Der "Totti" aus der Südstadt

13. August 2017, 09:47
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Daniel Toth spielt seine neunte Admira-Saison und heute im Sonntags-Heuler gegen Rapid. "Es gibt wenig Druck", sagt der Kapitän der Südstädter

Maria Enzersdorf – "Es klingt verrückt", sagt Daniel Toth, "aber die Admira ist mir ans Herz gewachsen." Der 30-jährige Wiener darf das sagen, immerhin ist es seine neunte Saison als Fußballprofi in der Südstadt. Eine Konstante, die in der Bundesliga ihresgleichen sucht. Die Admira hat in den ersten drei Spielen bereits neun Gegentore kassiert, ist mit drei Punkten Achter. Am Sonntag misst sie sich daheim mit Rapid (16.30 Uhr, live ORF 1), das Stadion in der Südstadt wird voll sein. Daniel Toth ist Realist. Nach Platz sechs in der Vorsaison wird die Admira in der Tabelle zunächst eher nach unten schauen. "Das Jahr wird für uns schwieriger, weil mit dem LASK ein starkes Team aufgestiegen ist", sagt Toth zum Standard.

Im Winter verabschiedeten sich die Niederösterreicher von Trainer Oliver Lederer und einer aktiveren Spielanlage. Unter Damir Buric agiert man nun deutlich defensiver. Das ist nicht immer sehr schön anzusehen. Dass man damit die letzten Fans von den Tribünen in der Südstadt vergrault, glaubt Toth nicht. "Unter Lederer haben wir das Heil im Kombinationsspiel gesucht. Unter Buric greifen wir mehr über die Flanken an, suchen schneller den Abschluss. Beides hat seine Vorteile."

Kommen und Gehen

Toth hat einige Trainer kommen und gehen gesehen bei der Admira. Kühbauer, Polster, Knaller, Lederer, Baumeister. In seiner ersten Saison unter Walter Schachner war für Toth alles neu. "Er hat sehr viel Wert gelegt auf die Defensive, wir haben im Training oft ein bis zwei Stunden nur Lauf- und Stellungsspiel geübt, wenn der Gegner den Ball hat." Die Umstellung auf ein defensiveres System unter Buric ist ihm leicht gefallen. "Ich hab' von allen Trainern profitiert."

Die Admira bemüht sich um ein ruhigeres Vereinsumfeld. Die Kicker erhalten ihre Gagen pünktlicher als früher, das jährliche Zittern um den Erhalt der Lizenz soll Geschichte sein. Negativschlagzeilen gab es trotzdem. Von Hoffenheim musste eine Ausbildungsentschädigung für Nachwuchsspieler Stefan Posch erstritten werden. Das Transfertheater um Christoph Monschein zog sich, der zur Austria transferierte Stürmer hat sich nicht von der Mannschaft verabschiedet. Toth: "Das ist schade, aber ich bin ihm nicht böse."

"Das ist unser Weg"

Bei der Admira wird Abgängen nicht nachgetrauert, dafür ist die Fluktuation zu hoch. Der neu verpflichtete 20-jährige Kroate Marin Jakolis soll die Lücke füllen, die Monschein mit zehn Toren in der vergangenen Saison hinterlassen hat. Sieben Nachwuchsspieler wurden in den Profibetrieb eingebaut. Buric sagt, dass ihn die Bezeichnung "graue Maus" ärgert. Große Transfers blieben aber aus. Toth: "Das ist unser Weg. Die besten Bundesligisten bestücken sich regelmäßig mit ehemaligen Admira-Akademie-Spielern. Das sollte man auch wertschätzen."

Daniel Toth hat in dieser Saison bereits zwei Tore erzielt, von Mitspielern und Fans wird er liebevoll Totti genannt. Der echte Totti, Francesco, hat sich in Rom erst mit 40 Jahren in die Fußballpension verabschiedet. "So lange will ich nicht kicken. Aber er ist ein Symbol für Vereinsloyalität." Auch Toth haben Anfragen erreicht, er hat immer dankend abgelehnt. "Bei der Admira wird wenig Druck gemacht. Die Fans haben letzte Saison die ganze Mannschaft zum Essen eingeladen, und zwar nicht am Würstelstand. Es war ein hoher Betrag. Der Zusammenhalt ist spürbar. Da bekommst du eine Gänsehaut." (Florian Vetter, 12.8.2017)

FC Flyeralarm Admira – SK Rapid Wien (Maria-Enzersdorf, BSFZ-Arena, Sonntag 16.30 Uhr/live Sky und ORF eins, SR Schörgenhofer). Saisonergebnisse 2016/17: 0:4 (a), 1:2 (h), 0:0 (a), 3:2 (h)

Admira: Leitner – Zwierschitz, Wostry, Strauss, Holzmann – Starkl, Lackner, Toth, Ebner, Jakolis – Knasmüllner

Ersatz: Kuttin – Maranda, Posch, Maier, Kalajdzic, Grozurek, Schmidt

Es fehlen: Carbrera, Fischerauer (beide Aufbautraining)

Fraglich: Wostry (Knieprobleme), Sax (Hüftbeuger), Grozurek (Seitenband-Überdehnung)

Rapid: Strebinger – Pavelic, Sonnleitner, Wöber, Bolingoli – Auer, Schwab – Schaub, S. Hofmann, Murg – Joelinton

Ersatz: Knoflach – M. Hofmann, Thurnwald, Keles, Kuen, Prosenik, Sobczyk

Es fehlen: Schrammel (gesperrt), Schobesberger, Mocinic, Kvilitaia (Trainingsrückstand/bei Rapid-Amateuren), Szanto (nach Leistenbruch-Operation), Dibon (Knieprobleme), Malicsek (Aufbautraining)

  • Mit 30 Jahren ist Mittelfeldspieler Daniel Toth bei der Admira bereits ein Urgestein.
    foto: apa/haumer

    Mit 30 Jahren ist Mittelfeldspieler Daniel Toth bei der Admira bereits ein Urgestein.

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