"Der Nebelmann": Ermittler als Manipulator

14. August 2017, 11:01
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Donato Carrisi geht es in seinem Krimi um die Medien und wie sie benutzt werden können, um die öffentliche Meinung zu manipulieren

Ein junges Mädchen verschwindet. Eigentlich unmöglich, denn im Dorf gibt es eine strikte soziale Kontrolle. Man ist fundamentalistisch-fromm, das Tagebuch der Abgängigen zeigt keine Hinweise auf sündige Abwege. Ein Star-Ermittler aus Rom kommt an. Vogel ist wenig vertrauenerweckend. Die Frage des Whodunit wird bald überlagert von einem anderen Thema.

Donato Carrisi geht es um die Medien und wie sie benutzt werden können, um die öffentliche Meinung zu manipulieren. Der Ermittler erweist sich bald als Manipulator. Raffiniert lenkt er den Verdacht in die gewünschte Richtung und setzt die Staatsanwältin unter Druck. Ein mutmaßlicher Mörder schafft das auch: Mit den Medien zur richtigen Zeit auf dem richtigen Platz kann man sich als Justizopfer darstellen.

Vogel seinerseits inszeniert großes Theater. Er lässt Spurensicherer anrücken, sorgt dafür, dass Kameraleute vor Ort sind. Was will Vogel wirklich? Schon die Rahmenhandlung ist höchst beunruhigend, und das bleibt so bis zum Schluss – einer der besten Krimis des Sommers. (Ingeborg Sperl, Album, 14.8.2017)

  • Donato Carrisi, "Der Nebelmann". Deutsch: Karin Diemerling, € 21 / 330 S. Atrium, Zürich 2017
    cover: atrium

    Donato Carrisi, "Der Nebelmann". Deutsch: Karin Diemerling, € 21 / 330 S. Atrium, Zürich 2017

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