Deutsches TV-Duell: Wettstreit um die Gläubigkeit

4. September 2017, 17:55
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Schwung gewann erst der Innenpolitikteil. Maut, Dieselautos – populistisch ergiebig kannte Kontrahent Schulz nun kein Halten

Nebenschauplatz ZDF neo: Dort ging Sonntagnacht die neue Folge der Talkshow Schulz und Böhmermann nicht auf Sendung, weil eine SPD-Politikerin in der Runde – in der auch Stefanie Sargnagel saß – zu Gast war. Und dies ZDF-Regeln widerspricht, denen zufolge sechs Wochen vor einer Wahl kein Politiker in Nichtpolitsendungen geladen sein darf.

Hauptschauplatz ARD, ZDF, RTL und Sat1: Dort traten CDU-Amtsinhaberin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zum einzigen TV-Duell vor der deutschen Bundestagswahl an.

Einigkeit und Recht und Höflichkeit führten beide als Waffen im Mund. Markante Unterschiede suchte man meist vergeblich, wenn Merkel als Mutter der Porzellankiste auch etwa im Bezug auf die Türkei behutsamer argumentierte als ihr Herausforderer.

So blieb die Fragerunde abgesehen von manch Blüte des Sat1-Mannes Claus Strunz ("Jetzt sind wir so 'n tolles Land, erfinden ganz tolle Sachen, kriegen aber die Abschiebung nicht geregelt", "Herr Schulz, ich geb's zu, wenn Sie in Fahrt kommen und plädieren, sind Sie mir sympathisch") eher entspannt denn spannend. Mit vorläufigem Höhepunkt beim Outing, wer heute in der Kirche gewesen sei. Als Schulz Kapelle und Friedhof anführen konnte, wollte Merkel ihre erste Antwort "Nein" nicht mehr gelten lassen. "Wahrscheinlich haben wir im stillen Kämmerlein auch gebetet", spöttelte Schulz.

Schwung gewann erst der Innenpolitikteil. Maut, Dieselskandal – populistisch ergiebig kannte der SPD-Kontrahent nun kein Halten. Sandra Maischberger aus dem sich fliegend abwechselnden Moderatorenquartett: "Sie glauben, Maut ist das wichtigste Thema heute?" Zumindest das zum Anpatzen handlichste. (Michael Wurmitzer, 5.9.2017)

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