Sektenexperte: Tausende Angebote für den Umstieg in die Parallelwelten

20. Juli 2017, 18:48
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Immer mehr Österreicher ziehen sich in Parallelwelten zurück. Es entstünden mehr kleine sektenartige, fundamentalistisch-religiöse und politisch radikale Gruppen, warnt Roman Schweidlenka

Graz – Es sei zuletzt etwas ruhiger geworden um die Sektenszene in Österreich, wohl auch, weil sie sich in "ein wild wucherndes Feld mit tausenden Angeboten" aufgesplittet habe, sagt der steirische Sektenexperte Roman Schweidlenka. Es entstünden immer mehr kleine Gruppen, die Sektenmerkmale aufwiesen, das gelte für die breit gefächerte Esoterikabteilung ebenso wie für fundamentalistische religiöse, aber auch radikale politische Gruppen.

Schweidlenka ortet ein immer stärkeres Abgleiten in Parallelwelten, "die sich abkapseln und die mit dem Rest der Gesellschaft nichts mehr zu tun haben wollen", sagte der Sektenfachmann am Donnerstag bei der Präsentation des steirischen ESO-Jahresberichts (Esoterik, Sekten und Okkultismus) in Graz.

Die jüngste Entwicklung schaffe jedenfalls ein "neues, explosives, gesellschaftliches Potenzial, in dem die moderne, narzisstisch geprägte Esoterik verstärkt in politischen Bezügen auftritt".

Thema Staatsverweigerer

Nach wie vor sei die Gruppe der Staatsverweigerer ein großes Thema. Die Oststeiermark sei ein Zentrum dieser Bewegung, dessen steirische Führerin zuletzt mit antisemitischen Aussagen aufgefallen war.

Und immer wieder gehe es ums Geld. Die Sekten locken: "Löse deine Geldblockaden, und Engel geleiten dich zu den Quellen des Reichtums. Nützt alles nichts, kannst du eine karmische Familienaufstellung machen. Alles kostenpflichtig, versteht sich", sagt Schweidlenka. Für die zuständige Landesrätin Ursula Lackner (SPÖ) gibt es nur eine wirksame Immunisierung gegen Sekten: Bildung. (Walter Müller, 20.7.2017)

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