Studie: Österreichische EVU Vorreiter bei Smart-Meter-Einführung

    1. August 2017, 12:57
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    Aufholbedarf bei IT-Sicherheit: Für Umgang mit wichtigen Informationen organisatorische Veränderungen nötig

    Die Energieversorger in Österreich sind Vorreiter bei der Einführung der digitalen Stromzähler (Smart Meter): 57 Prozent haben bereits mit dem Rollout begonnen, fast doppelt so viele wie in Deutschland und in der Schweiz, wo erst je rund ein Drittel mit der Umstellung gestartet hat. Dies geht aus einer Studie des Beraters EY hervor. Aufholbedarf wird in Österreich bei der IT-Sicherheit gesehen.

    Bis Jahresende müssen 70 Prozent aller Zähler umgestellt sein

    Das beachtliche Tempo der österreichischen Energieversorger bei der Smart-Meter-Einführung werde aber nicht reichen, um die gesetzlichen Vorgaben bis Ende 2017 zu erfüllen, so Stefan Uher, Partner und neuer "Energy Sector Leader" bei EY Österreich. Laut Verordnung müssen bis Jahresende 70 Prozent aller Zähler umgestellt sein, heißt es Montag in einer Pressemitteilung zur "Stadtwerke-Studie 2017".

    Laut Schätzungen der Netzbetreiber würden bis dahin aber nur 30 Prozent umgestellt sein, andere Umfragen gingen sogar von noch niedrigeren Werten aus. Österreichweit gebe es bei Haushalten, KMU und in der Landwirtschaft 6,16 Millionen Stromzähler. Derzeit gehe ein Drittel der österreichischen EVU nicht davon aus, die gesetzlichen Vorgaben zu erreichen, 62 Prozent hätten zumindest Zweifel, so EY. Nach einer EU-Richtlinie sollen bis 2020 mindestens 80 Prozent aller Haushalte mit Smart Meter ausgestattet sein. In Österreich sollen es nach gesetzlichen Vorgaben 95 Prozent bis Ende 2019 sein. Die E-Wirtschaft bemüht sich um einen Aufschub bis 2022.

    Mit der zunehmenden Vernetzung von Stromzählern gewinne auch die Frage der IT-Sicherheit erheblich an Bedeutung. 91 Prozent der EVU in Österreich setzten sich intensiv mit der Sicherheit der eigenen Netze auseinander. "Im Vergleich zu Deutschland werden die Gefahren eines Netzausfalls infolge von Hackerangriffen allerdings deutlich geringer eingeschätzt: Nur 53 Prozent sehen darin eine Bedrohung – im Vergleich zu 73 Prozent in Deutschland", schreibt EY in der Pressemitteilung. Gleichzeitig sei der Stand der bereits getroffenen Gegenmaßnahmen wie Installation eines IT-Sicherheitsbeauftragten oder eines Managementsystems für Informationssicherheit geringer ausgeprägt als in Deutschland.

    Chancen und Risiken

    "Die Digitalisierung im Energiebereich bietet vielfältige Chancen, erhöht aber auch Risiken. Viele Unternehmen unterschätzen noch die Tragweite der notwendigen umfassenderen Informationssicherheit, die auch zu Veränderungen in diversen Prozessen zwingt", so Uher. Die rein technische Sicherheit erscheine gut beherrschbar – der Umgang mit für kritische Infrastrukturen wichtigen Informationen erfordere jedoch zusätzlich organisatorische und prozessuale Veränderungen, auf die die Unternehmen oft noch nicht genügend vorbereitet seien.

    Das Thema Digitalisierung habe in der österreichischen E-Wirtschaft verstärkt Einzug gehalten, so EY. Vier von zehn Energieversorgungsunternehmen (EVU) hätten eine Strategie zur digitalen Transformation, weiter 24 Prozent seien zumindest inmitten der Entwicklungsphase.

    Für die EY-Stadtwerke-Studie wurden 214 Geschäftsführer und Vorstände von Energieversorgungsunternehmen im deutschsprachigen Raum befragt, darunter waren 21 aus Österreich. (APA, 1.8.2017)

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    EY

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