Van der Bellen trifft in New York auf das andere Amerika

21. September 2017, 18:13
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Besuch des österreichischen Bundespräsidenten als Gegenprogramm zu Trump

Man merkt sofort: Das hier ist sein eigentliches Zuhause. Sobald Bundespräsident Alexander Van der Bellen an der New Yorker Columbia University das Podium betritt, besteht eine Verbindung zwischen dem langjährigen Wirtschaftsprofessor und "seinen" Studenten.

Vielleicht ist es ja auch der Tatsache geschuldet, dass er es hier mit hunderten jungen Amerikanern zu tun hat (aber auch etliche Landsleute geben sich zu erkennen), die ganz anders denken als US-Präsident Donald Trump, der erst tags zuvor in der Uno-Vollversammlung ein paar Kilometer weiter dem Multilateralismus eine Absage erteilt und Nordkorea mit der Vernichtung gedroht hat.

columbia
Video des Auftritts von Alexander van der Bellen. Die Rede beginnt in etwa bei der 21-Minuten-Marke.

Hier in der Rotunde der Bibliothek trifft der Professor und Präsident auf Zuspruch – und nicht auf arrogante Ablehnung der Marke "America First" –, wenn er sagt: "Die EU ist eine einzigartige Errungenschaft der Zivilisation." Van der Bellen fasst dann kurz die Kernthemen zusammen, die sein Verständnis von Europa ausmachen, und kommt bald auch auf die Euro-Währungspolitik und den Brexit zu sprechen. Wie zuvor in seinen Kommentaren zu Trump wählt Van der Bellen auch hier sehr deutliche Worte und macht klar, dass er den Brexit für einen großen Fehler hält. Dem Raunen im Publikum nach zu urteilen sehen das viele Studierende auch so.

Nicht alle sind wie Trump

Sympathie bekommt der Präsident aus dem fernen Europa auch für sein Commitment für eine nachhaltige Klimapolitik – und als Zuhörer bekommt man den tröstlichen Eindruck, dass an dieser Alma Mater trotz der Wahl Trumps zum US-Präsidenten ein viel offenerer und wacherer Geist herrscht, als man zuletzt befürchten musste. Und auch sein Satz, dass "die (europäischen) Staaten gemeinsam stärker sind als jedes einzelne Land für sich selbst", findet Beifall. Trump hatte 24 Stunden zuvor das genaue Gegenteil behauptet.

Sichtlich Freude bereitet Van der Bellen die kleine "Fragestunde" nach seinem Vortrag. Da geht es um Währungspolitik, die Schweiz, aber auch um Cyber sicherheit – ein Thema, bei dem er, der Professor und Präsident, offen zugibt, sicher weniger zu wissen als seine Studenten. Egal, der Applaus ist ihm sicher. (Gianluca Wallisch, 21.9.2017)

  • Bundespräsident Van der Bellen an der Columbia University.
    foto: reuters / jeenah moon

    Bundespräsident Van der Bellen an der Columbia University.

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