Wo Kinder lernen, dass Salz kein Gewürz ist

    23. August 2017, 06:00
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    Bereits zum elften Mal macht die "Kinderuni on Tour" an öffentlichen Plätzen halt, um Kinder für Forschung zu begeistern

    Wien – In der Mitte des Kardinal-Nagl-Parks im dritten Bezirk in Wien steht ein türkiser Pavillon. Auf den ansteigenden Bänken unter dessen Dach sitzen schon einige aufgeregte Kinder. Etwa 30 Buben und Mädchen im Volksschulalter warten auf den Beginn des heutigen Vortrags. Manche von ihnen tragen leuchtend türkise T-Shirts mit Aufdrucken der Kinderuni.

    15 Jahre – 50.000 Kinder

    Die Kinderuni der Universität Wien ist seit 15 Jahren darum bemüht, Kindern das Leben und Lernen an einer Hochschule spielerisch näherzubringen. Jeden Sommer öffnen dafür die Institutionen der Hauptuni, der Medizinischen Fakultät, der Technischen Universität und einige andere ihre Türen für die Studierenden von morgen. Insgesamt wurden mit der jährlichen Aktion bereits über 50.000 Kinder erreicht.

    Seit 2007 gibt es zusätzlich die "Kinderuni on Tour" in Wien, seit 2011 auch in Niederösterreich. Geforscht wird unterwegs in Parks, in Jugendzentren oder in Büchereien. Das Programm besteht aus einer Mischung aus selbstständigem Entdecken im Rahmen von Forschungsstationen und einer zum Thema passenden "Vorlesung". Im Kardinal-Nagl-Park drehte sich beispielsweise alles um die Beantwortung der Frage: "Wie schmecken Pflanzen und warum duften Gewürze?"

    Gewürz oder doch Würzmittel?

    Nachdem sich die erste Aufregung der kleinen Forscherinnen und Forscher gelegt hat, kann der Biologe Martin Rose vom Botanischen Garten Wien mit seinem Vortrag beginnen. Er verteilt einige grüne Zweige an die Kinder, diese beginnen sofort daran zu riechen und Überlegungen anzustellen, worum es sich dabei denn handeln könnte. Manche glauben, es ist Minze, die etwas älteren Kinder wissen aber bereits, dass es sich um Basilikum handelt.

    Einige der Kinder sind besonders eifrig und zeigen bei jeder Frage des Experten auf. Als Martin Rose fragt, wer denn glaubt, dass Salz ein Gewürz sei, schießen dann nahezu alle Hände nach oben, auch die einiger umstehenden Eltern. Nachdem Martin Rose das verneint, sind alle Anwesenden erstaunt. Salz ist kein Gewürz, sondern ein Würzmittel. Von Gewürzen spricht man nämlich nur, wenn es sich um Teile von Pflanzen handelt.

    Wissenschaft für alle

    Nach etwa 20 Minuten werden die Kinder langsam lauter und ungeduldiger. Anders als im Hörsaal ist das Setting im Park zwar angenehm, aber wenn rundherum gespielt wird, Hunde bellen und die Sonne scheint, ist es schwer für die Jüngsten, konzentriert bei der Sache zu bleiben.

    Hinter den Vorlesungen im öffentlichen Raum steht aber ein Konzept. Denn die OrganisatorInnen der Kinderuni wollen mit der "On Tour"-Variante Barrieren abbauen. Es gehe darum, Wissenschaft auch jenen Kindern näherzubringen, die im Alltag wenig Zugang dazu haben. In einem Park in Erdberg oder einem Spielplatz in Favoriten ist die Hemmschwelle dabei geringer als im unübersichtlichen Hauptgebäude der Universität. Da keine Voranmeldung dafür notwendig ist, können auch Kinder, die sich zufällig in der Nähe befinden, daran teilnehmen.

    Bevor die Kinder zu unruhig werden, erklärt der Wissenschafter noch, dass der Mensch nur aufgrund seines guten Geruchssinns so viele verschiedene Geschmäcker unterscheiden kann. Dann übernimmt eine Mitarbeiterin der Kinderuni das Mikrofon und zeigt den Kindern zum Abschluss, wie man sich an der Universität für einen Vortrag bedankt. Emsig klopfen die Buben und Mädchen auf ihre Bänke und stürmen daraufhin wieder in den Park. (Julia Sahlender, 23.8.2017)

    • Die Forscherinnen und Forscher von morgen bei der Kinderuni on Tour
      foto: patrick münnich/kinderbüro

      Die Forscherinnen und Forscher von morgen bei der Kinderuni on Tour

    • Die menschliche Nase kann über 10.000 verschiedene Gerüche unterscheiden – das hilft uns auch beim Schmecken.
      foto: patrick münnich/kinderbüro

      Die menschliche Nase kann über 10.000 verschiedene Gerüche unterscheiden – das hilft uns auch beim Schmecken.

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