Mysteriöse Signale von nahem Stern sind künstlichen Ursprungs – aber nicht außerirdisch

24. Juli 2017, 17:26
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Radioastronomen halten geostationäre Satelliten für die wahrscheinlichste Quelle

Arecibo – In der vergangenen Woche sorgten mysteriöse Signale vom Zwergstern Ross 128, die Astronomen bereits im Mai mit dem Radioteleskop von Arecibo in Puerto Rico empfangen hatten, für großes Rätselraten. Nachdem zunächst keine der möglichen natürlichen Erklärungen für die periodische Impulse zu passen schienen, stand die Möglichkeit im Raum, dass sie künstlichen Ursprungs sein könnten. Am 16. Juli wurde der Rote Zwerg in rund 11 Lichtjahren Entfernung erneut mit Teleskopen beobachtet, doch diesmal blieb das Signal aus.

Weird!-Signal aus dem Erdorbit

Nun berichtet die Forschergruppe um Abel Méndez von der University of Puerto Rico, die das von ihnen "Weird!-Signal" getaufte Mysterium vor einigen Wochen registriert hatte, dass es vermutlich tatsächlich einer künstlichen Quelle entsprang – allerdings anders, als sich das wohl viele erhofft haben: Das Signal war mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Kontaktversuch einer außerirdischen Zivilisation, sondern dürfte von einem oder mehreren Erdsatelliten ausgesendet worden sein.

"Wir diskutierten unsere Daten und möglichen Erklärungen mit vielen anderen Radioastronomen, doch das führte zunächst zu keiner definitiven Antwort," meint Méndez. "Daher suchten wir Hilfe bei den Kollegen von SETI Berkeley und dem SETI Institute." Das Team vom Breakthrough-Listen-Projekt vom SETI Research Center der University of California, Berkeley, beteiligten sich daraufhin an der neuerlichen Beobachtung von Ross 128 mit dem Green Bank Telescope (GBT) im US-Bundesstaat West Virginia.

Ein kleines Fragezeichen bleibt

"Nach eingehender Analyse dieser neuerlichen Beobachtungen mit dem Arecibo-Radioteleskop, dem Green Bank-Observatorium und dem Allen Telescope Array des SETI Institutes sind wir uns weitgehend sicher, was die Quelle des 'Weird!-Signals' betrifft," erklärt Méndez. Die wahrscheinlichste Erklärung dafür sei demnach, dass es von einem oder mehreren geostationären Satelliten stammt.

"Das passt schon allein deshalb, weil das Signal innerhalb der von diesen Satelliten verwendeten Frequenzen liegt und nur bei der Beobachtung von Ross 128 aufgetaucht ist. Dieser Stern liegt nahe dem Himmelsäquator, wo viele geostationäre Satelliten ihre Kreise ziehen," meint der Forscher. Allerdings schränkt Méndez ein, dass dies nicht erklären würde, warum das Signal über sehr starke Streuungsmerkmale verfügte. (red, 24.7.2017)

  • Ross 128 ist ein Roter Zwergstern, der etwa 15 Prozent der Masse und 21 Prozent des Durchmessers unserer Sonne besitzt. Mit einer Entfernung von 10,96 Lichtjahren zählt er zu den sonnennächsten Sternen.
    foto: sloan digital sky survey

    Ross 128 ist ein Roter Zwergstern, der etwa 15 Prozent der Masse und 21 Prozent des Durchmessers unserer Sonne besitzt. Mit einer Entfernung von 10,96 Lichtjahren zählt er zu den sonnennächsten Sternen.

  • Das "Weird!"-Signal stammt vermutlich nicht von Ross 128, sondern einem oder mehreren geostationären Satelliten.
    grafik: planetary habitability laboratory, university of puerto rico

    Das "Weird!"-Signal stammt vermutlich nicht von Ross 128, sondern einem oder mehreren geostationären Satelliten.

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