Neuartiger Antikörper als Waffe gegen Alzheimer entwickelt

22. August 2017, 15:15
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Potenzieller Wirkstoff könnte schädliche Peptide aus dem Körper entfernen

Halle (Saale) – Im Kampf gegen Alzheimer könnte in Zukunft eine neue Waffe zur Verfügung stehen: Deutsche Wissenschafter haben Antikörper entwickelt, die als potenzielle Wirkstoffe gegen die neurodegenerative Erkrankung eingesetzt werden könnten. Gleichzeitig beschreiben die Forscher erstmals detailliert die Struktur einer schädlichen Form jenes Peptids, das mit Alzheimer in Verbindung gebracht wird.

Alzheimer entsteht, wenn sich bestimmte schädliche Ablagerungen im Gehirn bilden. "Besonders gefährlich ist hierbei eine speziell modifizierte Art des Beta-Amyloid-Peptids. Diese verklumpen aufgrund ihrer Struktur sehr schnell und lagern sich dann im Gehirn ab", sagt Milton T. Stubbs von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Gemeinsam mit Kollegen vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) sowie dem Unternehmen Probiodrug leitete Stubbs die nun im "Journal of Biological Chemistry" vorgestellte Studie.

"Wie ein Staubsauger"

"Unser neuer Antikörper-Wirkstoff soll dann wirken, wenn die gefährlichen Peptide bereits im Körper gebildet wurden. Das kann man sich wie einen Staubsauger vorstellen, der die Stoffe aus dem System entfernt", so Inge Lues von Probiodrug und Co-Autorin der Publikation. Wie bei einer Art Impfung könnten die Antikörper dem Menschen gespritzt werden.

Damit die dazu eingesetzten Antikörper weiter entwickelt werden können, braucht es detaillierte Kenntnisse darüber, wie das schädliche Peptid vom Antikörper erkannt werden kann. "Wenn wir die Struktur des Peptids kennen, können wir die Antikörper so entwickeln, dass sie nur diesen einen Stoff angreifen", sagt Stubbs. Seine Arbeitsgruppe analysierte die Struktur des Antikörpers und wie es das Alzheimer-Peptid erkennt.

Peptid in Form eines Boxhandschuhs

Anhand dieser Ergebnisse konnten gezielt neue Antikörper entwickelt und weiter erforscht werden. Der neue Wirkstoff sei nach Ansicht der Wissenschafter gut dazu geeignet, genau die schädlichen Peptid-Strukturen zu erkennen, was zu weniger Nebenwirkungen führen sollte. Darüber hinaus zeigte die Studie, dass die Modifikation in dem Peptid zu einer Struktur führt, die – vereinfacht gesagt – der Form eines Boxhandschuhs ähnelt. Diese markante Struktur könnte erklären, warum diese Form der Alzheimer-Peptid-Verbindungen so schnell verklumpt. (red, 22.8.2017)

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