Polizeiübergriff: Good Cop, Bad Cop

Kommentar23. Juli 2017, 18:28
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Die Polizeiführung hat nach Vorwürfen bei einer Amtshandlung richtig reagiert. Aber der exekutive Korpsgeist bleibt ein Problem

Ja, auch Polizisten sind nur Menschen. Menschen, die die Nerven verlieren können. Nur müssen es sich Polizisten auch gefallen lassen, dass bei ihnen ein höherer Maßstab angelegt wird. Sie haben das Gewaltmonopol, sind gesetzlich besonders geschützt und haben eine umfangreiche Ausbildung. Und genau deshalb dürfen sie nicht einfach, salopp gesagt, ein paar Watschen verteilen, wenn ein Beamtshandelter nicht so tut, wie sie es gern hätten.

In einer Wiener Obdachloseneinrichtung scheint das passiert zu sein. Der Polizeiführung gebührt für ihre Reaktion ein Lob: Sie ist auf Nummer sicher gegangen und hat den Hauptbeschuldigten beim Aufkommen der Vorwürfe sofort suspendiert, kurz darauf auch seinen Kollegen.

Den Partner vernadert man nicht

Ein Vorgang, der intern nicht allseits goutiert wird. Denn der Korpsgeist ist stark bei der Exekutive. Leider. Ja, auch das ist menschlich verständlich: Den Partner, mit dem man im Streifenwagen sitzt, vernadert man nicht. Sorry, genau das sollte man aber, wenn sich der nicht im Griff hat.

Hier ist ein Bewusstseinswandel nötig. Denn das Ansehen der Polizei hebt man nicht nur, indem man Leben rettet und Bösewichte fängt – sondern auch, indem man dafür sorgt, dass die Bad Cops verschwinden oder zumindest nicht mehr auf die Bürgerinnen und Bürger losgelassen werden. Auch das ist eine Aufgabe der Führungsebene: klarzumachen, dass man erst recht ein Good Cop ist, wenn man bei internem Fehlverhalten nicht wegschaut. (Michael Möseneder, 23.7.2017)

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