Sebastian Kurz holt Josef Moser auf seine Liste

17. August 2017, 09:58
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Am Donnerstag hat ÖVP-Chef Sebastian Kurz den ehemaligen Rechnungshofpräsidenten Josef Moser als parteiunabhängigen Kandidaten auf der Bundesliste präsentiert. Moser sagte, er wolle die Effizienz der Verwaltung steigern, dies verbinde ihn mit Kurz.

Wien/Graz/Salzburg – "Unser Optimismus ist groß", zeigte sich der steirische Landeshauptmann und ÖVP-Chef Hermann Schützenhöfer begeistert, als er am Mittwoch die Landeskandidaten seiner Partei für die Nationalratswahl vorstellte. Wie auch in den anderen Bundesländern rechnet die steirische ÖVP damit, diesmal mehr Kandidaten ins Parlament nach Wien schicken zu können. Dank Sebastian Kurz, weil die Stimmung für den neuen Parteichef eben "so gut ist". Schützenhöfer warnte aber vor allzu großer Euphorie: "Es muss uns noch gelingen, die gute Stimmung in Stimmen umzuwandeln."

Die Länderpolitiker der Volkspartei fügten sich folgsam dem Diktat des neuen Parteiführers, der bei der Kandidatenauswahl in den Bundesländern kräftig mitmischte und überall neue Gesichter sehen wollte.

"Enkelfit" für die Generation Kurz

Auf Bundesebene hatte sich Kurz das alleinige Sagen ausbedungen. Hier umgibt er sich – ihn selbst und Listenzweite Elisabeth Köstinger, die auch Listenerste in Kärnten ist, mal ausgenommen – mit Quereinsteigern. An der dritten Stelle auf der Bundesliste wird der ehemalige Rechnungshofpräsident und Ex-FPÖ-Klubdirektor Josef Moser kandidieren.

Bei seiner Präsentation am Donnerstag sagte Moser, es gehe darum, Österreich "enkelfit" zu machen – dafür stehe auch die Person Sebastian Kurz und dessen Generation. Den Terminus "enkelfit" hatten bisher vor allem die Neos gebraucht, jetzt besetzt ihn Moser: Österreich habe kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem, zwar werde viel investiert, aber nicht immer effizient.

Hinter Moser, auf Platz vier, wird die Programmchefin von ORF Burgenland, Gaby Schwarz, Platz nehmen. Der von den Grünen "ausgemusterte" Efgani Dönmez wird von Kurz auf den fünften Platz gesetzt, noch vor Opernball-Organisatorin Maria Großbauer und dem Mathematiker Rudolf Taschner. Es folgen die Salzburger Personalunternehmerin Tanja Graf, der Wiener Polizei-Vizepräsident Karl Mahrer und die ehemalige Stabhochspringerin Kira Grünberg, die nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt. Sie führt auch die Tiroler Liste an.

Steiermark

Durch einen Behandlungsfehler ist auch die steirische Spitzenkandidatin, die Gastronomin und Bürgermeisterin Barbara Krenn, auf einen Rollstuhl angewiesen. Sie fungiert als Obmann-Stellvertreterin der Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer Steiermark. Neben der Wirtschaftskammer wird in der Steiermark auch der ÖAAB gut vertreten sein – mit Ex-Generalsekretär Werner Amon.

Auf dem dritten Platz eine Quereinsteigerin aus der Wissenschaft: Juliane Bogner-Strauß, Vizechefin am Biochemie-Institut der Grazer TU. An vierter Stelle kandidiert der ehemalige Rektor der Medizinischen Universität Graz, Josef Smolle. Ihm folgt die ehemalige Team-Stronach-Politikerin Kathrin Nachbaur, dahinter rangiert Klubobmann Reinhold Lopatka.

