Wienwert: Baustellenstopp wegen Strategiewechsels

20. September 2017, 07:00
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Viel Ärger und kein Dach überm Kopf

Wien – Die Immobilienentwicklungsgesellschaft Wienwert bzw. ihre Mutter WW Holding AG ist gerade dabei, wirtschaftliche Probleme zu bereinigen. Zwar hat die WW Holding nur einen eingeschränkten Bestätigungsvermerk für ihre 2016er-Bilanz bekommen, das bedeute aber nicht, dass der Wirtschaftsprüfer die Fortbestehensprognose "kritisch" sehe, heißt es im Unternehmen. Die WW Holding weist für 2016 ein negatives Eigenkapital von fast 29 Mio. Euro aus.

Ihre Strategie hat die von Stefan Gruze geleitete Gruppe zuletzt geändert. Sie verkauft ihren Altbaubestand ab und setzt nun auf Wohnbau. Mieter und Wohnungseigentümer eines Hauses in der Lerchenfelderstraße in Wien-Neubau erleben die Folgen des Strategiewechsels gerade mit. Diverse in die Sanierung involvierte Baufirmen gingen pleite, vor kurzem wurden die seit 2,5 Jahren laufenden Umbauarbeiten gestoppt, die behördlich genehmigte Baustelle also eingestellt. Dach hat das Haus derzeit keines, die allgemeinen Teile des Hauses wirken mitgenommen.

Kein Dach, kein Problem

Allerdings hat Eigentümerin WW Holding noch 1,5 Jahre Zeit für die Fertigstellung der Umbauten, die Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger "eine seit Jahren ärgerliche Angelegenheit" nennt. Die Baupolizei, die das Gebäude vor kurzem inspizierte, habe allerdings festgestellt, dass die getroffenen Maßnahmen reichen, "damit im kommenden Winter nichts passiert, obwohl es kein Dach gibt", sagt der Bezirksvorsteher.

Wienwert-Chef Gruze will keine Stellungnahme dazu abgeben. Aus dem Unternehmen ist allerdings zu hören, das Haus werde gerade an einen Investor verkauft, der das Projekt fertigstellen wird.

"Kurzfristige Probleme" mit der Gasleitung (dem Rauchfangkehrer wurde jüngst mit Hilfe der Feuerwehr Zutritt in Wohnungen verschafft) werden eingeräumt, diese seien aber binnen 48 Stunden behoben worden. "Leib und Leben" seien geschützt.

Wienwert hat eine mit 5,25 Prozent verzinste Anleihe im Markt, die bis 2020 läuft. Die FMA hat Gruze jüngst eine Verwaltungsstrafe (85.000 Euro) verpasst, die nicht rechtskräftig ist. (Renate Graber, 20.9.2017)

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