Salzburg rettet einen Punkt gegen zehn Rapidler

Video10. September 2017, 18:43
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Ausgleich für Gastgeber erst in 92. Minute durch Dabbur – Rapid ab 16. nach Rot für Pavelic in Unterzahl – Comeback-Tor von Schobesberger

Salzburg – Es war erst eine Viertelstunde gespielt, da vermeinte man in der Red-Bull-Arena das raue Lüfterl der englischen Premier League zu spüren. Rapids Verteidiger Mario Pavelic ging, auf das Wohl des Gegenspielers vergessend, mit hohem Bein und vollem Karacho in einen Zweikampf mit Patrick Farkas, der, gottlob vom Knie eher an der Schulter, denn am Kopf getroffen, zusammenbrach. Schiedsrichter Dieter Muckenhammer zückte die rote Karte (16.) und tat es damit dem Kollegen Jonathan Moss gleich, der am Vortag im englischen Heuler zwischen Manchester City und dem FC Liverpool aus besserem Grund Sadio Mané ausgeschlossen hatte. Der ehemalige Salzburger hatte ManCitys Goalie Ederson mit rücksichtslos Gestrecktem voll am Kopf erwischt.

Die Rapidler beschwerten sich nach der eher harten Entscheidung Muckenhammer bitterlich, der Matchplan von Coach Goran Djuricin, der die Neuerwerbung Veton Berisha, nicht aber Thanos Petsos gebracht hatte, war aber nach der schon vierten Roten in dieser Saison gefährdet.

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Die anfängliche aggressiv erkämpfte Feldüberlegenheit ging mit dem numerischen Gleichstand verloren. Der Meister übernahm klar das Kommando, scheiterte zunächst aber vor allem an Rapids Goalie Richard Strebinger, der Möglichkeiten von Farkas (30.), Fredrik Gulbrandsen (34.) und Hannes Wolf (39.), der alleine auf ihn zugelaufen kam, zunichtemachte. Auf der Gegenseite verhinderte Alexander Walke bei einem Schuss von Thomas Murg die Führung der Rapidler. Er lenkte den gefährlichen Aufsitzer an die Stange (32.).

Ljubicic fand die Lücke

Für die zweite Hälfte brachte Djuricin Verteidiger Stephan Auer für Stürmer Joelinton, fortan operierte nur Veton Berisha ganz vorne. Bruder Valon Berisha prüfte Strebinger mit einem Weitschuss (58.), auf zündende Ideen kamen die Salzburger aber nicht. Dafür kamen sie unter Druck. Einen der wenigen Gegenstöße vollendete nämlich Dejan Ljubicic. Der von Wiener Neustadt heimgeholte, 19-jährige Kooperationsspieler, der schon beim Debüt gegen den LASK überzeugt hatte, fand nach einer Vorlage von Louis Schaub mit seinem Schuss eine Lücke im Salzburger Abwehrgeflecht (60.).

Salzburg-Coach Marco Rose brachte neue Kräfte, um den in der Luft liegenden Ausgleich quasi zu materialisieren. Tatsächlich bedrängte einer der Neuen, der Koreaner Hwang Hee-chan, nach einer Hereingabe von Valon Berisha Rapids Kapitän Stefan Schwab derart, dass dem per Schienbein ein Eigentor unterlief (75.). Die Partie schien sich endgültig zugunsten der Gastgeber zu drehen, aber ein weiter Pass von Boli Bolingoli fand den eingewechselten Philipp Schobesberger, der Walke aussteigen ließ und zum 2:1 für Rapid netzte (80.).

Der Schock saß tief, schließlich drohte die erste Pleite nach 18 Heimpflichtspielen ohne Niederlage. Sie wendete Munas Dabbur ab, der nach Hwang-Zuspiel per Seitfallzieher herrlich zum Ausgleich traf. (red, 10.9.2017)

Bundesliga, 7. Runde, Sonntag

Red Bull Salzburg – SK Rapid Wien 2:2 (0:0)
Red-Bull-Arena, 12.250 Zuschauer, SR Muckenhammer

Torfolge:
0:1 (60.) Ljubicic
1:1 (75.) Schwab (Eigentor)
1:2 (79.) Schobesberger
2:2 (92.) Dabbur

Salzburg: Walke – Lainer, Caleta-Car, Igor, Farkas (62. X. Schlager) – Samassekou (74. C. Leitgeb) – Haidara, Wolf, Va. Berisha – Gulbrandsen (65. Hwang), Dabbur

Rapid: Strebinger – Pavelic, M. Hofmann, Galvao, Bolingoli – Ljubicic, Schwab – Schaub (67. Schobesberger), Ve. Berisha (78. Sonnleitner), Murg – Joelinton (46. Auer)

Rote Karte: Pavelic (15./Foul)

Gelbe Karten: Haidara, X. Schlager, Hwang bzw. Schwab, M. Hofmann, Knoflach (auf Ersatzbank), Schwab

Marco Rose (Salzburg-Trainer): "Es ist ein Punkt, mit dem wir leben müssen. Wir hatten lange Überzahl und haben versucht, Lösungen zu finden. Das ist uns nicht immer so gut gelungen. Es war aber auch schwierig gegen einen Gegner, der sehr fleißig und gut verteidigt hat. Wir haben zwei Tore aus Kontern bekommen, darüber haben wir vorher schon gesprochen, aber wir sind zweimal zurückgekommen. Das ist, was wir mitnehmen. Es ist wichtig, dass wir die Köpfe oben haben. Nach der Roten Karte hat sich die gesamte Spielstatik verändert. Es war klar, dass es dann ein schwieriges Spiel wird."

Goran Djuricin (Rapid-Trainer): "Wir müssen im Endeffekt froh sein über den Punkt. Salzburg hat drei riesige Chancen gehabt, Strebinger hat uns da den Punkt gerettet. In Unterzahl haben wir uns sehr gut angestellt. Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft. Wir haben bewiesen, dass wir auf hohem Niveau spielen können. Auch in Unterzahl haben wir versucht, Fußball zu spielen und nicht nur den Ball wegzudreschen. Natürlich tut es weh, so spät den Ausgleich zu kassieren. Die Rote Karte kann, muss man aber nicht geben. Von zehn Schiedsrichtern geben wahrscheinlich drei oder vier diese Rote Karte.

Alexander Walke (Salzburg-Kapitän): "Das Ergebnis ist ärgerlich, wenn man 75 Minuten ein Mann mehr ist, muss mehr herauskommen. Mit der Roten Karte war es aber fast schwieriger als ohne den Platzverweis. Trotzdem Kompliment an die Mannschaft, dass wir den Ausgleich noch geschafft haben."

Veton Berisha (Rapid-Stürmer): "Es hat heute Spaß gemacht. Nach der Roten Karte haben wir gut angefangen. Dass wir am Ende noch das 2:2 bekommen haben, ist bitter. Wenn ich die Leistung heute sehe, ist für uns richtig viel drin. Wir können jeden schlagen. Das Bruderduell war okay. Valon hat sein Spiel gemacht, ich meines."

  • Mario Pavelic musste in der 15. Minute vom Platz.
    foto: apa/krug

    Mario Pavelic musste in der 15. Minute vom Platz.

  • Munas Dabbur erzielte den Ausgleich für Salzburg.
    foto: apa/krug

    Munas Dabbur erzielte den Ausgleich für Salzburg.

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