Tempelberg-Konflikt: Anhaltende Gewalt sorgt weltweit für Beunruhigung

    23. Juli 2017, 14:14
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    Blutige Gewalt geht trotz Appellen zur Mäßigung weiter – Schweden, Frankreich und Ägypten für Dringlichkeitssitzung zur Deeskalation

    Jerusalem – Nach blutiger Gewalt wegen eines Streits um Sicherheitsmaßnahmen am Tempelberg in Jerusalem hat Israel am Sonntag neue Überwachungskameras an der heiligen Stätte angebracht. Ein israelischer Repräsentant bestätigte, die Kameras seien an einem Eingang zum Tempelberg installiert worden. Es war zunächst unklar, ob sie dort die umstrittenen Metalldetektoren ersetzen oder ergänzen sollten.

    Die Palästinenser lehnen allerdings beide Maßnahmen strikt ab. Die israelische Regierung versammelte sich am Sonntag zu Beratungen darüber, ob die Metalldetektoren an der Stätte, die Muslimen und Juden heilig ist, wieder abgebaut werden sollten.

    Generalmajor Joav Mordechai, Chef der israelischen Zivilverwaltung für die Palästinensergebiete, sagte dem Sender Al-Jazeera, es würden "andere Optionen und Alternativen" zu den am Tempelberg eingesetzten Metalldetektoren geprüft. Israels Minister für öffentliche Sicherheit, Gilad Erdan, sprach sich dafür aus, dass die Metalldetektoren so lange installiert blieben, bis es eine befriedigende Alternative gebe.

    Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abul Gheit, warnte Israel am Sonntag vor gefährlichen Konsequenzen. "Die israelische Regierung spielt mit dem Feuer und riskiert es, eine große Krise mit der arabischen und der islamischen Welt auszulösen", sagte er nach Angaben eines Sprechers in Kairo. Jerusalem sei für Araber und Muslime eine rote Linie, die nicht überschritten werden dürfe. Die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg gilt als drittheiligste Stätte des Islams

    Weltweite Beunruhigung

    Die Auseinandersetzungen um den Zugang zum Tempelberg in Jerusalem haben international die Sorge vor einem neuen Palästinenseraufstand wachsen lassen. Die UNO, die EU und das Nahost-Quartett richteten am Wochenende eindringliche Aufrufe zur Mäßigung an Israel und die Palästinenser. Der UN-Sicherheitsrat setzte für Montag eine Dringlichkeitssitzung an.

    Die Gewalt in der Region ging weiter, am Samstag wurden zwei junge Palästinenser getötet. Die internationale Gemeinschaft will mit diplomatischen Bemühungen verhindern, dass der Konflikt um den Tempelberg dauerhaft eine neue Spirale aus Gewalt und Gegengewalt in Gang setzt. Der UN-Sicherheitsrat werde am Montag "dringend" beraten, "wie Appelle zu einer Deeskalation unterstützt werden können", kündigte der schwedische UN-Botschafter Carl Skau an.

    Das Nahost-Quartett aus UNO, EU, den USA und Russland rief die Konfliktparteien zu "maximaler Zurückhaltung" auf. Alle Seiten müssten sich "von provokativen Akten fernhalten und auf eine Deeskalation hinarbeiten", hieß es in einer Erklärung der vier Gesandten.

    Aufruf zur Deeskalation

    Das Auswärtige Amt in Berlin appellierte am Samstag an alle Beteiligten, zu einer Deeskalation beizutragen. Niemand dürfe "denjenigen das Wort überlassen, die zur Gewalt aufrufen oder diese in Kauf nehmen", erklärte es in Berlin.

    Die EU rief ihrerseits Israel und Jordanien auf, gemeinsam nach Wegen zu suchen, wie sich die Sicherheit auf dem Tempelberg für alle gewährleisten lasse, ohne den dortigen Status quo zu verändern.

    Israel hatte nach einem Anschlag arabischer Israelis auf zwei israelische Polizisten in der Jerusalemer Altstadt in der vergangenen Woche die Kontrollen zum Tempelberg verschärft und Metalldetektoren sowie zusätzliche Überwachungskameras am Eingang installieren lassen. Die Palästinenser sehen darin einen Versuch Israels, mehr Kontrolle über den Tempelberg zu übernehmen, der Juden, Muslimen und Christen gleichermaßen als bedeutendes Heiligtum gilt.

    Der Streit war am Freitag eskaliert. Binnen weniger als 24 Stunden wurden in dem Konflikt sechs Menschen getötet – unter ihnen drei Israelis, die von einem 19-jährigen palästinensischen Angreifer in einer Siedlung im besetzten Westjordanland erstochen wurden.

    Am Samstag warfen junge Palästinenser Steine und Benzinbomben auf Armeeeinheiten, die zum Haus der Familie des 19-jährigen Attentäters im Westjordanland vorrückten. Es wurde damit gerechnet, dass sie das Haus zerstören wollen; damit straft Israel regelmäßig die Familien von Attentätern. Der Bruder des Attentäters wurde festgenommen.

    Abbas friert Kontakte zu Israel ein

    Auch anderswo gingen die Auseinandersetzungen am Samstag weiter. Ein 17-jähriger Palästinenser wurde nach palästinensischen Angaben bei Zusammenstößen in Al-Asarija östlich von Jerusalem von israelischen Sicherheitskräften angeschossen und erlag später seinen Verletzungen. Im nahe gelegenen Abu Dis starb ein 18-jähriger Palästinenser, als der Molotow-Cocktail, mit dem er israelische Sicherheitskräfte bewerfen wollte, vorzeitig explodierte.

    Wegen der Verschärfung der Zugangskontrollen zum Tempelberg hatte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas am Freitagabend alle Kontakte der Palästinenserführung zu Israel eingefroren.

    Die Arabische Liga warf Israel die Ausübung "exzessiver Gewalt" vor. Der Vorsitzende des Staatenbundes, Ahmed Abul Gheit, legte israelischen Sicherheitskräften zur Last, "mit exzessiver Gewalt und scharfer Munition gegen unbewaffnete Zivilisten" vorzugehen. (APA, 23.7.2017)

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    • Auch im Westjordanland kam es zu Ausschreitungen zwischen Palästinensern und Israelis.
      foto: reuters/mohamad torokman

      Auch im Westjordanland kam es zu Ausschreitungen zwischen Palästinensern und Israelis.

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