Platter ist nach "Walli" am zweitlängsten im Amt als Landeshauptmann Tirols

3. August 2017, 10:19
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Tirols Landeshauptmann überrundete am 1. Juli Wendelin Weingartner – Legendärer Landeschef Wallnöfer amtierte 24 Jahre

Innsbruck (APA) – Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hat "Silber": Seit Donnerstag ist er der am zweitlängsten amtierende Landeshauptmann Tirols und hat seinen Vorvorgänger Wendelin Weingartner (ÖVP) überrundet. Der 63-Jährige ist seit dem 1. Juli 2008 im Amt. Nur der legendäre Landeschef Eduard Wallnöfer bleibt wohl uneinholbar: Er regierte Tirol von 1963 bis 1987.

Mehr als 14 Jahre lang hält sich der gelernte Buchdrucker und Gendarm Platter schon in der ersten Reihe der heimischen Politik: Von 2003 bis 2007 amtierte er als Verteidigungsminister in der schwarz-blau (später schwarz-orangen) Bundesregierung unter Wolfgang Schüssel, von 2007 bis 2008 war er Innenminister. Dort geriet er im Zuge der Causa Arigona Zogaj ins Schussfeld. 2008 gelang – nach der schweren Niederlage der ÖVP bei der Landtagswahl in Tirol unter Herwig van Staa – schließlich der Sprung an die Spitze des "heiligen Landes".

Machtinstinkt und Gespür

Und dort verweilt der aus Zams im Tiroler Oberland stammende Platter seitdem. Mit Machtinstinkt und politischem Gespür steuert er durch den politischen Alltag, innerparteiliche Konflikte und Bruchlinien werden großteils hinter verschlossenen Türen gehalten und erblicken nicht das Licht der Öffentlichkeit. Der bienenfleißige Platter ist kein polarisierender Macher und Ideologe, sondern ein pragmatischer Arbeiter, der auch bei politischen Gegnern und Andersdenkenden als umgänglich gilt.

Das Ausweichen vor größeren Konflikten wird ihm freilich auch mitunter als Schwäche ausgelegt, Platter eher als braver Verwalter denn als mutiger Reformer gesehen. Mit der Installierung von Schwarz-Grün bei der Regierungsbildung 2013 gelang ihm jedoch ein politischer Paukenschlag. Die Koalition gilt als stabil, der Landeshauptmann und seine ÖVP können sich Umfragen zufolge gute Chancen ausrechnen, bei der kommenden Landtagswahl am 25. Februar 2018 einen Erfolg einzufahren.

Platter wurde am 7. Juni 1954 in Zams bei Landeck geboren. 1969 begann er eine Buchdruckerlehre, die er vier Jahre später mit der Gesellenprüfung abschloss. Zwei Jahre lang übte Platter den Beruf des Buchdruckers aus, ehe er 1976 seine Tätigkeit als Exekutivbeamter aufnahm, die er bis 1994 ausübte. 1978 heiratete Platter, der Ehe entstammen zwei, mittlerweile erwachsene Kinder.

In den 80er-Jahren begann Platter seine politische Karriere, zuerst als Gemeinderat (1986-1989), dann als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Zams (1989-2000). 1994 wurde er Nationalratsabgeordneter, ging 2000 als Sport- und Kulturlandesrat zurück nach Tirol, wurde dort ÖAAB-Chef und unterlag van Staa in einer Kampfabstimmung um den ÖVP-Landeschef. Dies läutete jedoch dann seine Zeit als Minister in Wien ein, er war in der ersten Reihe der heimischen Politik angekommen. (APA, 3.8.2017)

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    foto: apa/expa/groder
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