Düringers Spitzenkandidat: Spiel mit der Demokratie

Kommentar31. August 2017, 17:49
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Düringer spielt bewusst mit dem Weglassen von Fakten

Viele hatten gehofft, der Tiefpunkt einer Politik ohne Demokratieverständnis würde mit dem Zerbröseln des Teams Stronach beendet sein. Doch weit gefehlt.

Mit Roland Düringer, Kabarettist und neuerdings auch Buchautor, trat ein Darsteller auf die politische Bühne und machte seine Drohung wahr, bei der Nationalratswahl anzutreten. Was er zunächst als Kunstprojekt gestartet hatte, wurde plötzlich Ernst. Die Liste Gilt gönnte sich eine schicke Corporate Identity und eine bekannte PR-Agentur, erklärte, die Demokratie und die politische Kultur ändern zu wollen, und loste die Reihung der Kandidaten auf dem Stimmzettel aus.

Der Zufall wählte Günther Lassi, einen esoterischen Pensionisten, der auf seiner Homepage einen antisemitischen Text verlinkte. Ist er deswegen ein Antisemit? Wir wissen es nicht, über zwei Tage lang beriet die Partei das weitere Vorgehen. Nun machte Düringer in einer Videobotschaft eine falsche Berichterstattung für den Rückzug seines Spitzenkandidaten verantwortlich. Lassi sei bloß der Überbringer einer Botschaft gewesen. Welche das ist, bleibt offen.

Es gab schon Glücksritter, die bloß auf der Aufmerksamkeitswelle surfen wollten. Das zeigt eben der Blick auf die Geschichte des Teams Stronach. Kein Medium hat Lassi als Antisemiten bezeichnet. Düringer spielt ganz bewusst mit dem Weglassen von Fakten. Das ist gefährlich für jedes Demokratieverständnis. (Marie-Theres Egyed, 31.8.2017)

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