Air Berlin: Lufthansa soll auch bei Niki landen

21. September 2017, 20:58
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Bei der insolventen Fluglinie dürfte eine Vorentscheidung gefallen sein: Die Lufthansa soll den Löwenanteil erhalten, darunter auch Niki. Für Easyjet und Condor bleiben allenfalls ein paar Reste

Berlin/Frankfurt – Das Rennen um die insolvente Air Berlin ist zwar noch nicht beendet, die Lufthansa dürfte aber einen Etappensieg errungen haben. Die deutsche Fluglinie soll einen Löwenanteil der Air Berlin übernehmen, berichten deutsche Medien und die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstagabend. "Die Lufthansa bekommt den größten Teil", sagte ein Verhandlungsinsider.

Darin enthalten sei auch die Air-Berlin-Tochter Niki, hieß es. Weitere Teile gingen an den britischen Billigflieger Easyjet, ein weiterer eventuell an die Thomas-Cook-Tochter Condor, bei der Niki Lauda im Konsortium ist. Der angestrebte Rückkauf von Niki bliebe Lauda demnach versagt.

Verhandlungen bis Mitte Oktober ausgedehnt

Davor hatte der Gläubigerausschuss der Air Berlin getagt. Die Verhandlungen gingen allerdings noch bis 12. Oktober weiter, so lange werde der Lufthansa Exklusivität in den Verhandlungen eingeräumt, sagte ein Insider. Deshalb werde es am Montag anders als geplant keine abschließende Entscheidung im Air-Berlin-Aufsichtsrat über die Käufer geben.

Insgesamt hat die zweitgrößte deutsche Fluglinie mehr als 8.000 Beschäftigte. Der Betriebsrat der Air Berlin befürchtet, dass die rund 2.800 Mitarbeiter in Verwaltung und Technik schlechte Aussichten auf eine Übernahme haben. Die Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, weil der langjährige Geldgeber Etihad Airways weitere Finanzspritzen verweigerte. Nur dank eines deutschen Staatskredits über 150 Millionen Euro kann der Flugbetrieb derzeit fortgesetzt werden.

Andere Interessenten aus dem Rennen

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte vor der Sitzung des Gläubigerausschusses erstmals öffentlich die Eckpfeiler seiner Strategie verraten. Von den 144 Air-Berlin-Flugzeugen will die Lufthansa demnach jene 38 kaufen, die sie bereits jetzt geleast hat. Dazu kämen bis zu 40 weitere Kurzstreckenflieger. Mehr sind laut Spohr auch kartellrechtlich nicht möglich. Alle anderen Interessenten – außer Easyjet und Condor/Lauda – sind demnach aus dem Rennen. Dazu zählen die British-Airways-Mutter International Airlines Group, der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der Exmanager Utz Claasen und verspätet auch Jonathan Pang, chinesischer Betreiber des Flughafens Parchim.

Für die Techniksparte der Air Berlin können Interessenten noch bis 6. Oktober Angebote abgeben. Investoren müssten laut Air Berlin erst einmal Klarheit haben, wie es mit der Airline weitergeht, bevor sie passende Angebote abgeben können. "Auch für diese Sparte der Air Berlin gibt es Interessenten", hieß es. Gespräche mit Investoren seien auf Resonanz gestoßen. Ein Angebot für die Technik mit rund 850 Beschäftigten in Berlin und Düsseldorf hat der Berliner Logistiker Zeitfracht abgegeben.

Kein Angebot von Ryanair

Nicht geboten hat die Ryanair, die momentan mit sich selbst beschäftigt ist, nachdem mehr als 2.000 Flüge gestrichen worden sind. Ryanair-Piloten sollen ihren Urlaub teilweise aufs kommende Jahr verschieben, um weitere Flugstreichungen zu verhindern, erklärte Ryanair-Chef Michael O'Leary laut dem Sender Sky News. (red, 21.9.2017)

  • Die Flieger der insolventen Air Berlin werden künftig wohl in anderen Farben unterwegs sein. In welchen, ist noch unklar. Die Lufthansa-Gruppe würde 80 Flugzeuge zumindest gern in Blau kleiden.
    foto: apa/dpa/wolfgang kumm

    Die Flieger der insolventen Air Berlin werden künftig wohl in anderen Farben unterwegs sein. In welchen, ist noch unklar. Die Lufthansa-Gruppe würde 80 Flugzeuge zumindest gern in Blau kleiden.

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