Was bei einer Pilzvergiftung zu tun ist

    31. August 2017, 10:09
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    Die gute Nachricht: Die meisten giftigen Pilze sind relativ harmlos. Nur ein Exemplar ist wirklich gefährlich und sorgt manchmal für Todesfälle

    Wien – Die Schwammerlsucher schwärmen wieder aus, denn nach dem heißen Sommer stehen die Pilze in den Wäldern dicht gedrängt. Doch unter den mehr als 3.500 Großpilzen, die in Mitteleuropa vorkommen, gibt es etwa 200 giftige Arten. Einige von ihnen schauen genießbaren Exemplaren zum Verwechseln ähnlich. Ihre Wirkung kann unangenehm bis tödlich sein.

    "Wir unterscheiden zwischen zwei Hauptgruppen von Pilzgiften", erklärt Wolfgang Schreiber, Chefarzt des Österreichischen Roten Kreuzes. "Die erste Gruppe, die etwa in Fliegenpilzen oder Trichterlingen vorkommt, ist relativ harmlos. Vergiftungssymptome wie Brechdurchfall oder Kopfschmerzen treten in einem Zeitraum von 15 Minuten bis zu vier Stunden nach dem Verzehr auf und können mehrere Tage anhalten. Das heißt es dann durchzustehen", so der Experte.

    Erbrochenes und Pilzreste mitnehmen

    Außer unterstützenden Maßnahmen kann hier Schreiber zufolge nicht viel getan werden. Anders sieht es aus, wenn die Symptome nach einer längeren Latenzzeit von vier Stunden bis zu mehreren Tagen auftreten. "Selbst wenn Patienten noch in guter Verfassung sind müssen sie sofort zum Arzt", betont er. "Wichtig ist es, das Erbrochene und die Pilzreste mitzunehmen." Entscheidend ist die aufgenommene Dosis: Eine Blutuntersuchung bestimmt das weitere Vorgehen.

    Besonders ein Pilz ist gefährlich, weil er Parasol und Champignon recht ähnlich sieht: Der Knollenblätterpilz. Er ist so toxisch und organschädigend, dass im schlimmsten Fall nur eine rasche Lebertransplantation hilft. "Es gibt ein bis zwei relevante Pilzvergiftungen pro Jahr, und etwa alle vier Jahre einen Todesfall", sagt Schreiber. "Das ist also relativ selten. Die beste Prävention ist es, einfach nichts zu pflücken, was man nicht kennt." Im Zweifelsfall sollte man sich an eine Pilzauskunftsstelle wenden.

    Erhöhte Leber- und Nierenwerte

    "Das Tückische an den hochgiftigen Knollenblätterpilzen ist die Latenz", betont auch die Deutsche Leberstiftung. Das heißt, die Vergiftungssymptome treten nicht sofort nach Verzehr auf, sondern erst nach einer Latenz von sechs bis maximal 24 Stunden.

    "Der Klassiker ist, dass am Abend Giftpilze gegessen werden und erst am nächsten Morgen bekommt man Übelkeit, Erbrechen und Durchfall", erklärt Andreas Schaper vom Deutschen Giftinformationszentrum. Für die lebensbedrohliche Wirkung des Knollenblätterpilzes sind sogenannte Amatoxine verantwortlich, vor allem das alpha-Amanitin. Eine Erhöhung der Leber- und Nierenwerte sind Zeichen einer systemischen Vergiftung. (red, 31.8.2017)

    • Der Knollenblätterpilz ist hoch toxisch. Manchmal wird er mit Parasol oder Champions verwechselt.
      foto: apa/dpa/bernd wüstneck

      Der Knollenblätterpilz ist hoch toxisch. Manchmal wird er mit Parasol oder Champions verwechselt.

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