ORF präsentierte Programm, das Fake News erkennen soll

    21. September 2017, 13:32
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    faktoderfake.at mit FH Hagenberg und TU Wien entwickelt – Tool weist aktuell keine Fake News aus

    Fakt oder Fake heißt ein neues Computerprogramm, das Fake News automatisiert erkennen soll. Der ORF entwickelte das Internet-Tool gemeinsam mit der FH Hagenberg und der TU Wien, wie Lisa Totzauer, Infochefin von ORF eins, am Donnerstag bei den Medientagen sagte. Abrufbar ist der ORF-Faktencheck unter http://faktoderfake.at. Das Programm weist aktuell de facto keine Fake News aus.

    Das automatisierte Fake-Erkennungstool beschlagwortet täglich 80.000 Facebook-Posting mittels semantischer Analyse und prüft diese dann mithilfe von Datenbanken auf Plausibilität. Grün hinterlegte Beiträge sind plausibel, rot hinterlegte nicht. Selektiert werde nach Urheber und Thema, sagte Totzauer bei der Vorstellung knapp ein Monat vor der Nationalratswahl. Ziel des Projekts sei es, politische Parteien zu entlarven, wenn sie Fakes verbreiten. "Fakt oder Fake" soll auf der Webseite noch um Twitter und andere soziale Netze erweitert werden.

    "Was passiert ist, es war alles grün"

    "Was passiert ist, es war alles grün", schilderte Totzauer die Ergebnisse des Programms. Das Problem sei, dass es zwar wenige Fake News gibt, dass sich diese aber quasi über Nacht rasend schnell verbreiten, vor allem wenn sie von Politikern mit großer Reichweite geteilt werden. Als Beispiel nannte Totzauer eine Falschmeldung aus 2015, wonach Flüchtlinge einen Supermarkt in Wien geplündert hätten und die vom FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf Facebook weiterverbreitet worden war.

    Ernst Sittinger, Journalist der "Kleinen Zeitung", warnte in der anschließenden Podiumsdiskussion vor einem "Ja-Nein-Schema". "Es gibt auch Halbwahrheiten", so Sittinger. Katharina Schell, die im APA-medialab mit SourceCheck ebenfalls ein Tool im Kampf gegen Fake News mitentwickelte, wandte ein, dass jeder Fake News anders definiert und der Terminus oft einfach nur als Killerbegriff verwendet werde. Viele Initiativen seien zurückgegangen zum klassischen Faktencheck von Politikeraussagen.

    Mehr Glaubwürdigkeit als "irgendein Hexenküchl"

    Für Sittinger sind interessensgetriebene Fehlmeldungen "überhaupt nichts Neues". Nicht umsonst hätten Medienmarken mehr Glaubwürdigkeit als "irgendein Hexenküchl". Die Journalistin und Autorin Ingrid Brodnig sagte, dass vor allem vor Wahlen Falschmeldungen aus politischen Gründen bewusst lanciert werden. Das sei in Österreich sowohl im Präsidentschaftswahlkampf vergangenes Jahr der Fall gewesen als auch aktuell vor der Nationalratswahl.

    "Kurier"-Herausgeber Helmut Brandstätter wies darauf hin, dass sich Fake News nicht auf Worte beschränkten, sondern vor allem auch ein "Krieg der Bilder" seien. "In einer Bilderwelt zu leben, heißt mit Emotionen überschüttet zu werden. Mit Fakten dagegen anzutreten ist ja ganz herzig, aber relativ sinnlos." Der Chefredakteur der Regionalmedien Austria (RMA), Wolfgang Unterhuber, meinte, dass viele Fake News lokal entstehen, vom Hörensagen, dann aber einer Überprüfung oft nicht standhalten.

    "Das kommt fast einer Vorverurteilung gleich"

    Der Ex-NEOS-Abgeordnete Niko Alm, Geschäftsführer des neuen Red-Bull-Medienprojekts Quo Vadis Veritas (QVV), erzählte, selbst ein Opfer von Fake News geworden zu sein, weil QVV in die Nähe des amerikanischen rechtsnationalen Nachrichtenportals "Breitbart News" gestellt wurde. "Das kommt fast einer Vorverurteilung gleich", so Alm. QVV werde sich unter dem Namen "Addendum" Themen in einer Tiefe widmen, wo anderen Redaktionen Zeit und Geld fehlt, stellte Alm klar. Geplante Inhalte und Startzeitpunkt nannte er nicht. Alm meinte, es könne bei Fake News auch sein, dass die Fakten eigentlich stimmen, aber anders kontextualisiert sind – Stichwort Reframing – und dadurch bewusst in die Irre führen. "Das ist das Problem, dass wir nicht genau lösen können." (APA, 21.9. 2017)

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      foto: apa
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