"Crystal Meth statt Brausepulver": Falschmeldung kursiert auf Facebook

24. September 2017, 11:58
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Brief an Eltern von Schülern warnt vor Drogen in Süßigkeit – Hoax wurde schon 2007 beobachtet

Lügen haben bekanntlich kurze Beine, aber offenbar sehr ausdauernde "Wadln". Aktuell kursiert auf Facebook der Screenshots eines Briefes an Eltern, der vor der Süßigkeit "Pop Rocks" warnt. Dabei handelt es sich um ein grobkörniges Brausepulver in verschiedenen Geschmacksrichtungen, das bei Kontakt mit Feuchtigkeit zu knistern beginnt.

Auf dem abfotografierten Zettel wird behauptet, dass es sich dabei um "Cristal Meth" (sic!) handele. "Diese Droge macht nach der ersten Einnahme sofort abhängig und kann tödlich sein", heißt es weiter. "Diese Nachricht kommt von den Schulen", so die Behauptung.

foto: facebook
Ein Aushang warnt vor "Cristal Meth" in Pop Rocks.

Basiert auf "Strawberry Quik"-Hoax

Die Warnung hat allerdings keinen realen Hintergrund. Wenngleich Produkte wie "Pop Rocks" tatsächlich nicht übermäßig gesundheitsförderlich sein dürften, ist kein Fall bekannt, in dem sich Drogen statt Brausepulver in der Verpackung befunden hätte. Wie Mimikama herausgefunden hat, ist dieser Hoax auch nicht neu, sondern mindestens schon zehn Jahre alt. Der Verein hatte schon 2012 und 2015 auf den Fake hingewiesen.

Es geht zurück auf den "Strawberry Quik"-Fake, benannt nach dem Pulver "Quik" zum Mischen von Milchshakes verschiedener Geschmacksrichtungen, zurück. Damals war laut Snopes in den USA verbreitet worden, Drogendealer würden gezielt derart aussehende Drogen mit Erdbeergeruch an Schüler verteilen.

Entsprechende Warnungen waren teilweise auch von Unbekannten im Namen von medizinischen Einrichtungen verfasst worden. Mitunter wurden sie ernst genommen und auch von Eltern und Lehrern in Schulen ausgehängt.

foto: pop rocks
Nur "Knallzucker", keine Drogen.

Hartnäckiges Gerücht

Zwar gibt es gefärbte Varianten von Crystal Meth, die grobe Ähnlichkeit zu Süßigkeiten aufweisen können, doch Nachforschungen der Behörden ergaben, dass an den verbreiteten Gerüchten nichts dran war. Generell sei es für Hehler nicht attraktiv, Drogen an Kinder und Jugendliche zu vermarkten, da diese kaum über eigene Finanzmittel verfügten.

Mehrere offizielle Stellen, darunter auch das Büro für Drogenpolitik im Weißen Haus und die Drogenfahndungsbehörde DEA dementierten den Hoax über die folgenden Jahre, dennoch kursierte er weiterhin. Im deutschsprachigen Raum tauchte die Fake-Warnung zum Brausepulver erstmals 2012 auf. (red, 24.09.2017)

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