Was ist eigentlich "gutes Benehmen"?

Blog28. Juli 2017, 07:00
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Für manche Eltern reicht es, wenn Kinder Bitte und Danke sagen, für andere wiederum muss für ein tadelloses Verhalten einem regelrechten Kriterienkatalog gefolgt werden

Maria, Aaron und ihre drei Kinder Sebastian (3), Oskar (6) und Elena (12) sind bei Bekannten zum Grillen eingeladen. Im Auto auf dem Weg dorthin bespricht Maria mit ihren Kindern nochmals, was sie sich von den dreien erwartet, und ringt ihren Kindern das Versprechen ab, sich gut zu benehmen.

Melanie und ihr achtjähriger Sohn Anton leben seit zwei Jahren mit ihrer Lebensgefährtin Alina und deren fünfjähriger Tochter Alexandra im gemeinsamen Haushalt. Während Melanie auf Höflichkeit sehr viel Wert legt und dies in der Erziehung der Kinder sehr stark betont, meint Alina, dass das nur Dressur der Kinder wäre. Die beiden Frauen diskutieren in letzter Zeit vermehrt miteinander darüber und finden den für sie beide geeigneten Kompromiss noch nicht ganz.

Sabine und Harald arbeiten gemeinsam in einer Kindergruppe. Während Harald sich von den Kindern erwartet, dass diese ihn jeden Morgen mit einem Handschlag begrüßen und ihm dabei in die Augen schauen, ist dies Sabine egal. In den Vorbereitungsstunden beschwert sich Harald sehr oft bei Sabine, dass diese den Kindern keine guten Umgangsformen mitgeben würde. Damit Ruhe einkehrt, nimmt sich Sabine vor, die Kinder jeden Morgen zu Harald zu schicken. So hofft sie, soll die Arbeit mit ihm wieder angenehmer werden.

Oma Heidi möchte von ihren Enkelkindern gerne mit einem Kuss auf die Wange begrüßt werden. Sie sagt, das wäre gutes Benehmen. Die beiden Kinder von Tochter Gabi mögen dies aber nicht. Trotzdem besteht die Oma bei jeder Begegnung darauf.

Höflichkeitserziehung von Anfang an

Wenn wir mit Eltern und Bezugspersonen über Höflichkeit und gutes Benehmen sprechen, stellen wir fest, dass für viele unterschiedlichste Werte und Vorstellungen vorherrschend sind. Während die einen meinen, dass es genügt, wenn die Kinder Bitte und Danke sagen, haben andere eine Liste von Benimmregeln für Kinder und Erwachsene bereit. Je unterschiedlicher Menschen leben, desto vielfältiger und weniger allgemeingültig erscheinen Verhaltens-, Benimm- und Höflichkeitsregeln.

Vermittlung von Werten

Keine Frage, es geht nicht darum, ein Kind zu dressieren und ihm Kunststücke abzuverlangen, ohne darüber nachzudenken. Es geht um die Vermittlung von Werten und darum, dass das Kind lernt, sich nach den Regeln der jeweiligen Gesellschaft zu verhalten und damit einen gerechten Platz darin zu erhalten. Es geht sozusagen um die Vermittlung von Spielregeln, die notwendig sind, damit gegenseitiger Respekt, Akzeptanz, Grenzen und Toleranz anderen gegenüber möglich sind.

Keine Liste

Es gibt keine Liste, die bei der Höflichkeitserziehung abzuarbeiten ist. Vielmehr geht es darum, dem Nachwuchs Offenheit und Freundlichkeit den Mitmenschen gegenüber vorzuleben und damit eine Grundhaltung zu vermitteln. Dazu gehört beispielsweise das Grüßen der Nachbarn, die uns begegnen, wie auch das Verabschieden beim Nachhausegehen und vieles mehr. Diese zumindest kurze Aufmerksamkeit macht es möglich, den anderen Menschen wahrzunehmen.

Wenn Eltern und Bezugspersonen Höflichkeit und gutes Benehmen wichtig sind, dann möchten sie auch, dass sich ihr Nachwuchs genauso verhält. Damit dies geschehen kann, sind das Vorleben und die Anregung des Kindes dazu ein eminent wichtiger Faktor. Das Kind erlebt Freude und Akzeptanz dadurch, dass es von den anderen Menschen ebenso freundlich bemerkt wird. Dies führt dazu, dass es bemerkt, dass Höflichkeit und Freundlichkeit tief in der Seele guttun.

Aufmunterung, nicht Aufforderung

Vorbildwirkung, die Grundhaltung der Erwachsenen gegenüber anderen Menschen und eine freundliche Aufmunterung helfen dem Kind, dieses Verhalten irgendwann von sich aus selbst zu zeigen und dieses gute Benehmen in seine Handlungskompetenz zu übernehmen.

Egal ob grüßen, Bitte oder Danke sagen, pünktlich sein, in die Augen schauen, jemandem zu helfen oder einer anderen Person den Sitzplatz zu überlassen – zu einem wertschätzenden Umgang miteinander gehört es jedenfalls, dem Kind die Möglichkeiten zu eröffnen, sich gut benehmen zu können. Wer dies als Kind nicht gelernt hat, kann sich als Erwachsener nicht offen dafür oder dagegen entscheiden.

Was gehört für Sie zum guten Benehmen?

Was müssen Kinder Ihrer Meinung nach lernen, damit sie in unserer Gesellschaft anerkannt sind? Welche Benimmregeln halten Sie für überflüssig? Posten Sie Ihre Erfahrungen und Ideen im Forum! (Andrea Leidlmayr, Christine Strableg, 28.7.2017)

Andrea Leidlmayr und Christine Strableg bloggen auf derStandard.at/Familie und geben Eltern Tipps für den täglichen Erziehungsalltag.

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