Darum empfiehlt Netflix Superhelden-Serien, auch wenn man Genre nicht mag

    9. September 2017, 10:09
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    Empfehlungs-Algorithmen sind wichtiger Bestandteil der Strategie von Streaming-Anbietern

    Im Internet wird das Leben von Algorithmen bestimmt. Was im Facebook-Feed landet. Welche Produkte Amazon zum Kauf vorschlägt. Welche Filme Netflix seinen Nutzern empfiehlt. Oft ist es für Nutzer ein Rätsel, auf welcher Basis diese Empfehlungen zustanden kommen. Netflix hat in einem Blogeintrag erklärt, wie das Empfehlungssystem arbeitet. Und warum man manchmal Filme und Serien aus einem Genre vorgeschlagen bekommt, das man vielleicht gar nicht mag.

    Vorschläge über Genregrenzen hinweg

    Während Filme und Serien im linearen Fernsehen an den Nutzer herangetragen werden und man sich berieseln lassen kann, müssen Streaming-Anbieter ein ausgeklügeltes System erschaffen, damit Nutzer bei der Stange bleiben. Die Kunst ist, den Nutzern immer wieder neue Inhalte vorzuschlagen, die ihnen basierend auf ihren bisherigen Sehgewohnheiten gefallen könnten. Laut Netflix finden seine Nutzer über 80 Prozent der Film- und Serientitel basierend auf Empfehlungen.

    Einfach nur Filme und Serie vom gleichen Genre vorzuschlagen, reicht allerdings nicht aus. Denn dann wäre das Angebot schnell ausgeschöpft. Genres würden die Gattung eines Titels nur sehr oberflächlich beschreiben, erklärt Todd Yellin, Vice President of Product bei Netflix, in einem Blogeintrag. Algorithmen müssen daher übergreifend arbeiten. So hat nur jeder fünfte Nutzer, der die Serie "Stranger Things" angesehen hat, bereits zuvor Inhalte aus dem Horrorgenre auf Netflix geschaut. Nur jeder siebente, der "Black Mirror" schaut, hat zuvor Science-Fiction-Titel konsumiert.

    Sehverhalten analysiert

    Anhand von vier Serien aus dem Marvel-Universum zeigt der Anbieter auf, wie Fans von komplett anderen Serien-Genres auf die Superhelden-Verfilmungen gestoßen sind. Für die Analyse wurde zwischen 2015 und 2017 das Sehverhalten von Abonnenten aus über 40 Ländern untersucht, die vor den Marvel-Serien noch nie andere Superhelden-Inhalte auf Netflix gesehen haben. Basierend darauf wurden dann die beliebtesten Titel herausgegriffen, die diese Nutzer zuvor angeschaut haben (siehe Infografiken).

    foto: netflix

    So haben beispielsweise Nutzer, die "Daredevil" gesehen haben zuvor Serien wie "Breaking Bad", "Dexter", "Unbreakable Kimmy Schmidt" oder "Bloodline" geschaut. In keiner dieser Serien geht es um Superhelden wie sie aus dem Marvel-Universum bekannt sind – der gemeinsame Nenner sind Antihelden und Doppelmoral. Solche Daten zieht Netflix heran, um Algorithmen zu entwickeln, die die laut Yellin "oft klischeehafte und vage" Kategorisierung durch Genres aufbrechen sollen. (br, 9.9.2017)

    • So kommen Netflix-Nutzer zu den Marvel-Serien.
      foto: netflix

      So kommen Netflix-Nutzer zu den Marvel-Serien.

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