Die Steiermark hatte zuletzt fünf Mandate zu vergeben, drei Politiker – Ex-Wissenschaftsministerin Beatrix Karl, Fritz Grillitsch und der in die Telekom-Affäre verstrickte Bernd Schönegger – haben auf eine Wiederkandidatur verzichtet. Wenn die Wähler über Vorzugsstimmen nicht anders entscheiden, ist zumindest Amons Ticket in den Nationalrat fix, während Nachbaur nur geringe Chancen hat. Lopatka ist sich sicher, über den Regionalwahlkreis wieder ins Parlament zu kommen.

Niederösterreich

Und auch in Niederösterreich betont die dortige Landesparteiobfrau Johanna Mikl-Leitner, dass alle Kandidatinnen und Kandidaten "gemeinsam mit Sebastian Kurz erarbeitet und einstimmig vom Landesparteivorstand beschlossen" worden seien. Frontmann ist dort Innenminister Wolfgang Sobotka, auf Platz zwei folgt Eva-Maria Himmelbauer, die schon seit fünf Jahren im Parlament sitzt. Auf Platz drei wurde Finanzminister Hans Jörg Schelling gesetzt.

Rundum Optimismus auch in Niederösterreich: "Wir wollen in diesem Jahr die Chance auf ein drittes Mandat auf der Landesliste nutzen", sagte Mikl-Leitner.

Salzburg

Auch die Salzburger ÖVP geht ausgesprochen siegessicher in den Urnengang am 15. Oktober. Landesparteichef Wilfried Haslauer rechnet mit vier statt bisher zwei Nationalratssitzen für die Salzburger Schwarzen, die im Gegensatz zur Bundespartei die traditionelle Farbe behalten haben und nicht auf Türkis gewechselt sind.

Neben den bisherigen Nationalratsabgeordneten Peter Haubner (Wirtschaftsbund) und Franz Eßl (Bauernbund) sollen auch noch Tanja Graf (Wirtschaftsbund) und Stefan Schnöll (JVP) in den Nationaltrat einziehen. Möglich werden soll die Mandatsverdoppelung durch die Reihung von Graf auf Platz acht der Bundesliste. Schafft sie so den Einzug in das Hohe Haus, dann könnte auch Jungpolitiker Schnöll über die Landesliste ins Parlament in Wien einziehen. (Walter Müller, Thomas Neuhold, 16.8.2017)

  • Die ehemalige Sportlerin Kira Grünberg führt auch die Tiroler ÖVP-Landesliste an.
    foto: christian fischer

    Die ehemalige Sportlerin Kira Grünberg führt auch die Tiroler ÖVP-Landesliste an.

  • Ex-Rechnungshofpräsident Josef Moser dockt jetzt bei der "Neuen ÖVP" an.
    foto: matthias cremer

    Ex-Rechnungshofpräsident Josef Moser dockt jetzt bei der "Neuen ÖVP" an.


  • Der Ex-Grüne Efgani Dönmez erhielt von Kurz den fünften Platz auf der Bundesliste.
    foto: urban

    Der Ex-Grüne Efgani Dönmez erhielt von Kurz den fünften Platz auf der Bundesliste.

  • Kathrin Nachbaur, Ex-Chefin des Teams Stronach, hat nur geringe Mandatschancen.
    foto: parlamentsdirektion / simonis

    Kathrin Nachbaur, Ex-Chefin des Teams Stronach, hat nur geringe Mandatschancen.


  • Innenminister Wolfgang Sobotka scheint unverzichtbar und ist Frontmann auf der Niederösterreich-Liste.
    foto: apa / michael gruber

    Innenminister Wolfgang Sobotka scheint unverzichtbar und ist Frontmann auf der Niederösterreich-Liste.


  • Hinter Sobotka bekam die Parlamentarierin Eva-Maria Himmelbauer ein Fixmandat.
    foto: apa / sabine klimpt

    Hinter Sobotka bekam die Parlamentarierin Eva-Maria Himmelbauer ein Fixmandat.


  • Klubchef Reinhold Lopatka muss um sein Leiberl rennen – er kämpft um Vorzugsstimmen.
    foto: apa / roland schlager

    Klubchef Reinhold Lopatka muss um sein Leiberl rennen – er kämpft um Vorzugsstimmen.

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