovich in dem oscarprämierten Film – übrigens auf einem realen Fall basierend – ist Robert Bilott noch nicht, doch auch der US-Anwalt ist einer von denen, die nicht aufgeben.

Seit 19 Jahren kämpft er im Namen von 70.000 Menschen im US-Bundesstaat West Virginia gegen den Chemiekonzern DuPont, dem er vorwirft, deren Trinkwasser jahrzehntelang mit Perfluoroctansäure (PFOA) verseucht zu haben, was zu schweren Gesundheitsschäden bei Menschen und Tieren geführt habe. Dafür wurde der US-Umweltanwalt am Dienstag mit dem Right Livelihood Award ("Preis für die richtige Lebensweise"), besser bekannt als Alternativer Nobelpreis, ausgezeichnet.

In einigen Fällen hat Bilott bereits Recht bekommen, in anderen kämpft er weiterhin dafür, dass die erkrankten Menschen die Therapie von DuPont bezahlt bekommen. Erreicht hat er bereits, dass der Chemiekonzern aufgehört hat, PFOA in den Ohio River zu leiten.

"Spitze des Eisbergs"

"Der Umweltskandal, den Robert Bilott aufgedeckt hat, ist nur die Spitze des Eisbergs der globalen Verschmutzung. Dank seiner anhaltenden Arbeit wissen wir nun, dass diese Chemikalien eine ernsthafte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit auf der ganzen Welt darstellen und dringend reguliert werden müssen", sagte Ole von Uexküll, Direktor der Right-Livelihood-Stiftung, anlässlich der Preisverleihung.

Bilott erhält den undotierten Ehrenpreis, das Preisgeld von drei Millionen schwedischen Kronen (rund 314.000 Euro) teilen sich die übrigen Preisträger, die aserbaidschanische Journalistin Khadija Ismayilova, die äthiopische Menschenrechtsaktivistin Yetnebersh Nigussie und der indische Höchstgerichtsanwalt Colin Gonsalves.

Ismayilova erhält den Preis "für ihren Mut und ihre Hartnäckigkeit, Korruption auf höchster Regierungsebene durch herausragenden investigativen Journalismus aufzudecken". Sie berichtet seit Jahren kritisch über die autokratische Regierung Aserbaidschans und wurde dafür von 2014 bis 2016 ins Gefängnis gesteckt.

Vertreter tausender Rohingya

Gonsalves wird von der Jury geehrt "für seinen unermüdlichen und innovativen Einsatz vor Gericht, um die grundlegenden Menschenrechte von Indiens marginalisiertesten Bürgern zu schützen". Der 65-jährige Jurist setzt sich seit Jahrzehnten für Slumbewohner, Frauen und Arme ein. Derzeit vertritt Gonsalves tausende Rohingya, denen die Abschiebung nach Myanmar (Burma) droht.

Und die blinde äthiopische Bürgerrechtskämpferin Yetnebersh Nigussie, Menschenrechtsexpertin der in Österreich gegründeten NGO Licht für die Welt, wird von der Jury für ihre Arbeit ausgezeichnet, "die Rechte von Menschen mit Behinderungen zu stärken und sich für deren Inklusion starkzumachen". Mit 24 Jahren gründete die heute 35-Jährige das "Äthiopische Zentrum für Behinderung und Entwicklung".

Der 1980 gegründete Alternative Nobelpreis würdigt Menschen, die sich – ohne viel Unterstützung im Hintergrund – für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden einsetzen. Von den bisher 170 Preisträgern stammen zwei aus Österreich: der 1994 verstorbene Zukunftsforscher Robert Jungk (1986) und Bischof Erwin Kräutler (2010). (ksh, APA, dpa, 26.9.2017)

  • Am Dienstag wurden die Preisträger in Stockholm präsentiert.
    foto: apa/afp/henriksson

    Am Dienstag wurden die Preisträger in Stockholm präsentiert.

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