Asylwerber machen alte Fahrräder wieder flott

    27. Juli 2017, 17:03
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    In drei Pavillons auf dem weitläufigen Areal der ehemaligen Geriatrie am Wienerwald leben und arbeiten Flüchtlinge

    Wien – Man muss schon eine Weile gehen, um zum Pavillon X im weitläufigen Areal des ehemaligen Geriatriezentrums am Wienerwald zu gelangen. Besser ist man da mit dem Rad dran – und auch gleich an der richtigen Adresse. Denn hier befindet sich seit 2015 die "Refugee Bike Kitchen", wo man unter Anleitung bzw. mit der Hilfe von Asylwerbern sein Fahrrad reparieren lassen kann.

    "Fahrradküche"

    Eingerichtet ist die "Fahrradküche" wie eine Profiwerkstatt, Ersatzteile gibt es zum Selbstkostenpreis, für die Arbeit kann man eine Spende entrichten. Auch alte "Fahrradleichen", die man vielleicht zu Hause herumstehen hat, werden gerne als Spenden genommen, "wir schlachten sie aus", so Werkstättenleiter Florian Sixta.

    Für Flüchtlinge ist das ein sanfter Einstieg ins Berufsleben und die Möglichkeit, Deutsch zu üben.

    Insgesamt wohnen in den Pavillons X, XII und XVII zurzeit 625 Asylwerber, die vom Projekt "Wieder Wohnen" des Fonds Soziales Wien betreut werden. "Wieder Wohnen", nicht zu verwechseln mit "Wiener Wohnen" bietet über 3.200 betreute Plätze für obdachlose und geflüchtete Menschen.

    Ein Raum zum Neinsagen lernen

    Im Pavillon X gibt es auch einen Frauenraum, in freundlichem Gelb und Rosa gestrichen, wo Asylwerberinnen Deutsch und Grundlagen in Sachen Arbeit, Wohnen, Soziales und Frauenrechte lernen und unter Anleitung einer Fachfrau auch Kleider nähen können. Mitarbeiterin Fatima Jebaile weiß: "Viele lernen erst hier das Neinsagen."

    Frauenstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) besuchte die Räumlichkeiten am Donnerstag und kündigte weitere Unterstützung für die Aktivitäten im Frauenraum an. "Ich bin Feministin", erzählte sie jungen Frauen aus Afghanistan. "In unserer Geschichte haben wir immer eigene Räume gebraucht, um stark zu werden." (Colette M. Schmidt, 28.7.2017)

    • Fahrradprofis aus dem Irak und Afghanistan in der Werkstatt.
      foto: urban

      Fahrradprofis aus dem Irak und Afghanistan in der Werkstatt.

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