Dieselskandal führt in Österreich zu 80 Todesfällen jährlich

18. September 2017, 11:40
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Deutschland gehört zu Ländern mit den höchsten Opferzahlen

Paris – Die Betrügereien bei Dieselmotoren verursachen laut einer neuen Studie in Europa jährlich fast 5.000 Todesfälle. In den 28 EU-Ländern sowie in Norwegen und der Schweiz gebe es jährlich 10.000 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Ausstoß von Feinstaub durch Dieselmotoren, erläuterten Forscher aus Österreich, den Niederlanden, Schweden und Norwegen in einer Studie.

Etwa 4.750 dieser Todesfälle könnten verhindert werden, wenn die manipulierten Diesel-Modelle tatsächlich nur so viel Feinstaub ausstoßen würden wie unter Laborbedingungen, so die Autoren in der am Montag im britischen Fachblatt "Environmental Research Letters" publizierten Studie. Wenn die Diesel-Autos einen so niedrigen Ausstoß von Stickoxiden hätten wie Benzin-Modelle, könnten den Forschern zufolge rund 4.000 dieser knapp 5.000 vorzeitigen Todesfälle verhindert werden.

Illegale Software in elf Millionen Autos

Volkswagen hatte im September 2015 auf Druck der US-Behörden zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Diesel-Fahrzeugen unterschiedlicher Marken eine illegale Software eingebaut zu haben. Das Programm verringert den Ausstoß von schädlichen Stickoxiden bei standardisierten Tests, aber nicht im Normalbetrieb auf der Straße. Seitdem gerieten auch eine andere Hersteller in den Verdacht, bei den Abgastests zu betrügen.

Laut der neuen Studie verursachte der erhöhte Stickoxid-Ausstoß von Diesel-Modellen am meisten Todesopfer in Italien, Deutschland und Frankreich. Dies liege zum einen an der hohen Bevölkerungszahl dieser drei Länder, zum anderen an dem hohen Anteil von Diesel-Modellen auf ihren Straßen.

Den Wissenschaftern zufolge hat die Zahl der Diesel-Autos auf europäischen Straßen seit den 90er-Jahren generell deutlich zugenommen. Mittlerweile machen sie demnach fast die Hälfte der Fahrzeugflotte in Europa aus. Mit mehr als hundert Millionen Wagen fahren in Europa zwei Mal so viele Diesel-Autos wie im Rest der Welt.

Mehr Stickoxide als Benziner

Dieselmotoren stoßen weniger klimaschädliches Kohlendioxid aus als Ottomotoren, dafür aber deutlich mehr Stickoxide als die Benziner. Stickstoffoxide tragen unter anderem zur Bildung von Feinstaub bei, der in die Lungen und in den menschlichen Blutkreislauf eindringt und Atemwegsbeschwerden verursachen kann. Auch Sehprobleme, Appetitlosigkeit, angegriffene Zähne und Kopfschmerzen werden auf Stickoxide zurückgeführt, die zudem zur Bildung von saurem Regen beitragen.

In Österreich sind 170 vorzeitige Todesfälle auf die NOx-Emissionen von Dieselfahrzeugen zurückzuführen, 80 davon gehen auf das Konto der geschönten Abgaswerte. "Das Ganze passiert zudem jährlich, solange diese Fahrzeuge im Einsatz sind, und das ist sicherlich zehn bis fünfzehn Jahre lang der Fall", sagte der Forscher. Am stärksten betroffen ist in diesem Zusammenhang Italien, das 1.250 vorzeitige Todesfälle jährlich durch die erhöhten Stickoxid-Belastung verzeichnen muss, gefolgt von Deutschland (960) und Frankreich (680).

Im Mai war im Fachblatt "Nature" eine Schätzung veröffentlicht worden, wonach es 2015 weltweit 38.000 vorzeitige Todesfälle durch Stickoxide gab. (APA, 18.9.2017)

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