Vermeintlich verschiedene Schmetterlingsarten entpuppen sich als Männchen und Weibchen derselben

28. Juli 2017, 14:01
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DNA-Analyse führte zu überraschendem Ergebnis

illustration: florida museum of natural history / shinichi nakahara
Oben das blaue Männchen von Caeruleuptychia helios, unten das braune Weibchen (jeweils mit Vorder- und Rückansicht).

Gainesville – So kann's gehen: Da hat man auf der einen Seite einen in prächtigem Blau schillernden Schmetterling und auf der anderen einen langweilig braunen und trägt die beiden in lepidopterologischen Datenbanken als unterschiedliche Arten ein. Und dann stellt sich heraus, dass es nur zwei unterschiedliche Ausprägungen von ein- und derselben Spezies sind.

So geschehen bei den "zwei" Edelfalter-Spezies Caeruleuptychia helios (blau) und Magneuptychia keltoumae (braun) aus dem Amazonasgebiet. Erstere war bereits 1911 beschrieben worden, letztere hingegen erst vor kurzem – und sogar einer anderen Gattung zugeordnet.

Sexualdimorphismus

DNA-Analysen haben ein internationales Entomologenteam nun aber den Irrtum erkennen lassen. Es handelt sich lediglich um eine ausgeprägte Form von Sexualdimorphismus, die die Männchen prächtiger zeichnet als die Weibchen. Davon waren die Forscher selbst überrascht, da es bei vielen Verwandten der Spezies keine solch extremen Unterschiede gibt. Die Ergebnisse der Analyse wurden im Fachmagazin "Insect Systematics and Evolution" veröffentlicht.

Erst vor kurzem hatte es einen ähnlichen Fall bei Gottesanbeterinnen gegeben: Bei der mittelamerikanischen Fangschrecke Hondurantemna chespiritoi sehen Männchen und Weibchen ebenfalls aus, als würden sie unterschiedlichen Spezies angehören. Männchen tarnen sich als trockene Zweige, die größeren Weibchen hingegen imitieren Blätter.

Die Frage der Namenswahl, die sich bei Eheschließungen stellt, ist im Fall des Schmetterlings allerdings schon vorab entschieden: Gemäß der Prioritätsregel der biologischen Nomenklatur wird immer der älteren Bezeichnung der Vorrang gegeben. Blaue wie braune Schmetterlinge heißen nun also Caeruleuptychia helios. Magneuptychia keltoumae existiert nicht mehr. (red, 28. 7. 2017)

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