Wie Kinder sportlich werden und ihr Ernährungswissen aufpeppen

    6. September 2017, 14:32
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    Im Rahmen einer Studie erhielten Volksschulkinder zusätzliche Ernährungs- und Sporteinheiten. Die Evaluierung zeigte, dass sich sowohl die sportmotorischen Leistungen als auch das Ernährungsverhalten verbesserten

    Wien – 41 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind laut WHO weltweit übergewichtig oder fettleibig, davon in Europa zwölf bis 16 Millionen. "Dicke Kinder sind die kranken Erwachsenen von morgen", sagte Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen und Wiener Ärztekammer, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Das Projekt Eddy-young soll in Österreich Abhilfe schaffen.

    EDDY-young ist eine Initiative des Österreichischen Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin (ÖAIE). Im Rahmen einer Studie nahmen 160 Mädchen und Buben im Alter zwischen acht bis zehn Jahren von zwei Wiener Volksschulen teil. Sie bekamen im regulären Unterricht zusätzlich acht Stunden Ernährungswissen vermittelt, außerdem gab es 16 weitere Sporteinheiten pro Semester. Man könne so "nicht nur das Wissen und Bewusstsein über Ernährung und Bewegung verändern, sondern auch die physische Performance", betonte Kurt Widhalm, ÖAIE-Präsident und Leiter des Projekts.

    Nach den ersten sechs Monaten zeigte sich eine Verbesserung der sportmotorischen Leistungen. Auch der BMI (Body Mass Index) verringerte sich. Zusätzlich konnte das Wissen über Ernährung gesteigert werden. Nach zwölf Monaten war eine erneute Verbesserung der sportlichen Leistung festzustellen, der Anteil des Körperfetts in der Interventionsgruppe konnte signifikant gesenkt werden. Gleichzeitig wurde der Anteil der Muskelmasse erhöht.

    Mangelnde Kooperation der Eltern

    Übergewichtige Jugendliche entwickeln schneller Diabetes als Erwachsene, erklärte Widhalm. Kinder profitierten von gutem und gezieltem sportlichen Training. Als Erwachsene sei es schwieriger, eine physische Verbesserung zu erreichen. Auch die psychischen Probleme, die aufgrund einer Isolation entstehen könnten, dürften nicht unterschätzt werden.

    Die Einbeziehung der Eltern bereite gewisse Probleme, ergänzte Widhalm. Lehrer seien meist motiviert und arbeiteten mit. Wichtig sei aber auch, was daheim passiere. Er würde das Projekt gerne weiterführen und langfristig in den Unterricht integrieren, verwies aber auf Schwierigkeiten bei der Finanzierung. Österreich tue relativ wenig für Prävention und gebe weniger Geld dafür aus als der OECD-Schnitt, kritisierte Szekeres. Er forderte Gesundheitserziehung in Schulen, um "Kindern Basiswissen über Ernährung und Bewegung näherzubringen".

    Ergänzt wird das Programm durch eine Smartphone-App, mit der die Schüler ihr Wissen vertiefen können. Sogenannte Callys werden mit gesunden und ungesunden Lebensmitteln gefüttert. Dadurch können die Auswirkungen der Nahrung beobachtet werden. Am Ende der Woche ist die Figur dicker oder dünner und hat mehr oder weniger Energie. Die App enthält auch Quizfragen zu den Inhalten aus dem Unterricht. (APA, 6.9.2017)

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