Kunststofftechnik für Tumorbehandlung

    27. August 2017, 14:47
    1 Posting

    Veronika Berger entwickelt 3D-Objekte für medizintechnische Anwendungen

    Linz – Bei Tumoren vor allem im Schädelbereich kommt immer häufiger die sogenannte Hochpräzisionsstrahlentherapie zum Einsatz. Ihr Vorteil ist die große Genauigkeit, mit der die Strahlen auf den Tumor gelenkt werden können. Dabei ist es sehr wichtig, den Kopf des Patienten exakt in die erforderliche Position zu bringen und ihn dort während der gesamten Bestrahlungsdauer zu halten. Schon die kleinste Bewegung könnte schlimme Folgen haben.

    Um die Patienten zu fixieren, wird ihnen deshalb eine Art Gesichtsmaske angelegt. Dabei handelt es sich um ein in heißem Wasser erhitztes thermoplastisches Netz, das auf dem Gesicht rund 40 Minuten lang aushärten muss. "In dieser Zeit ist der Kopf komplett eingespannt", sagt Veronika Berger. "Für Kinder und Klaustrophobiker ist das ein kaum erträglicher Zustand." Um den Patienten diese zusätzliche Tortur zu ersparen, arbeitet sie im Rahmen ihrer Dissertation am Institute of Polymer Product Engineering der Universität Linz an der Entwicklung von Fixierungssystemen, die für jeden Patienten individuell im 3D-Druck gefertigt werden können.

    "Zunächst modellieren wir den Kopf des Patienten auf der Basis von Computertomografie- oder von Magnetresonanztomografiebildern", sagt die Kunststofftechnikerin. "Darauf aufbauend wird dann eine maßgeschneiderte Maske konstruiert." In Kooperation mit einem interdisziplinären Team aus Ärzten, Pflegepersonal, Physikern, 3D-Drucker-Herstellern und Anwendern wurde in Vorarbeiten bereits ein Prototyp entwickelt. Die Idee zu dieser speziellen Anwendung des 3D-Drucks geht übrigens auf den Onkologen Hans Geinitz vom Ordensklinikum Linz der Barmherzigen Schwestern zurück, mit dem das Team von Anfang an eng zusammenarbeitet.

    Neben der Befriedigung, mit ihrer Arbeit das Leid von Tumorpatienten zumindest ein wenig zu verringern, genießt Veronika Berger auch den täglichen Blick über den Tellerrand der eigenen Disziplin: "Nachdem meine Teampartner aus vielen unterschiedlichen Fachbereichen kommen, lerne ich laufend Neues dazu."

    Tief beeindruckt hat die Oberösterreicherin auch die Zusammenarbeit mit körperlich schwerbehinderten Menschen, für die sie in einem Projekt mit der Fachhochschule für Gesundheitsberufe Oberösterreich maßgeschneiderte Mundstäbe entwickelt hat. "Dass man den beschwerlichen Alltag dieser Menschen mithilfe generativer Fertigungsverfahren wie dem 3D-Druck nachhaltig verbessern kann, ist eine wichtige Motivationsquelle für mich", so die 26-Jährige.

    Eine andere ist die profunde Begeisterung für die Kunststoffforschung selbst: "Ich kenne kein anderes technisch-naturwissenschaftliches Studium, das so breit gefächert ist", sagt Berger. "Da spielt die Chemie eine Rolle, die Materialwissenschaft, die Mechatronik, die Verarbeitungstechnik, die Bauteilgestaltung und selbst das Management."

    Und jenseits von Kunststoff und 3D-Druck? Da steht vor allem Sport auf dem Programm – vom Windsurfen über Wandern und Laufen bis zum Klettern in der Halle. Als Spross einer musikalischen Familie entspannt sie sich zudem gern bei improvisierter Hausmusik mit den Geschwistern: "Ich spiele Geige, Klavier, Orgel und etwas Gitarre." (Doris Griesser, 27.8.2017)

    • Die Kunststofftechnikerin Veronika Berger ist Dissertantin an der Universität Linz.
      foto: foto: harald kicker

      Die Kunststofftechnikerin Veronika Berger ist Dissertantin an der Universität Linz.

    Share if you care.