"Schneeball Erde" könnte zum Lebensspender geworden sein

20. August 2017, 17:45
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Australische Forscher glauben die Antwort gefunden zu haben, warum ausgerechnet nach globaler Vereisung das komplexe Leben aufblühte

illustration: nasa
So soll der "Snowball Earth" (der Begriff wurde 1992 von Joseph Kirschvink in Umlauf gebracht) ausgesehen haben: Mit Eismassen, wie es sie nie zuvor oder danach gab, aber auch mit ein paar offenen Reststellen.

Canberra – In den letzten Abschnitten des sogenannten Proterozoikums – einer Ära, die vor 2,5 Milliarden Jahren begann und vor 541 Millionen Jahren endete – wurde die Erde in ein extremes kalt-warmes Wechselbad gestürzt. Im vorletzten Abschnitt, dem Cryogenium vor 850 bis 635 Millionen Jahren, vereiste die Erde mehrfach in einem Ausmaß, das es nie zuvor gegeben hatte und das auch das jüngste Eiszeitalter um ganze Größenordnungen übertraf.

Populär wurde diese Phase unter dem Schlagwort "Schneeball Erde", auch wenn es vermutlich nie zu einer Vereisung von Pol zu Pol kam. Wahrscheinlicher ist, dass es auch in Zeiten extremer Vergletscherung eisfreie Stellen gab, an denen das damals schon alte Leben überdauern konnte. Wissenschafter gehen heute eher von einem "Matschball Erde" aus.

Das neue Paradies

Auf diese Mega-Eiszeiten folgte das lauschig warme Zeitalter des Ediacariums, in dem das Leben geradezu explodierte und neue Formen hervorbrachte. Die ersten großen und komplexen Organismen breiteten sich in den bis dahin von Bakterien dominierten Meeren aus.

Australische Forscher glauben nun die Lösung gefunden zu haben, wie das irdische Leben just im Anschluss an die größte Klimakatastrophe der Erdgeschichte einen derartigen Aufschwung nehmen konnte. Algen hätten es ermöglicht, berichtet ein Team um Jochen Brocks von der Australian National University im Fachmagazin "Nature".

foto: stuart hay, anu
Bitte ganz natürlich schauen: Jochen Brocks und seine Kollegin Amber Jarrett stellen für die Kamera den Moment nach, in dem sie die gewonnenen Sedimentproben untersuchten.

Die Forscher untersuchten Sedimentgestein aus dem Inneren Australiens, das aus dem fraglichen Zeitraum stammt, und fanden dabei Indizien für einen urzeitlichen Düngemechanismus. Die gewaltigen Gletscher, die während des Schnee- oder Matschballzeitalters auf den Kontinenten lasteten, zerrieben ganze Bergketten zu Pulver. Dabei wurden riesige Mengen an Mineralien freigesetzt, die letztlich in die Meere gelangten.

Als sich das globale Klima erwärmte, dienten diese Mineralien als Nährstoffe für Algen, die sich damit in bislang noch nicht dagewesener Weise ausbreiten konnten. Und diese Algen wurden ihrerseits zur Nahrungsgrundlage für andere Organismen, wodurch sich erstmals komplexere Ökosysteme entwickeln konnten. Laut Brocks war es also letztlich dieselbe Vereisung der Erde, die zunächst die Entwicklung des Lebens für lange Zeit verzögert hatte, die dann die Energie dafür lieferte, dass das Leben ein ganz neues Level der Komplexität erklimmen konnte. (jdo, 20. 8. 2017)

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