Infarkt und Schlaganfall mit Embolie-Medikament vorbeugen

    31. August 2017, 13:23
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    Eine beim Europäischen Kardiologenkongress vorgestellte Studie wurden wegen offenkundiger Effektivität vorzeitig beendet

    Barcelona/Boston – In Zukunft könnte das zunächst zur Prävention und Behandlung von Lungenembolien und tiefen Beinvenenthrombosen eingesetzte Blutverdünnungsmedikament Rivaroxaban auch zur Verhütung von Schlaganfällen und Herzinfarkten bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit genutzt werden. Dafür sprechen die Daten, die beim Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in Barcelona vorgestellt wurden.

    Der Wirkstoff hemmt den Blutgerinnungsfaktor Xa. Rivaroxaban hat auf diesem Gebiet – ähnlich wie die Substanz Dabigatran – vor einigen Jahren die Blutverdünnungstherapie mit oral einnehmbaren Medikamenten revolutioniert. Die neuen oralen Antikoagulanzien (NOAKs) können in einer Fixdosis verwendet werden und führen seltener zu Blutungskomplikationen.

    Neben der Prophylaxe und Therapie von Lungenembolien, Beinvenenthrombosen und arteriellen Verschlüssen der Beinarterien könnte Rivaroxaban aber auch eine zusätzliche Möglichkeit sein, um bei Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit akute Herz-Kreislauf-Zwischenfälle wie Schlaganfall oder Infarkt zu verhindern. In Barcelona wurden nun die Daten aus der sogenannten COMPASS-Studie vorgestellt. Gleichzeitig wurde die wissenschaftliche Untersuchung online vom New England Journal of Medicine publiziert.

    Studie frühzeitig abgebrochen

    27.395 Probanden in 33 Staaten, die in 602 Zentren in Behandlung standen, hatten an der wissenschaftlichen Untersuchung teilgenommen. Zur Schlaganfall- und Herzinfarktprophylaxe erhielten sie entweder täglich 100 Milligramm Acetylsalicylsäure (ASS/Aspirin), zweimal täglich Rivaroxaban (zweimal täglich 2,5 oder fünf Milligramm) oder beide Medikamente. Primär wurde untersucht, ob sich die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Todesfällen, Schlaganfällen und Herzinfarkten in den einzelnen Gruppen unterschied.

    "Die Studie wurde nach einer mittleren Beobachtungszeit von 23 Monaten wegen des beobachteten Vorteil in der Gruppe, die Rivaroxaban und Aspirin erhielt, abgebrochen", schreiben die Autoren im New England Journal of Medicine. So kam es bei 5,4 Prozent der Kranken in der Aspirin-Gruppe zu solchen Todesfällen, Infarkten oder Schlaganfällen, in der Gruppe mit beiden Medikamenten lag diese Rate bei 4,1 Prozent. Das war statistisch signifikant.

    Prävention versus Blutungsrisiko

    "Der Vorteil der Behandlung mit der Kombination aus zweimal täglich 2,5 Milligramm Rivaroxaban und einmal täglich 100 Milligramm Aspirin hinsichtlich des kombinierten Endpunktes – schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse – wurde vor allem durch ein um 42 Prozent verringertes Risiko für Schlaganfälle und ein um 22 Prozent verringertes Risiko für kardiovaskuläre Todesfälle erreicht. Beide Ergebnisse sind statistisch signifikant. Auch das Risiko für Herzinfarkte war um 14 Prozent vermindert, jedoch erreichte diese Reduktion keine statistische Signifikanz", hieß es dazu in einer Aussendung des deutschen Pharmakonzerns Bayer, der die Studie mit seinen Arzneimitteln gesponsert hatte. Die Gesamtsterblichkeit (alle Ursachen) wurde den Studienautoren zufolge um 18 Prozent reduziert.

    Allerdings kam es in der Patientengruppe, die beide Mittel zur Blutverdünnung erhalten hatten, zu mehr schweren Blutungen. Eine medikamentöse Therapie zur Hemmung der Blutgerinnung ist immer ein Mittelweg zwischen dem angestrebten positiven Effekt der Thromboseprävention und dem Blutungsrisiko. (APA, 31.8.2017)

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